Ohne Wasser, dafür mit viel Spaß Kanu-Club trainiert im Wohnzimmer

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Übungsleiter Jürgen Klein zeigt in seinem Wohnzimmer eine Körperspannungs-Übung, die die Vereinsmitglieder durch eine Video-Konferenzschaltung bei sich zu Hause mitmachen können.⇥ Foto: Laila Klein

Aufs Wasser können die Mitglieder des Kanu-Clubs Bietigheim derzeit nicht, aber das hält sie nicht vom Training ab. Mit einer Video-Konferenzschaltung wird es im Wohnzimmer sportlich.

Für die Mitglieder des Kanu-Clubs Bietigheim würde es jetzt eigentlich aufs Wasser gehen, denn jetzt beginnt die Kanu-Saison. „Geplant waren zwei Tagesausfahrten am Neckar und an die Jagst oder auch spontanes Paddeln auf der Enz – auch im Winter“, sagt Laila Klein, Pressesprecherin des Kanu-Clubs. „Durch die Corona-Krise ist für alle eine ganz große Lücke entstanden. Deswegen haben mein Mann und ich uns überlegt, wie wir diese Lücke füllen können und welche Aktivitäten möglich sind.“ Laila Kleins Mann ist Jürgen Klein, Erster Vorsitzender des Vereins.

Da unter anderem das Bootshaus inklusive Gelände für die Nutzung geschlossen ist, kam die Idee auf, den Mitgliedern Krafttraining anzubieten. „Wir möchten fit bleiben“, nennt Laila Klein einen Grund für das Angebot. „Unser Kraft- und Koordinationstraining bieten wir sonst nur im Winterhalbjahr, zwischen Oktober und März an.“ Am Sonntag wollte der Verein mit seinem traditionellen Anpaddeln auf der Enz das Winterhalbjahr beenden. „Das Einzige, was wir nun noch miteinander durchführen können, ist eben unser Kraft- und Koordinationstraining, indem wir uns mit einem Videoprogramm zusammenschalten.“ Dabei nutzt der Verein die Software Microsoft Teams, das ähnlich wie Skype funktioniert. So können die Mitglieder ihre Übungen, die sonst im Kraftraum gemacht werden, bei sich zu Hause im Wohnzimmer durchführen. „Damit schaffen wir für die Leute auch einen Gegenwert dafür, dass sie weiterhin treue Mitglieder sind“, sagt die leidenschaftliche Kanutin.

Zwar gibt es im Kraftraum Geräte, doch das Angebot zu Hause ist angelehnt an das reguläre angeleitete Mittwochstraining des Vereins und benötigt keine. „Wir haben hauptsächlich Übungen mit unserem eigenen Körper.“ Dazu gehören Koordinationsübungen, die mit dem eigenen Gewicht und Körperspannung funktionieren. „Das sind Übungen, die wir schon immer so anbieten“, sagt Klein, nur jetzt eben über eine Videokonferenzschaltung in den jeweiligen Wohnzimmern. Im Kraftraum war das Training auf rund zwölf Mitglieder beschränkt, da der Platz nicht für mehr ausreicht. „Das Training zu Hause lässt sich beliebig ausweiten.“ Beim ersten Termin waren es neun, zum zweiten hatten sich schon mehr angemeldet.

Dabei sind die Übungen nicht nur für Kanuten geeignet. „Es ist ein Ganzkörpertraining, weil Paddeln im Kanu eigentlich, entgegen dem, was man so denkt, ein Ganzkörpersport ist.“ Im Kajak beispielsweise werde die Beinmuskulatur benötigt, um sich im Kajak zu verspannen, so die Pressesprecherin. Die Muskulatur seitlich am Rumpf werde zudem benötigt, um ein Boot zu kanten, eine Technik, um das Boot zu steuern. „Die Übungen, die wir anbieten, zielen darauf ab, dass die Körperspannung, die es in einem Kanu braucht, trainiert und gewährleistet wird. Aber da könnte jeder mitmachen.“ Mit diesem Training stehen die Kanuten die Wintermonate und nun eben auch die kanufreie Corona-Zeit durch.

Haupttrainer ist dabei Jürgen Klein. Er und seine Frau sind Übungsleiter mit Fachrichtung Kajaksport im Kanu-Club Bietigheim. „Was wir nun ganz neu dabei haben ist eine Mitturnerin, die schon ganz lang Yoga anbietet.“ Deswegen wurde das Mittwochstraining dahingehend verändert, dass Seidel in den letzten 20 Minuten Yoga-Übungen zeigt. Das Fazit nach zwei Online-Trainings: Es klappt gut, sagt Laila Klein. Anders ist auch, dass im Kraftraum normalerweise Übungen mit Bällen angeboten werden. „Das geht zu Hause natürlich nicht, deswegen haben wir uns verschiedene Übungen mit Klopapier ausgedacht.“ Damit folgt der Kanu-Club den aktuellen Trends in den Sozialen Medien, ausgelöst durch die aktuellen Hamsterkäufe.

Neben der Fitness hat das Online-Angebot einen weiteren Vorteil: „Man sieht sich gegenseitig und kann sich sprechen. Zudem hat sich nach dem Training jeder noch ein Getränk geholt, wie wir das sonst auch machen, und haben uns noch unterhalten.“ Es sei ein Stück weit Normalität. „Das Paddeln fehlt uns ganz gewaltig“, fügt Laila Klein jedoch hinzu und hofft, dass der Kanu-Club bald wieder aufs Wasser kann und nicht alle ihre geplanten Ausfahrten abgesagt werden müssen.

Info Zwar können einzelne Mitglieder aufs Wasser, da einzeln Sport machen erlaubt ist, allerdings sieht sich der Kanu-Club als Vorbild und ein einzelner Kanut repräsentiere den Verein.

 
 
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