Neue Ausstellung im Stadtmuseum Sachsenheim Vom Rittersitz zum Rathaus

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Im Stadtmuseum in Sachsenheim gibt es die neue Ausstellung „Von allen guten Geistern verlassen?“ zu sehen, die (von links) Jennifer Stobinsky, Bürgermeister Holger Albrich und Museumsleiterin Claudia Papp vorstellten. ⇥ Foto: Fotos: Oliver Bürkle

Die neue Ausstellung im Stadtmuseum erzählt die spannende Historie des Wasserschlosses.

Früher residierten die Herren von Sachsenheim in dem prächtigen zwölfeckigen Gebäude mit Innenhof und Parkanlage. Heute haben dort Bürgermeister Holger Albrich und die Mitglieder der Stadtverwaltung ihre Arbeitsplätze: Das Wasserschloss im Herzen Großsachsenheims kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Mit dieser interessanten Historie beschäftigt sich die neue Ausstellung im Stadtmuseum unter dem spannenden Titel „Von allen guten Geistern verlassen“.

Sage vom „Klopferle“

Dieses Motto spielt bereits auf den Schlossgeist „Klopferle“ an, der einer Sage nach im Jahr 1542 für den Brand des Wasserschlosses verantwortlich gewesen sein soll. Das „Klopferle“, ursprünglich ein guter Schlossgeist, wollte sich an Schlossherr Reinhard von Sachsenheim rächen, der ihn aus dem Wasserschloss vertreiben wollte.

„Schon um 1400 hatten die Herren von Sachsenheim ihren Sitz von der Äußeren Burg hoch über Untermberg in die Stadt verlegt. Die Zeit der Adels- und Kleinkriege war vorbei, es bedurfte keiner Wehrfunktion der Burg mehr, und die Herren von Sachsenheim wollten repräsentativ und komfortabel leben“, erläutert die Leiterin des Sachsenheimer Stadtmuseums, Dr. Claudia Papp. Nach dem Brand errichtete Reinhard von Sachsenheim im Jahr 1544 das moderne Renaissanceschloss. Doch schon bald starb das bekannte Rittergeschlecht aus, und das Schloss ging in den Besitz des Hauses von Württemberg über. „Nun begann eine wechselvolle Geschichte des Wasserschlosses unter anderem als Schule, Müttergenesungswerk, Soldatenspital und schließlich ab 1951 als Rathaus. Damals war sogar im Gespräch, im Schloss anstelle des Rathauses zwei Gaststätten oder eine Schule einzurichten“, betont Dr. Papp.

Beleuchtet wird diese Baugeschichte unter den feudalen Schlossherren in den ersten beiden Abschnitten der neuen Ausstellung. Dabei erfährt der Besucher auch, dass auf dem Gelände des heutigen Schlossfreibads früher eine barocke Gartenanlage mit prächtigen Blumen und einer Sonnenuhr beheimatet war. Der Schlosspark wiederum diente als große Fläche mit Obstbäumen.

Freiin Helene von Koenig-Fachsenfeld galt als große Liebhaberin der barocken Gartenanlage, und in ihrem Nachlass sind auch die einzigen überlieferten Fotos der Blumenpracht zu finden. Ihre Familie gehörte zu den privaten Besitzern des Wasserschlosses, denen sich der dritte Abschnitt der Ausstellung widmet. Die Freiin hatte im Gebäude des heutigen Schlosskindergartens eine wirtschaftliche Frauenschule aus der Taufe gehoben.

Josephine Baker im Schloss

Im letzten Abschnitt der Museumsschau wird an die berühmten Gäste des Schlosses erinnert. So nächtigte dort im April 1945 die berühmte Josephine Baker, die in Kleinsachsenheim vor französischen Soldaten aufgetreten war. Auch der Maler Theodor Werner, der als Wegbereiter der Moderne gilt, lebte von 1919 bis 1929 im Schloss, weil Freiin Helene von Koenig-Fachsenfeld ihn förderte und ihm Unterschlupf gewährte. „Wir haben versucht, in der Ausstellung auch viele bisher unbekannte Aspekte anzusprechen. Es gibt außerdem neun Mitmachstationen für Jung und Alt“, erklärt Dr. Papp.

Allerdings kommen die Besucher erst in den Genuss dieser interaktiven Stationen und des Rahmenprogramms, wenn das Stadtmuseum wieder seine Türen öffnen darf. Bis dahin gibt es am Sonntag, 25. April, ab 11 Uhr eine virtuelle Ausstellungseröffnung mit Renaissance-Musik von Till Breitkreutz und Marcus Caratelli sowie einem kleinen Rundgang durch die Ausstellung.  Für den Muttertag können sich die Kleinen ein Bastelpaket im Museum für vier Euro abholen, für das vom 26. bis 30. April Anmeldungen entgegengenommen werden.

 
 
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