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Oberriexingen Kunstvielfalt in der Kelter
Flechtkünstlerin Lore Wild und Maler Stefan Heuberger machen mit Gleichgesinnten Oberriexingen zum lokalen Kreativzentrum.
n der kleinen Stadt im mittleren Enztal wächst und gedeiht seit Jahren eine lokale Kunstszene, die alljährlich in der Ausstellung „Wir von Hier“ in der historischen Kelter ihren Ausdruck findet. Zum Kernteam dieser lokalen Künstlergruppe gehören Lore Wild und Stefan Heuberger. „Wir fühlen uns als Künstler in Oberriexingen respektiert und anerkannt. Dies merken wir alljährlich bei unserer Ausstellung, bei nur Künstler mitwirken, die einen Bezug zur Stadt haben“, machen die beiden alteingesessenen Kunstschaffenden deutlich, die sich immer wieder auch über neue Gesichter in ihrem Kreis freuen, wie in diesem Jahr die 28-jährige Elisabeth Noller, die in Oberriexingen aufgewachsen ist und inzwischen in Wien lebt.
Chance für den Nachwuchs
Nollers Eltern wohnen heute im ehemaligen Haus und Atelier der inzwischen über 90-jährigen Gretel Werner-Wesner, die im Jahr 1999 die erste Ausstellung der Künstler mitinitiiert hat und die inzwischen in Heidelberg wohnt.
„Gerade die altehrwürdige Kelter als Ausstellungsraum hat im Laufe der Jahre immer neue Herausforderungen für uns bereitgehalten. Wir haben eigene Halteschienen für die Bilder entwickelt, wir suchen für die unterschiedlichen Werke die jeweils passenden Stellen im Raum aus und müssen auch immer die Beleuchtungssituation berücksichtigen“, macht Heuberger deutlich.
Das Spiel mit dem geschichtsträchtigen Gebäude kommt besonders in der alljährlichen Gemeinschaftsinstallation aller beteiligten Künstler zum Ausdruck. Während in der Vergangenheit schon mit Spiegelfolie, einem riesigen Kubus oder einer imposanten Schiffs- und Welleninstallation experimentiert wurde, erinnern die künstlerisch interpretierten Fassringe in diesem Jahr an die ursprüngliche Funktion der Kelter, in der Trauben und Obst gepresst wurden.
„Wir sprechen das ganze Jahr hindurch über die Gemeinschaftsinstallation und treffen uns einige Male im Vorfeld der Ausstellung. Natürlich versuchen wir bei der gemeinsamen Installation ebenfalls auf den Raum der Kelter einzugehen“, betont Flechtkünstlerin Wild. So finden sich in unterschiedlichen Nischen der Kelter Fassringe, die unter anderem mit blau bemaltem und hinterleuchtetem Gewebe bedeckt sind, die mit pinkem Recyclingmüll befüllt sind, in deren Innerem eine Landschaft aus grünem Moos und Gras gedeiht oder die mit einzelnen Plakatstücken geschmückt wurden, sodass sie an einen afrikanischen Teppich erinnern.
Die Künstler inspirieren sich auch gegenseitig. So korrespondiert der von Lore Wild gestaltete Fassring mit seiner grünen Mooslandschaft mit der Projektion ihres Mannes Werner Christof, der mit einem Beamer das Bild einer Brücke auf die Wand wirft, an der Licht und Schatten einer sonnenbeschienen Wasseroberfläche flackern.
Lore Wild hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt und in einem Rattanmöbelbetrieb in Nagold ihre Ausbildung als Korbmacherin absolviert. „Da ich die Flechtkunst wirklich von Grund auf gelernt habe, habe ich heute die künstlerische Freiheit, mich in die unterschiedlichsten Richtungen zu bewegen.“ Dabei lasse sie sich einerseits von den Weiden und ihren unterschiedlichen Farbtönen von braun bis bläulich beeinflussen oder sie habe eine Idee im Kopf und wähle das Naturmaterial danach aus.
Weidenskulptur für Kunstpfad
Sie arbeitet inzwischen auch auf Auftragsbasis und hat jüngst die Wand im Besprechungsraum einer Gärtnerei mit einem großen Flechtgebilde verziert oder für einen Kunstpfad in Kirrweiler eine Weidenskulptur gemeinsam mit einer Künstlerin aus Frankreich erstellt. „Ich will vor allem Leichtigkeit mit meinen Werken ausdrücken. So habe ich für die Ausstellung in der Kelter in ein Drahtgeflecht geschälte und naturbelassene Weiden eingeflochten, um mit der Form und Farbe zu spielen“, beschreibt Wild, die auch Flechtkurse in Oberriexingen anbietet.
Ihr Künstlerkollege Heuberger hat ebenfalls eine eigene Kunstakademie in der Römerstadt und hält dort als Dozent Mal- und Zeichenkurse für Erwachsene ab. „Ich bin studierter Bauingenieur und durch das Zeichnen zur Kunst gekommen. Mit der Zeit kam immer mehr Farbe hinzu und heute sind starke, kräftige Farben das Markenzeichen meiner Acryl- und Aquarellbilder“, berichtet Heuberger. Auf seinen ausgestellten Gemälden ist beispielsweise eine in den Bahnhof einfahrende U-Bahn zu sehen, die er zunächst auf einem Foto festgehalten und anschließend danach gemalt hat, um die Bewegung im Inneren und Äußeren des Zuges zu verdeutlichen.
Zu seinem Bild der Felsformationen des Matterhorns hat Heuberger eine Szene aus einer Bergsteiger-Fernsehsendung inspiriert. Der Oberriexinger hat an der Kunstakademie in Esslingen eine Ausbildung gemacht und war dort auch lange als Dozent tätig. Dies ist dem Künstlerkreis auch wichtig, denn seine Mitglieder haben ihre Kunst von Grund auf gelernt.
„Wir harmonieren alle sehr gut miteinander. Es ist toll, dass es in einer so kleinen Stadt so eine künstlerische Vielfalt gibt, die dort auch auf eine breite Resonanz in der Bevölkerung und bei den Verantwortlichen der Stadt stößt“, betonen beide Künstler.
