Wo fühlst du dich zuhause wenn du nicht zuhause bist? Warum? Welche Dinge brauchst du dazu?“ Es war keine ganz normale Einwohnerversammlung, die am vergangenen Dienstag in der Löchgauer Gemeindehalle stattfand, und in deren zweiten Teil die Besucher Fragen wie diese beantworten sollten. Thema des Abends: Der Umzug der Bücherei in die Räume des ehemaligen Sport Trinkner und deren Umbau zu einem „dritten Ort“ (die BZ berichtete).
Ortsmitte in Löchgau Ein neuer Treffpunkt für Löchgau
Bürgermeister und Architekt informierten über das geplante BürgerzentrumI. In den Räumen des ehemaligen Sport-Trinkner soll ein sozialer Knotenpunkt entstehen.
Mehr als nur Regale in neue Räume tragen
„Es geht uns um mehr, als nur die Regale von der jetzigen Bibliothek in neue Räume zu tragen“, sagte Bürgermeister Robert Feil am Ende des Abends – und das dürfte wohl jedem der um die 150 Besucher klar geworden sein. Denn in den gut zweieinhalb Stunden der Einwohnerversammlung hatte Architekt Aat Vos mehr als deutlich gemacht, dass in Löchgau etwas Großes entstehen könnte.
Die Möglichkeit zu einem Ausbau biete die Bücherei in ihren neuen Räumen: Allein die frühere Verkaufsfläche beträgt 600 Quadratmeter, für die Bücherei wären nur 400 notwendig. Der konzeptionelle Ansatz ist der des sogenannten „dritten Orts“, wie Architekt Vos erläuterte. Ein Platz, der der Verschiedenheit der Menschen und ihren unterschiedlichen Stärken gerecht wird und wo das menschliche Grundbedürfnis nach Information und Kontakten gestillt wird. Ein Ort, wo man gerne seine Zeit verbringe, ein „öffentliches Wohnzimmer für Löchgau“.
Konversation als Hauptaktivität
Ein bisschen wie das Zuhause, ein bisschen wie der Arbeitsplatz, aber eben nicht genauso – ein dritter Ort eben. Wichtig sei für einen solchen Ort: dass man alleine hingehen kann, sich zuhause fühlt, die Leute einen kennen, Veranstaltungen stattfinden, man auch Leute mitbringen kann, man bleiben kann solange man will, dass der Ort direkt um die Ecke ist und die Aufenthalte gratis sind. Dass der Ort offen ist, neutraler Boden, ein gleichwertiger Ort, Konversation als Hauptaktivität im Zentrum steht, Stammgäste Einfluss entfalten und eine verspielte Stimmung herrsche, seien deshalb Grundvoraussetzungen. Eine Frage kam dann gleich aus dem Publikum: Habe man das nicht schon alles in Löchgau? Mit Vereinen, Kirchen, Feuerwehr, Gastronomie, Jugendhaus und Bürgergarten, ist der dritter Ort da etwas Neues oder eine Konkurrenz? Es solle ein Ort mit langen Öffnungszeiten werden, einfach zum Hausaufgaben machen bei Regen, mit eventuellem Programm, erklärte Vos die darüber hinausgehende Nutzung. Programm, Öffnungszeiten und die dort stattfindende Kommunikation machten den Unterschied. Eine andere Einwohnerin dachte gleich weiter: Könne man nicht eine kleine Bühne integrieren, etwa für Kleinkunst? Absolut, so der Architekt.
Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde es dann interaktiv. Die Löchgauer sollten nun anonym bei einer Online-Umfrage ihre Präferenzen angeben: Was braucht man in einer Bibliothek, wie fühlt man sich, wen will man treffen? Die Antworten seien oft ähnlich, wusste Vos: „Menschen brauchen Menschen, Gemütlichkeit und Objekte“, so sein Wissen von früheren Projekten.
Weitere Ideen der Löchgauer per QR-Code
Die Abfrage von Ideen und Wünschen soll nun auf möglichst alle Löchgauer ausgedehnt werden. An diesem Donnerstag wird der QR-Code zum Mitmachen im Gemeindeblatt veröffentlicht, dann kann jeder vom Handy aus teilnehmen: „So bauen wir ein Programm von Anforderungen“, so Architekt Vos. Ein wichtiger Teil des Prozesses, sei auch die Erstellung des Plans direkt in Löchgau, wo er und sein Team sich eine Woche lang aufhalten werden.
