Es herrschen 39 Grad im Innenhof des Kunstzentrums Karlskaserne. Die 30 Mitarbeiter des Sommernachts-Openair-Kinos finden nur in der Mittagspause unter der riesengroßen Platane inmitten des Hofes etwas Schatten und Schutz vor der sengenden Hitze. „Die Hitze ist eine Herausforderung für uns beim Aufbau des Sommernachts-Openair-Kinos“, sagt Veranstalter Rainer Storz, einer der Gründer der mittlerweile fast schon legendären Veranstaltung. Immer wieder müssen die Arbeiter Pause machen, zwei junge Frauen wischen die Besucherstühle ab – zuerst die, die im Schatten der Platane stehen, die anderen wollen sie abends säubern, dann ist es kühler.
Openair-Kino Ludwigsburg Der Platz für 2200 Kino-Enthusiasten ist bereitet
„Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ ist der erste von 20 Filmen, die während des Sommernachts-Openair-Kinos in Ludwigsburg gezeigt werden.
Openair-Kino finanziert die Kinos Caligari, Luna und Orfeo
Zum Glück, so Storz, beginnen alle 20 Filme nach Einbruch der Dunkelheit, da macht die Hitze nichts mehr aus. Dennoch sei, so der Vorsitzende von Kinokult, es auch wichtig, dass die Besucher schon vorher kommen, gegen 19 oder 19.30 Uhr, wenn der Platz geöffnet wird, um das geplante Rahmenprogramm, Kulturveranstaltungen und die Gastronomie zu genießen. „Mit den Einkünften aus dem Openair-Kino finanzieren wir die unkommerziellen Nischenfilme in unseren Kinos Luna und Caligari in Ludwigsburg und im Fellbacher Kino Orfeo“, sagt er. Um die Besucher schon früh zur Karlskaserne zu locken, gibt es dieses Mal die Aktion „Happy Halfhour“: In den ersten 30 Minuten nach Platzöffnung kosten Getränke, Cocktails und Popcorn nur die Hälfte.
Am Samstag, 1. August, beginnt das 34. Sommernachts-Openair-Kino mit „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ und endet am Sonntag, 23. August, mit der Preview von „Oh lala 2“. Zwei Wochen dauerten die umfangreichen Aufbauarbeiten auf dem Innenhof, die Ulrike Storz, die Schwester von Rainer Storz und ebenfalls begeisterte Kinokult-Gründerin, unter sich hat. Sie koordiniert vor allem die drei Hauptfirmen. Die Firma 2Oscars Kinotechnik aus Ludwigsburg ist für die Projektionstechnik und die Leinwand zuständig, MCD aus Leonberg sorgt für Strom und Licht und Kreitmayer aus Kornwestheim kümmert sich um die Sanitätseinrichtungen wie Kühlschränke, Spülmaschinen, Wasser und WCs. Ursula Storz ist, wie sie sagt, „das Mächen für alles, das Dach des Ganzen“.
Seit zehn Tagen bauen die Arbeiter das „bombenfeste“, so Rainer Storz, Gerüst für die 200-Quadratmeter-Leinwand auf. „Das widersteht jedem Sturm.“ Die Leinwand, die unter Einsatz von 15 Mitarbeitern am vergangenen Donnerstag auf das Gerüst aufgezogen würde, könne man zur Not mit ein paar Schnitten bei starkem Wind hinunterfallen lassen. Das sei aber zum Glück noch nie vorgekommen, so Storz. Auch das 60-seitige Sicherheitskonzept, das Kinokult alljährlich vorlegen muss, kam noch nicht zum Einsatz. „Bei Regen spielen wir, nur bei starkem Sturm oder Gewitter brechen wir notfalls ab“, sagt er.
Nischenkinofilme funktionieren openair nicht
Rainer Storz und Peter Bader sind für das Programm zuständig. Sie versuchen, eine gute Mischung aus publikumswirksamen Blockbustern, Komödien und Publikumsrennern zu kreieren. „Der Anspruch, auch Nischenkinofilme zu zeigen, wie in unseren drei Kinos, der funktioniert hier nicht. Aber wir versuchen dennoch, besondere Filme mit Anspruch ins Programm zu bekommen“, sagt Storz. Er nennt als Beispiel seine Favoriten für dieses Jahr: „Die Odyssee“, „Amrum“, „The Piano Tuner“, „One Battle of Another“ oder „Paris Murder Mystery“. Drumrum kämen sie aber nicht um „Steckerlfischfiasko“, das viermal gezeigt wird. Das erste Mal als Preview, dann im Rahmen der Aktion „Deutschland schaut einen Film“ am 15. August, an dem der Eberhofer-Krimi in allen deutschen Kinos läuft. „Die Eberhofer-Krimis sind halt Publikumsrenner“, sagt Storz. Genauso nicht drumrum komme man in Baden-Württemberg um den Dokumentarfilm „Und es war Sommer“ über Dieter Thomas Kuhn und seine Band auf Tour. Der Tübinger Schlagersänger wird bei der Vorführung anwesend sein und vier bis fünf seiner Lieder singen, wie Anna Rother sagt, die für das Rahmenprogramm und die Auftritte auf der kleinen Kulturbühne zuständig ist. Vor fast allen Filmen gibt es Aktionen, seien es ein Film-Quiz, Livebands, ein artistischer Poi-Auftritt und vieles mehr. „Zum Beispiel bei dem Film „Glennkill: Ein Schafskrimi“ lassen wir vor der Leinwand Plätze frei für Strickende“. Das sei auch ein neuer Kinotrend, das gemeinschaftliche Stricken bei der Aufführung, so Rother.
Das ganze Programm gibt es online.
