Das Interesse am Windpark „Weitfeld“ zwischen der Römerstadt, Sersheim und Kleinglattbach ist groß und so nutzten zahlreiche Bürger auch die jüngste Oberriexinger Gemeinderatssitzung, um Fragen über das geplante Großprojekt mit acht möglichen Windkraftanlagen zu stellen.
Oberriexingen Finanzieller Profit aus dem Windpark?
Projektleiterin Janine Großjean stellt dem Gemeinderat bis zu 300.000 Euro pro Jahr an zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen in Aussicht.
Janine Großjean, Projektleiterin für die Windenergie bei den Stadtwerken Stuttgart, welche den Windpark gemeinsam mit weiteren kommunalen Partnern sowie dem Unternehmen Stromernte konzipieren, stellte in der Gremiumssitzung nochmals die Fakten zum Projekt sowie die wirtschaftlichen Vorteile für die Stadt daraus vor.
Nachdem in der Regionalversammlung im Dezember vergangenen Jahres das betroffene Windvorranggebiet „LB-16“ endgültig festgelegt worden war und die Projektbeteiligten schon im Juni 2025 ihren Genehmigungsantrag eingereicht hatten, haben inzwischen auch die Verantwortlichen der Netze BW für das Vorhaben einen Einspeisepunkt in das Stromnetz zugesichert. Rund 110 Millionen Kilowattstunden Strom sollen die vorgesehenen acht Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von jeweils sieben Megawatt jährlich erzeugen. Damit könnten rechnerisch etwa 40.000 Haushalte versorgt werden. „Doch wie hoch die tatsächliche Leistung sein wird, lässt sich erst prognostizieren, wenn die Ergebnisse der Windmessungen vorhanden und ausgewertet sind“, so Großjean.
Die Messungen sollen im Mai dieses Jahres abgeschlossen und bis zum Herbst verarbeitet werden. Derzeit werden weitere Gutachten wie beispielsweise für den Richtfunk erstellt. Auch der landschaftspflegerische Begleitplan für die Anlagen mit einer Gesamthöhe von je 262 Metern soll im Frühjahr dieses Jahres ausgearbeitet werden. „Eine Visualisierung des Windparks macht für uns erst Sinn, wenn die Ergebnisse der Windmessungen und der Gutachten vorliegen, da erst zu diesem Zeitpunkt die einzelnen Standorte festgelegt werden können“, erläuterte Großjean.
Nachbarkommunen profitieren
Die Projektleiterin aus Stuttgart stellte den Anrainerkommunen in einem Umkreis von 2,5 Kilometern zum vorgesehenen Windpark eine freiwillige Kommunalabgabe mit rund 0,2 Cent pro eingespeister Kilowattstunde Strom in Aussicht. Von diesem veranschlagten Gesamtbetrag von rund 219.000 Euro pro Jahr würde die Römerstadt 85.000 Euro erhalten, die Stadt Vaihingen 52.000 Euro, Sersheim 45.000 Euro und Sachsenheim 25.000 Euro.
Auch die Stadt Markgröninger würde mit 12.000 Euro noch von einem Windpark mit acht Windkraftanlagen profitieren. Hinzu kämen für die Römerstadt mögliche Zahlungen aus einem sogenannten „Pool-Pachtvertrag“ für den Windpark. Diese bezifferte Projektleiterin Großjean auf insgesamt vier Millionen Euro bei einer Laufzeit von 30 Jahren für den Windpark. Auch Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt Oberriexingen von insgesamt 3,4 Millionen Euro in 30 Jahren stellte Großjean in Aussicht. Nach diesen Schätzungen würden der Oberriexinger Stadtkasse durchschnittlich jährlich rund 300.000 Euro aus dem Windpark zufließen.
Doch sie stellte klar, dass genaue Angaben zu den Zahlen erst nach Vorliegen der Ergebnisse der Windmessungen gemacht werden könnten, weil diese zunächst in ein spezielles Ertragsgutachten einfließen müssten. Erst danach würde sich auch zeigen, ob der Windpark wirtschaftlich betrieben werden könne.
Erhöhung der Anlagen zu teuer
Die Expertin zeigte sich aber skeptisch gegenüber einer Nachfrage aus dem Oberriexinger Ratsgremium, dass bei nicht ausreichenden Windmessergebnissen die Windkraftanlagen erhöht werden würden, denn dies sei mit enormen Kosten verbunden. Weiterhin berichtete sie, dass auch Beteiligungsmodelle für die Bürgerschaft am Windpark geprüft werden.
Gemeinderat Markus Laier fragte an, warum nicht auch die Stadtwerke Oberriexingen zu den kommunalen Partnern bei diesem Projekt zählten, in deren Reihen etwa die Stadtwerke Mühlacker oder die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen sind. Bürgermeister Ron Keller machte deutlich, dass die Größe dieses Projekts für die Stadtwerke Oberriexingen allein nicht zu stemmen sei und die entsprechenden Flächen zuerst von den Projektbeteiligten gesichert worden seien.
