Oberriexingen Kirchengemeinden machen gemeinsame Sache

Von Michaela Glemser
Nach dem Pfarrplan 2030 soll es in Oberriexingen nur noch eine 50-Prozent-Pfarrstelle geben. Nun schließen sich die Kirchengemeinden aus Oberriexingen und Markgröningen zusammen. Foto: /Martin Kalb

Die Pfarrer Frank Dettinger und Thorsten Kisser freuen sich auf die neue Verbundkirchengemeinde Markgröningen – Oberriexingen. Das Verständnis für den Zusammenschluss in den beiden Kirchengemeinden ist groß.

Statt Einzelkämpfer sind sie künftig als Teamplayer im Auftrag Gottes unterwegs. Dr. Frank Dettinger von der Evangelischen Kirchengemeinde in Markgröningen und Thorsten Kisser von der Evangelischen Kirchengemeinde in Oberriexingen sehen dem Zusammenschluss als Verbundkirchengemeinde ab diesem Jahr positiv entgegen.

„Unsere beiden Kirchengemeinden sind sich von ihren Profilen her mit einer starken diakonischen Ausrichtung sehr ähnlich. Wir sind uns sehr einig in allen Grundgedanken“, betont Frank Dettinger, der als Geschäftsführer der neuen Verbundkirchengemeinde Markgröningen-Oberriexingen eine 100 Prozent-Pfarrstelle innehat

„Verbundkirchengemeinde lebt vom Austausch“

Ihm zur Seite stehen Johanna Tückmantel, die sich als Pfarrerin vor allem um die Aufgaben des Religionsunterrichts sowie um die Einrichtungen der Habila GmbH für Menschen mit Behinderung in Markgröningen kümmert sowie Pfarrer Thorsten Kisser und seine Frau Daniela, die derzeit in Elternzeit ist. Das Ehepaar Kisser ist wie bisher schwerpunktmäßig in Oberriexingen im Einsatz. „Allerdings sind wir nicht auf einen Ort festgelegt, sondern die Verbundkirchengemeinde lebt vom Austausch der Pfarrer miteinander. Die gegenseitige Vertretung ist künftig auch sehr niederschwellig möglich und schenkt uns eine große Flexibilität“, erläutern Dettinger und sein Kollege Kisser. So werden beide in Markgröningen und Oberriexingen Trauungen, Taufen oder Bestattungen abhalten.

„Die Gemeindemitglieder profitieren von der Flexibilität“

„Von dieser Flexibilität werden auch die Gemeindemitglieder profitieren. Das zeigt sich auch bei den sonntäglichen Gottesdienstzeiten, die bisher standardmäßig um 10 Uhr stattfanden, künftig aber um 9 Uhr in der einen und um 10.30 Uhr in der anderen Gemeinde“, erklärt Pfarrer Kisser. Zudem ist in der Verbundkirchengemeinde ein breiteres Angebotsspektrum möglich.

In Oberriexingen gibt es seit anderthalb Jahren wegen mangelnder Mitgliederzahlen durch den demografischen Wandel keinen Kirchenchor mehr. Sangesfreudige Gläubige können nun die Offerten der engagierten Kantorei in Markgröningen nutzen.

In Oberriexingen wiederum ist der Arbeitskreis Asyl sehr aktiv, auf dessen Erfahrungen und Strukturen jetzt auch die Evangelische Kirchengemeinde in Markgröningen bauen kann.

„Wir brauchen in Zukunft diese Teamstruktur“

„Das Verständnis für den Zusammenschluss bei den Gemeindemitgliedern ist sehr groß, denn wir brauchen in Zukunft diese Teamstruktur, gerade wenn im Rahmen des Pfarrplans 2030 die zweite Pfarrstelle in Markgröningen auf 50 Prozent reduziert werden soll, und es in Oberriexingen auch nur noch eine 50 Prozent-Pfarrstelle geben wird“, machen Pfarrer Dettinger und Pfarrer Kisser deutlich. Dann sind für die 3800 Gläubigen der Evangelischen Kirchengemeinde Markgröningen und für die 1250 Gläubigen der Evangelischen Kirchengemeinde Oberriexingen nur noch zwei 100 Prozent-Pfarrstellen zuständig. „Wir wollten uns rechtzeitig miteinander auf den Weg machen, denn dieser Findungsprozess als Verbundkirchengemeinde braucht Zeit, aber die Offenheit und Neugier auf beiden Seiten ist sehr groß“, schildert Dettinger.

Er will die Verbundkirchengemeinde für ihre Mitglieder auch erlebbar machen und dabei bei Bedarf Neues ausprobieren. „Es soll im Frühjahr spezielle Taufgottesdienste in Markgröningen geben, für die wir jetzt schon neun Anmeldungen haben. Unsere Kinder aus Oberriexingen können künftig in die Kinderkirche nach Markgröningen gehen, denn ein solches Angebot gab es bisher in unserer Kirchengemeinde nicht“, erläutert Pfarrer Kisser.

Gleichzeitig bleiben aber bewährte Einrichtungen wie der „ORI-Mittagstisch“ auch in Oberriexingen bestehen. Alle drei Wochen wollen sich die beteiligten Pfarrer zu einer ausführlichen Dienstbesprechung treffen, um aktuelle Aufgaben miteinander abzusprechen und auftauchende Probleme zu lösen. „Natürlich gibt es auch Sorgen, dass Kirche und Gruppen vor Ort verloren gehen könnten. Aber es wird keinen Streichkurs geben, sondern was wir alleine nicht schaffen können, wollen wir künftig gemeinsam auf die Beine stellen“, stellt Kisser klar. Den offiziellen Auftakt zur Verbundkirchengemeinde stellten ein Festgottesdienst in Markgröningen sowie eine Taizé-Andacht in der Georgskirche in Oberriexingen dar.

 
 
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