Oberriexingen Ganz besondere Schweine fühlen sich „sauwohl“ auf der Weide

Von Martin Hein
„Was sie nicht wollen, machen sie nicht“, beschreibt Michael Grotz den Charakter der Duroc-Schweine auf der Weide bei Oberriexingen. Foto: /Oliver Bürkle

Bei Oberriexingen springen Duroc-Schweine auf einer Weide herum und fühlen sich „sauwohl“. Die Weidehaltung ist eine Alternative zum konventionellen Ablieferprinzip bei der Fleischerzeugung.

Der Oberriexinger Landwirt Michael Grotz machte sich bereits 2014 Gedanken ob er eine Alternative zum konventionellen Ablieferprinzip bei der Schweine-Fleischerzeugung finden könnte. Ein Gedanke war zunächst, Schwäbisch-Hällische Schweine zu züchten. Allerdings habe er dies verworfen.

Letztendlich wurde Michael Grotz bei der in Deutschland relativ seltenen Duroc-Schweinerasse fündig. Das Duroc-Schwein ist eine Kreuzung des roten Jersey-Schweines mit dem iberischen Schwein. Die Duroc-Schweine haben schwarze Borsten eine braune Haut und Schlappohren.

Bei der Suche nach einem Zuchtpaar wurde Grotz oberhalb von Hamburg fündig. Wichtig war Grotz von Anfang an, dass die Schweine für die Freilandhaltung geeignet sind. Duroc-Schweine vertragen Kälte und Hitze, weshalb diese Tiere für die Freilandhaltung sehr gut geeignet sind. Im Winter haben die Duroc-Schweine ein Winterfell, das durchaus an Wildschweine erinnert.

Vorgaben für Weidehaltung

Einfach so Schweine auf der Weide zu halten geht natürlich nicht. Für die Weidehaltung von Schweinen müssen strenge Auflagen erfüllt werden. Dazu gehört, dass die Schweine-Weide doppelt umzäunt sein muss. Der Außenzaun muss 1,50 Meter hoch und Hasendicht sein. Die Schweine dürfen, so Michael Grotz keinen Kontakt zu Wildtieren haben. Im Innenbereich hat Grotz einen Elektrozaun gespannt, der die Schweine vom Außenzaun fernhält.

2018 war es so weit. Michael Grotz konnte die ersten Duroc-Schweine auf die Weide lassen. Rund acht Schweine tummeln sich normalerweise auf der Weide. Als „störrisch“ beschreibt Michael Grotz die Charaktereigenschaften der Duroc-Schweine. „Was sie nicht wollen, machen sie nicht“. Ansonsten sind die Durocs sehr gesellige Tiere, die sich meistens zusammen auf der Weide herumtreiben. Die Schweine tummeln sich morgens so zwischen 5 und 7 Uhr auf der Weide. Dann gehen die Tiere wieder in ihren Unterstand. Abends so zwischen 18 und 20 Uhr sind die Schweine dann wieder auf der Wiese, fressen und suhlen sich.

Apropos Futter. Die Schweine erhalten Gras und Getreideschrot. Das Getreideschrot wird mit Wasser zu einem Futterbrei vermischt. Die Schweine sind nicht das ganze Jahr über draußen. Von März bis Oktober oder November, je nach Witterung, haben die Sauen Freigang auf ihrer Weide. Die Rasse würde auch den Winter draußen aushalten, aber das wird dann eine arge Sauerei mit dem Matsch im Winter, so Grotz.

Die Mutterleistung der Durocs ist im Vergleich zum normalen Hausschwein eher verhalten. Die Durocs geben weniger Milch. Pro Wurf rechne man bei dieser Rasse nur mit 6 bis höchstens 8 Ferkeln, gegenüber herkömmlichen Schweinen, bei denen pro Wurf schon mal 15 Ferkel möglich sind. Auch bei der Schlachtreife gibt es große Unterschiede. Ein herkömmliches Schwein ist nach Auskunft von Michael Grotz nach etwa sechs Monaten schlachtreif, ein Duroc-Schwein hingegen erst nach rund neun Monaten.

Besonderer Geschmack

Die Duroc-Sauen können bis zu 300 Kilogramm auf die Waage bringen. Lediglich 0,4 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine gehören der Duroc-Rasse an. Dem Fleisch der Duroc-Schweine wird nachgesagt, dass es besonders zart und saftig sei und zudem beim Braten kaum an Größe einbüßt. Das Muskelfleisch ist nach Aussage von Michael Grotz mit feinen Fettadern durchzogen. Dies mache den besonderen Geschmack des Fleisches aus. Das Ziel von Michael Grotz ist es, von der Direktvermarktung leben zu können. So 20 bis 30 Schweine im Freiland kann sich Grotz vorstellen. Im eigenen Hofladen verkauft er das Schweinefleisch. Der Hofladen ist die ganze Woche rund um die Uhr geöffnet. Gut gekühlt liegt das Schweinefleisch sauber verpackt im Kühlschrank hinter Glastüren.

Der Verkauf und die Bezahlung der Produkte laufe auf Vertrauensbasis, was bisher einwandfrei funktioniere, freut sich Grotz. Die Qualität des Fleisches scheint zu stimmen. Die Kunden kommen nach Auskunft von Michael Grotz sogar aus dem Raum Stuttgart, Heilbronn und Pforzheim.

 
 
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