Öko-Honig aus Hohenhaslach Aus der Honigwabe ins Glas

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Von links: Matthias Kurz, Csaba Elekes und BZ-Redakteurin Heidi Vogelhuber an einem geöffneten Öko-Bienenstock am Kurz-Bauernhof in Hohenhaslach. Foto: Martin Kalb

Landwirt Matthias Kurz aus Hohenhaslach kümmert sich neben Hühnern und Rindern auch um Bienen und produziert Bio-Honig. Wie das geht, lernt eine BZ-Redakteurin im Selbstversuch.

Ich würde nicht sagen, dass ich Angst hatte, aber einen gewissen Respekt verspürte ich schon, als Matthias Kurz sagte, ich soll den Rahmen mit den Honigwaben halten – während da zig Bienen saßen, summten und brummten. Kurzerhand drückte mir der Landwirtschaftsmeister den Rahmen in die Hand, der schwerer wog als erwartet.

Matthias Kurz betreibt den Bromberghof in Ochsenbach. 12 000 Bio-Legehennen hält der Sachsenheimer Landwirtschaftsmeister, ebenso 50 Angusrinder. Und seit 2017 betreibt der umtriebige Landwirt auch eine Öko-Imkerei mit Bio-Qualitätszeichen Baden-Württemberg und Naturland-Siegel.

70 Bienenvölker

Gut 70 Bienenvölker betreut Kurz gemeinsam mit seinem Freund aus Jugendjahren, Csaba Elekes. „Csaba schenkte mir 2017 mein erstes Volk und war mein Bienenpate“, erinnert sich der Landwirtschaftsmeister. Es folgten diverse Imker-Fortbildungen. „Zu Beginn wurde ich wirklich sehr oft gestochen“, sagt er. Auch habe er stark reagiert, seine Hände seien schlimm angeschwollen. Inzwischen werde er kaum noch gestochen und wenn, dann sei es nicht so schlimm.

„Geschmeidige Bewegungen sind ganz wichtig, dann werten die Bienen das Eingreifen in ihren Stock nicht als Angriff“, erklärt Csaba Elekes, der ebenfalls nicht hauptberuflich Imker ist. Vor allem mache es Spaß. Es beruhige ungemein, den gelben Brummern zuzuschauen und den Honiggeruch einzuatmen. „Oft sitze ich da und schaue mir das geschäftige Treiben am Flugloch an“, sagt Matthias Kurz und warnt im gleichen Atemzug davor, sich vor das Flugloch zu stellen. Eine Bienenattacke sei dann nämlich sehr wahrscheinlich. Auch dunkle Kleidung sollte vermieden werden, das assoziieren die Tiere mit Bären, die Honig stehlen wollen.

Die Bienen machen natürlich ihre Arbeit ohne das Zutun des Menschen, aber damit das so bleibt und sie nicht wegfliegen oder gar eingehen, muss der Bienenhalter für gute Voraussetzungen sorgen. Im Frühjahr werden die Völker durchgeschaut, um zu prüfen, ob sie gesund sind. Von April bis Juni ist Schwarmkontrolle angesagt. Der Imker schaut seine Bienen wöchentlich durch, um rechtzeitig reagieren zu können, sollte das Volk in Schwarmstimmung kommen. Zu diesem Zeitpunkt kann ein Volk vermehrt werden oder es können Schwarm-Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wie das Schröpfen oder das Brechen der Weiselzellen. Wird ein neues Volk gegründet, geht es im ersten Jahr ums wachsen und darum, den Winter zu überleben. Honig gibt es erst im darauffolgenden Jahr.

„In die Schwarmkontrolle integrieren wir vor allem im Mai und Juni auch ein Schneiden der Drohnenwaben – eine biologische Varroa-Bekämpfung ohne Behandlungsmittel“, erklärt Kurz. Die Varroamilbe ist hierzulande der größte Feind der Biene. Der Parasit vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock. Vor allem in der Drohnenbrut. Das Entfernen sei Prophylaxe gegen den Parasiten. Wenn die Honigwaben nicht mehr im Stock sind, wird in der Öko-Imkerei auch mit natürlichen Säuren wie Ameisensäure, Milchsäure oder Oxalsäure gearbeitet.

Etwa bei Beginn der Kirschblüte beginnt das Bienenvolk damit, die Tracht zu ernten. Tracht heißt Nektar, aber auch Pollen. Je nachdem, welche Blüten die Bienen größtenteils sammeln, danach schmeckt der Honig. Dabei merkt Kurz an, dass ein regionaler Honig wie seine Sorte „Sommerblüte“, für den die Insekten im Gebiet um den Bromberghof sammeln, jedes Jahr leicht variiert im Geschmack.

Honigweide für die Bienen

Durch intensive Landwirtschaftsnutzung sei es für Bienen schwieriger geworden, genügend Blüten zu finden. Eine Gegenmaßnahme, die Kurz ergriffen hat, ist zwölf Hektar Honigweide zu säen. Große Marken mischen viele Honigchargen, wodurch der gleichbleibende Geschmackt erreicht wird.

Möchte man Akazien- oder Waldhonig, muss man mit seinem Volk dorthin wandert, wo es diese Tracht in ausreichendem Maß gebe. Für den Lindenhonig gehen Kurz und Elekes zu Lindenalleen im Kreis. „Für Wald-, Kastanien- und Akazienhonig fahren wir in den Schwarzwald“, sagt der 50-jährige Familienvater. Die Betreuung der Wanderbienenvölker übernimmt Elekes, die Bienen am Hof betreut Kurz.

Die nächsten Schritte sind die Honigernte, das Schleudern und das Abfüllen des Honigs. Das Entdeckeln ist gar nicht so einfach, darf man doch weder zu tief in die Wabe stechen, noch zu wenig des Wachses entfernen. Eine überaus meditative Aufgabe. Nach dem Schleudern läuft der Honig durch ein Doppelsieb in ein Behältnis und wird dann in Gläser gefüllt und mit einem Etikett versehen. Die Sorte „Sommerblüte“ wird normalerweise noch cremig gerührt, was einige Tage dauert. Ich durfte mein Glas jedoch flüssig mitnehmen, in diesem Zustand gibt es diese Sorte nicht zu kaufen. Das Cremigrühren soll ein schnelles Verzuckern verhindern, das die meisten Honigliebhaber nicht so gerne haben, erklärt Kurz und verrät: „Den verzuckerten Honig kurz im Wasserbad auf maximal 40 Grad erhitzen, dann wird er wieder schön flüssig, ohne gute Inhaltsstoffe einzubüßen.“

 
 
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