Online-Befragung Bietigheim-Bissingen Sechs Thesen zur Stadtentwicklung

Von Uwe Mollenkopf
Ein Themenfeld im Stadtentwicklungskonzept ist Mobilität und Verkehr. Die CDU vermisst hier allerdings Aussagen zum Individualverkehr (im Bild ein Stau aus Richtung Löchgau). Foto: Pangerl Helmut Pangerl Helmut

Auf Basis einer Online-Befragung wurden Ziele für die Stadt formuliert – von Natur bis Wirtschaft. Die sind aber noch nicht in Stein gemeißelt, wie sich bei der Beratung im Gemeinderat zeigte.

Die Beteiligung der Bürger mittels Umfragen wird in Bietigheim-Bissingen immer häufiger eingesetzt – nicht nur zum Thema Sport. Vom 25. Februar bis 28. März dieses Jahres waren die Einwohner dazu aufgerufen, an einer Online-Befragung zur Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzepts teilzunehmen. 1670 machten mit. Auf der Basis der Auswertungsergebnisse wurden jetzt Thesen zu sechs Handlungsfeldern formuliert, die am Dienstag im Gemeinderat beraten wurden. Sprecher von CDU und Freien Wählern machten indes klar, dass sie den Diskussionsprozess noch längst nicht als abgeschlossen ansehen.

Handlungsfeld eins ist die Demografie. Hierzu wird unter anderem als Ziel festgehalten, dass altersgerechte Wohnangebote geschaffen, die barrierefreie Mobilität gestärkt und seniorengerechte Freizeitangebote sowie sozialer Zusammenhalt im Quartier gestärkt werden sollen. Zum Handlungsfeld Bauen und Wohnen heißt es: „Die Stadt Bietigheim-Bissingen muss die bestehenden Siedlungsstrukturen bewahren, dabei die Wohnqualität langfristig sichern und gleichzeitig neuen und dringend benötigten Wohnraum schaffen.“ Der Flächenverbrauch soll möglichst gering gehalten werden.

Unter Punkt drei, Mobilität und Verkehr, wird formuliert: „Zur Bewältigung der Verkehrswende muss die Stadt Bietigheim-Bissingen einerseits Verkehr vermeiden und andererseits Infrastrukturen und Angebote schaffen, um nicht vermeidbare Wege so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten.“ Schlagworte sind Carsharing, Leihräder oder ÖPNV.

Zu Punkt vier, Freiraum Naturschutz, lautet das Ziel, Park-, Wald- und Landschaftsflächen zu bewahren, zu stärken und zukünftig besser zu verknüpfen. Insbesondere wolle man die Freiräume entlang der Flüsse naturnah entwickeln. Weiteres Ziel ist kommunaler Klimaschutz.

Tourismus stärken

Unter Punkt fünf (Bildung, Soziales und Kultur) wird unter anderem angestrebt, das „flächendeckende Angebot“ in Bildung und Betreuung aufrechtzuerhalten, „das vielseitige Sportangebot“ und „das vielfältige und qualitativ hochwertige Kulturangebot“ zu erhalten. Die Ansiedlung von Unternehmen „aus zukunftsfähigen Wirtschaftsbereichen“, das Festhalten am Drei-Zentren-Konzept im Einzelhandel und die Verbesserung der touristischen Attraktivität sind Schlagworte im umfangreichen Handlungsfeld sechs, Wirtschaft, Einzelhandel und Tourismus.

Eine Diskussion entspann sich im Gemeinderat darüber, dass die CDU die Thesen nur zur Kenntnis nehmen, aber nicht darüber abstimmen wollte. Es gebe darin noch Lücken, begründete CDU-Rat Marcus List, daher könne man so nicht zustimmen. Zum Beispiel komme beim Thema Mobilität der Individualverkehr nicht vor, sei auch bei der Umfrage nicht so gewichtet worden. „Aus unserer Sicht ist das etwas einseitig“, sagte List. Auch Petra Kühlthau (Freie Wähler) sah die Thesen als noch nicht abschließend formuliert an. GAL und SPD signalisierten hingegen ihre Zustimmung zu der Vorlage.

Am Ende einigte man sich auf den Kompromissvorschlag von Oberbürgermeister Jürgen Kessing, wonach sich der Gemeinderat nur für die weitere Diskussion auf der Basis der sechs Thesen aussprach. Dem konnten sich alle Ratsmitglieder anschließen.

 
 
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