Schon auf der Straße hinunter nach Oberriexingen riecht es mehr als zwölf Stunden nach Ausbruch des Feuers auf dem Lindenhof nach Rauch. Wer sich dem Gehöft dann nähert, dem bietet sich eine apokalyptisch anmutende Szenerie: Eine Halle, deren verbliebene Dachmodule nur noch in Fetzen herunterhängen, rußschwarz gefärbte Fassaden und dunkelbraunes Löschwasser, das in großen Lachen überall zu finden ist. Und immer noch der beißenden Geruch nach Rauch und Verbranntem. Die Familie, der der Hof gehört, ist schwer geschockt.
Oberriexingen Über 60 Rinder sterben bei Großbrand auf dem Lindenhof
Bei dem Feuer auf einem Aussiedlerhof entsteht ein Schaden von ungefähr fünf Millionen Euro. Die Ursache ist noch unklar.
240 Feuerwehrleute im Einsatz
Auch jetzt, gegen 13 Uhr, sind immer noch zahlreiche Feuerwehrleute im Einsatz. „Wir sind gerade dabei, die restlichen Glutnester zu bekämpfen und die verschütteten Gebäudeteile freizulegen, um sicherzugehen, dass nicht noch weitere Brand- oder Schwelherde vorhanden sind, die wir nur auf diese Weise entdecken können“, sagt Markus Müller, stellvertretender Kommandant der Oberriexinger Wehr, im Gespräch mit der BZ.
Dass zwar mehr als 60 Rinder bei dem Brand, der um 1.35 Uhr als Alarm in der Brandleitzentrale eingegangen war, elendig verbrannt sind, sei tragisch, so Müller. Aber er sei froh, dass durch das schnelle Eintreffen der Wehren aus dem gesamten Kreis die Flammen schnell eingedämmt werden konnten, sodass die Flammen nicht auf die Wohnhäuser übergreifen konnten und es zudem keine Verletzten gegeben habe.
„Insgesamt waren 50 Einsatzfahrzeuge vor Ort mit ungefähr 240 Kameraden“, so Müller. Dazu seien noch vier Einsatzfahrzeuge des DRK und drei Polizeistreifen gekommen: „Die Polizei hat die Sersheimer Straße gesperrt und den Verkehr umgeleitet, auch weil die Wasserversorgung über die Straße geleitet wurde.“ Nun ist eine Spezialfirma vor Ort und beseitigt mit schwerem Gerät einzelne Gebäudeteile, die rund 30 verbliebenen Feuerwehrleute benetzen einen riesigen Berg an Stroh, der zuvor aus vielen Ballen bestanden hattte, „um Schwelbrände im Innern zu vermeiden“, so der stellvertretende Kommandant. Was den Großbrand ausgelöst haben könnte, dazu könne er nichts sagen, und er schätzt, dass der Einsatz am späten Nachmittag beendet sein wird. Die Polizei bezifferte ersten Schätzungen zufolge den Schaden auf rund fünf Millionen Euro.
Bürgermeister ebenfalls vor Ort
„Mit der Alarmierung war ich auch vor Ort“, sagt Oberriexingens Bürgermeister Ron Keller. Etwa von 1.30 Uhr in der Nacht bis morgens um 9 Uhr sei er am Hof gewesen, am Nachmittag wolle er trotz Urlaubs erneut kommen. Mit dem Kreisbrandmeister sei er unterwegs gewesen, habe sich um Einsatzmaßnahmen gekümmert, außerdem um Umweltschutz und Verpflegung. Zu einer möglichen Brandursache könne er noch nichts sagen, die Ermittlung hat die Kriminalpolizei übernommen, auch die Spurensicherung habe die Arbeit aufgenommen.
Am Mittwochnachmittag sind noch mehr als 20 Einsatzkräfte vor Ort, die sich um die langwierigen und umfangreichen Nachlöscharbeiten kümmern. „Das war eine vorbildliche Zusammenarbeit der Feuerwehren“, sagt Keller. Durch ihr schnelles Handeln habe ein Brand der Wohnhäuser verhindert werden können. „Sehr außergewöhnlich“ sei die Brandausbreitung: Diejenigen Gebäude, die gebrannt haben, sind auch völlig ausgebrannt und „nicht mehr zu retten“.
In den kommenden Tagen werde man umwelttechnisch schauen müssen, ob beispielsweise Erdrücken abgegraben werden müssen. Mit der Wasserbehörde stehe man in Kontakt, man habe besprochen, den Tag abzuwarten. Aus der Enz seien Proben entnommen worden, der Fluss sei auch abgefahren worden. Doch hier seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden.
