Neckarbrücke Besigheim Schon vor 100 Jahren in den Schlagzeilen

Von Martin Hein
Die hölzerne Neckarbrücke ist auf diesem Foto zu sehen und im Hintergrund sowohl die Kulisse der Stadt, als auch die neue Brücke, die sich im Bau befindet. Foto: /Friedrich Raich/Stadtarchiv Besigheim

Beim Abbruch der alten Holzbrücke über den Neckar bei Besigheim stürzte sie am 3. September 1926 in sich zusammen und riss sechs Arbeiter in den Fluss.

Bereits vor genau 100 Jahren sorgte die alte Besigheimer Neckarbrücke für negative Schlagzeilen. Bei den Abbrucharbeiten stürzte am 3. September 1926 ein Teil der alten Holzbrücke zusammen und riss sechs Arbeiter in die Tiefe. Der Stadtbaumeister Karl Feyerabend und ein Arbeiter wurden dabei leicht verletzt. Die neue Eisenbetonbrücke wurde am 26. November 1926 eingeweiht und 1945 gesprengt.

Bekanntlich ist derzeit die Besigheimer Neckarbrücke wegen Risse in den Spanndrähten über dem Wasserkraftwerk seit Mitte Juli gesperrt. Der Straßenverkehr muss deshalb die Brücke weiträumig umfahren (die BZ berichtete). Bereits vor 100 Jahren stand eine Besigheimer Neckarbrücke ebenfalls im Fokus der Öffentlichkeit und sorgte zunächst auch für weniger schöne Schlagzeilen. Wenige Monate später wurde dann die neue Betonbrücke über den Neckar eingeweiht.

Alte Holzbrücke stürzt ein

Bis 1926 führte eine Holzbrücke über den Neckar. Dieses Bauwerk hatte nach vielen Jahren ausgedient, eine neue Betonbrücke sollte künftig der Querung des Neckars dienen. Die alte Brücke wurde deshalb abgerissen. Am Freitag, 3. September 1926, gegen 11.30 Uhr geriet während der Abbrucharbeiten die westliche Hälfte des maroden Bauwerks zunächst ins Schwanken und krachte schließlich in sich zusammen. Die meisten Arbeiter konnten sich gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Trotzdem rissen herabstürzende Balken sechs Arbeiter, darunter den Besigheimer Stadtbaumeister Karl Feyerabend in die Tiefe. Es sei als ein Wunder zu bezeichnen, dass unter dem Gemisch zusammenstürzender Balken, Eisenträger und Rollbahnschienen kein Menschenleben ernsten Schaden nahm, berichtete der Enz- und Metter-Bote in der Ausgabe vom 4. September 1926.

Neugierige kamen in großer Zahl

Die Nachricht vom Brückeneinsturz verbreitete sich in Windeseile. „Gleich nach Bekanntwerden des Unglücks kamen Neugierige in großer Zahl zu Fuß, per Rad oder Auto herbei. Hoch emporragende, schwere, aber vielfach morsche Balken zeugten einerseits davon, mit welch ungeheurer Wucht der Einsturz vor sich ging, andererseits aber fand die dringend notwendige Erneuerung dieser Brücke ihre Bestätigung in dem völlig zermürbt sich zeigenden Holze“, war im Enz- und Metter-Boten zu lesen.

Zur Klärung der Unfallursache traf noch am selben Tag gegen 15 Uhr ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Heilbronn am Unfallort ein. Sofort wurde auch unter der Bevölkerung spekuliert, was das Unglück verursacht haben könnte. Ältere Besigheimer Einwohner hatten bereits kurz nach dem Einsturz die Vermutung geäußert, dass die alte Holzbrücke, die zuvor in Heilbronn stand, seinerzeit an den Auflagestellen bei den Ufern zu knapp bemessen gewesen sei. Man habe damals gesagt, das „Meß sei durchgegangen“.

Einweihung der neuen Brücke

Die neu erbaute Eisenbetonbrücke über den Neckar wurde am Freitag, 26. November 1926, von der Stadt Besigheim übernommen und feierlich dem Verkehr übergeben. So ganz schien das Bauwerk dem Redakteur des Enz- und Metter-Boten, der über dieses Großereignis berichtete, nicht zu gefallen. „Mit Tannen, Blumen und Fahnen war das sich dem Landschaftsbild verhältnismäßig gut anfügende Bauwerk bekränzt“, war da zu lesen. Stadtschultheiß Emil Hayer gab einen kürzen Rückblick über die 100-jährige Vergangenheit der „Flussübergangsmittel“, von der Fähre über eine Holzbrücke bis zur neuen Eisenbetonbrücke. 70.000 Reichsmark kostete das neue Bauwerk. 36 Prozent davon gab es als staatlichen Zuschuss, die Stadtgemeinde Besigheim übernahm 34 Prozent, die Amtskörperschaft Besigheim 18,5 Prozent, die Gemeinde Hessigheim drei Prozent, Gemmrigheim sollte 2,5 Prozent übernehmen, Marbach, Mundelsheim und Ottmarsheim trugen zusammen sechs Prozent der Baukosten.

Oberbaurat Dr. Frank wies in seiner Rede auf die besonderen Verhältnisse und die große Belastung hin, die der Oberamtsstadt durch das Flusspaar Neckar und Enz erwachsen. Dr. Frank geriet bei seiner Ansprache dann regelrecht ins Schwärmen, er wies auf die eigenartigen Reize hin, die Enz und Neckar dem alten Städtchen Besigheim verleihen. Anschließend fand im Sitzungssaal des Rathauses für geladene Gäste die offizielle Feier statt. „Reden und Toaste durchwoben die Feier“ hieß es. Nach dem offiziellen Teil der Brückeneinweihung wurde zünftig im Saal zur Post gefeiert. Hauptakteure bei diesem inoffiziellen Programmpunkt waren sämtliche am Bau tätigen Arbeiter und Angestellte sowie die Besigheimer Einwohnerschaft, wobei auch die Stadtkapelle mitwirkte.

Gemmrigheim wollte nicht zahlen

Gemmrigheim sollte, wie bereits erwähnt, 2,5 Prozent der Baukosten übernehmen. Letztendlich kam es wegen dieser Beteiligung Jahre später zu gewissen Dissonanzen zwischen Besigheim und Gemmrigheim. Der Enz- und Metter-Bote berichtete in der Ausgabe vom 31. Januar 1929, dass sich Gemmrigheim weigere, einen 1000 Mark überschießenden Betrag an den Kosten zu entrichten. Trotz wiederholter Bemühungen der Besigheimer Stadtverwaltung, sei der Gemmrigheimer Gemeinderat nicht zu einer Stellungnahme zu bewegen. Letztendlich sah sich der Gemeinderat in Besigheim genötigt, die Forderung von der Gemeinde Gemmrigheim zwangsweise beitreiben zu lassen.

Brücke wurde 1945 gesprengt

Ein langes Leben war der 1926 fertiggestellten Eisenbetonbrücke letztendlich nicht beschert. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs sprengten deutsche Truppen im April 1945 auf dem Rückzug nicht nur die Enzbrücke, sondern auch eben die Neckar-Eisenbetonbrücke. Nach dem Krieg wurde zunächst wieder eine hölzerne Behelfsbrücke erstellt, die jedoch nur von Fußgängern und leichten Fuhrwerken genutzt werden konnte. 1950 begannen dann die Planungen für eine neue Betonbrücke, die 1952 fertiggestellt wurde und jetzt, nach über 70 Jahren ein Sanierungsfall ist.

 
 
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