Ökopunkte im Kreis Ludwigsburg, Beispiel Ingersheim Geld für fremde Wiesen

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Elmar Link vom Hofgut Link in Mudau zeigt der Ingersheimer Bürgermeisterin Simone Lehnert auf einem Plan die Flächen, die zum Ausgleich für „In den Beeten II“ vorgesehen sind. ⇥ Foto: Jörg Palitzsch

Im Ingersheimer Baugebiet „In den Beeten II“ werden 600 000 Ökopunkte fällig.

Wer, wie die Gemeinde Ingersheim mit dem Baugebiet „In den Beten II“, auf rund sechs Hektar in die Natur eingreift, kann nur eine Genehmigung erwarten, wenn er dafür einen Ausgleich schafft. Und wer diesen Ausgleich selbst nicht schultern kann – der kann auch andere dafür bezahlen, dass sie diesen Ausgleich schaffen. Ingersheim geht diesen Schritt mit dem Einkauf von Ökopunkten in Mudau im Neckar-Odenwald-Kreis. Bei einem Besuch vor Ort beim Hofgut Link haben sich jetzt Bürgermeisterin Simone Lehnert und Bauamtsleiterin Heike Klein über die ökologischen Maßnahmen informiert, die einen Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet, den Verlust von Streuobstbeständen und hochwertigen Ackerböden in Ingersheim ausgleichen sollen.

Andere Kommunen können ihre Ökopunkte noch selber generieren. Lesen Sie hier: Löchgaus Weg mit dem Ökokonto.

Insgesamt entstehen durch den Eingriff in die so genannten Schutzgüter insgesamt 602 000 Ökopunkte, die zum jetzigen Zeitpunkt nur zum Teil auf Ingersheimer Gemarkung ausgeglichen werden können. Darunter ist die Anlage einer Buntbrache, einer Streuobstwiese und eines Eidechsenhabitats. Mit Trockenmauersanierungen, der Aufwertung von Streuobstwiesen, sowie ökologischen Maßnahmen am Schlossberg und am Kehrbach können in Ingersheim 172 000 Ökopunkte ausgeglichen werden. Bleibt ein Defizit von 430 000 Ökopunkten.

Lehnert pocht auf Vernetzungskonzept

Ziel sei es, so Bürgermeisterin Lehnert, mit dem bereits erarbeiteten Biotopvernetzungskonzept der Gemeinde die Möglichkeit zu schaffen, mehr Ökopunkte zu generieren. „Zeitnah ist dies jedoch nicht möglich, weil die Flächen in Privatbesitz sind und deshalb lange Verhandlungen nötig sind“, so Lehnert. Um das neue Baugebiet nicht auf Jahre hin zu verzögern, habe man deshalb eine Lösung finden müssen.

So wurde über ein Planungsbüro der Kontakt zum Hofgut der Familie von Elmar Link in Mudau hergestellt, wo die Gemeinde Ingersheim zum Ausgleich des eigenen Defizits von 430 000 Ökopunkten insgesamt 355 900 Euro investiert. Dabei wird von einem Preis von rund 80 Cent pro Ökopunkt ausgegangen.

Auf den lastenfreien Grundstücken der Familie Link werden rund neun Hektar Äcker zu Wiesen aufgewertet und 20 Hektar Waldflächen sich zum größten Teil selbst überlassen, dort soll ein „Waldrefugium“ entstehen. Das Hofgut habe dann immer noch rund zwei Millionen Ökopunkte übrig, so Isabell Litric, die Tochter von Elmar Link, die den Handel mit den Ökopunkten auf dem Hof organisiert.

Der Kauf der Punkte musste von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamt Ludwigsburg genehmigt werden, deshalb wurde die Auswahl der Maßnahmen in Mudau ebenfalls in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde vorgenommen, so Simone Lehnert. Die rechtliche Bindung der Gemeinde mit dem Hofgut ist auf 30 Jahren vorgeschrieben und muss auch eingehalten werden. Dazu wird ein Kaufvertrag über die Veräußerungsansprüche der Ökomaßnahme geschlossen.

Kosten: Fast 400 000 Euro

Die Investition in Höhe von 355 900 Euro für den Ökoausgleich sind Kosten, die zum Bebauungsplanverfahren „In den Beeten II“ zählen. Diese werden über das Umlegungsverfahren abgerechnet und auf alle Beteiligten umgelegt. Die Gemeinde zahlt somit auch die Kosten für die eigenen Grundstücke im künftigen Wohngebiet „Beeten II“, inklusive der Fläche für den Allgemeinbedarf. „Diese Kosten fehlen meiner Ansicht nach nicht im Budget der Gemeinde. Im Gegenteil. Man kann diese als Investitionskosten sehen, weil die Gemeinde sie über die Veräußerung der Grundstücke indirekt wieder einnimmt“, weist die Ingersheimer Bürgermeisterin Kritik am Einkauf der Ökopunkte zurück, die im Gemeinderat von WIR geäußert wurde. Bei einem ökologischen Ausgleich gehe es immer darum, eine Fläche aufzuwerten, um den Artenschutz oder die Artenvielfalt zu erhöhen, betont Lehnert. 

Der Einkauf von Ökopunkten wird die Gemeinde Ingersheim auch weiterhin begleiten, weil man in Ingersheim eine aktive Landwirtschaft sowie Bedarf an Wohn- und Gewerbefläche habe, der zur Verfügung stehende Platz jedoch endlich sei. So brauche man für die Aufsiedlung des Gewerbegebietes im Gröninger Weg in den nächsten Jahren für die gesamte Fläche von 16 Hektar rund 1,2 Millionen Ökopunkte.

Noch nicht eingerechnet sind 230 000 Ökopunkte, die durch ein „Oberbodenmanagement“ für die Ansiedlung der Firma Atlanta realisiert wurden. Dabei hat man hochwertige Ackerfläche abgetragen und auf eine „minderwertige Fläche“ in Bietigheim-Bissingen aufgetragen.

 
 
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