Neujahrskonzert in Ludwigsburg Mit dem Feuer Spaniens ins neue Jahr

Von Dietmar Bastian
Der spanische Tenor Eduardo Aladrén in Aktion beim Neujahrskonzert im Ludwigsburger Forum begleitet von der Württembergischen Philharmonie Reutlingen. Foto: /Oliver Bürkle

Die Württembergische Philharmonie Reutlingen und zwei Solisten haben am Neujahrstag im Forum ein temperamentvolles Neujahrskonzert gegeben.

Auch in der Musikgeschichte gab und gibt es Moden. Im 17. und 18. Jahrhundert, in der Zeit des Rokokos und der Klassik, war man von der Exotik des Osmanischen Reiches fasziniert, was sich etwa in Mozarts Oper „Entführung aus dem Serail“ oder in seinem „Türkischen Marsch“ abbildet. Im 19. Jahrhundert liebte man das Ungarische, das zum Beispiel in die Kompositionen Johannes Brahms‘, Franz Liszts oder Franz Léhars Eingang gefunden hat.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren es die Melodik, Harmonik und Rhythmik der spanischen Folklore, mit denen sich Tonschöpfer wie Edward Elgar, Giuseppe Verdi, Peter Tschaikowsky, Émile Waldteufel, Johann Strauss oder Emmanuel Chabrier auseinandergesetzt haben. Das bekannteste Beispiel ist aber mit Sicherheit George Bizets Oper „Carmen“.

Sechzig Musiker, eine virtuose Tänzerin und ein Operntenor

Spanisch kolorierte Werke dieser Komponisten sowie Originalkompositionen von Mateo Albéniz, Pablo Luna, Gerónimo Ginénez, Manuel de Falla und anderer ergaben das Programm des schmissigen Neujahrskonzerts im Großen Saal des Ludwigsburger Forums am Nachmittag des ersten Januars – diesmal mit der großsinfonisch besetzten Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter der erprobten Leitung des Schweizer Dirigenten Thomas Herzog.

An die sechzig Musikerinnen und Musiker, darunter allein fünf Percussionisten, die für den nötigen Wumms sorgten, waren angereist. Die Kastagnetten-Virtuosin Belén Cabanes und der Operntenor Eduardo Aladrén beeindruckten besonders auf der Bühne. Cabanes stammt aus Barcelona, wo sie Flamenco-Tanz und Konzertkastagnetten studiert und zu einer Meisterschaft entwickelt hat, die sie jetzt in Deutschland weitergibt. Der im spanischen Zaragoza geborene Aladrén ist auf den großen Bühnen dieser Welt zuhause.

Die erste Konzerthälfte gehörte dem Dreivierteltakt – Tänzen wie „Sevillana“, dem „Spanischen Tanz“ aus Tschaikowskys „Schwanensee“ oder dem Walzer „Espana“ von Émile Waldteufel, dem eine ausschweifende Kastagnetten-Solo-Improvisation Cabanes‘ vorausging. Die Kälte des Neujahrstags draußen und das Feuer Spaniens, das von Beginn an im Forum loderte, fanden im voll besetzten Großen Saal zusammen. Kleinere Probleme bei der Feinabstimmung im Bläserapparat des Orchesters wurden schnell überwunden.

Spanische Märsche, Romanzen und Balladen

Auch der Operntenor Eduardo Aladrén, dem man in der berühmten Romanze „El último romantico“ von Reveriano Soutello und Juan Vert seine Aufregung anmerkte, was sich auf seine Sicherheit in der Höhe auswirkte, konnte sich schnell freisingen und mehr und mehr überzeugen. Die Kastagnetten-Virtuosin erhielt möglicherweise deshalb besonders viel Applaus, weil man ihr Instrument nicht allzu oft antrifft und sie ihr Spiel mit ausdrucksstarken tänzerischen Elementen verbindet.

Das Gute-Laune-Programm fand nach der Pause eine bunte Fortsetzung. Thomas Herzog, der Maestro, hatte die Stücke in eine intelligente Reihenfolge gebracht. Rhythmisch ausdrucksstarken Partituren wie Johann Strauss‘ „Spanischer Marsch“ oder Amadeo Vives‘ „Fandango“ wurden Romanzen und balladeske Arien aus Bizets „Carmen“ oder Barreras „Adiós, Granada“ gegenübergestellt. Das Feuer Spaniens schlug bei Manuel de Fallas „Danza Ritual del fuego“ vielleicht am höchsten. Die zweite Zugabe, der „Radetzky-Marsch“, wirkte nach so viel Spanien indessen etwas fremd.

 
 
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