Packung für den BVB Die SG BBM führt den Meister im Topspiel vor

Von Sebastian Klaus
Nach ihrem überragenden 33:22-Heimsieg über den großen Meisterschafts-Konkurrenten Borussia Dortmund ließen sich dich Spielerinnen der SG BBM Bietigheim in der Stuttgarter Scharrena feiern. ⇥ Foto: Marco Wolf

Mit dem 33:22 im Spitzenspiel fügt die Gaugisch-Sieben Borussia Dortmund die erste Bundesliga-Niederlage nach 39 Siegen in Folge zu.

Die SG BBM Bietigheim hat das Spitzenspiel der Bundesliga souverän für sich entschieden. In der Stuttgarter Scharrena führte der amtierende Pokalsieger den Meister Borussia Dortmund am Sonntagnachmittag streckenweise vor. Dank einer überragenden Abwehrleistung und einer starken zweiten Halbzeit besiegte das Team von Trainer Markus Gaugisch die zum Tiel überforderten Gäste mit 33:22.

Beide Mannschaften taten sich unter den Augen von Bundestrainer Henk Groener jedoch zunächst in der ersten Halbzeit aus dem Positionsangriff unheimlich schwer. Während sich die Gäste aus dem Ruhrpott immerhin auf ihre bewährten Kräfte, Spielmacherin Alina Grijseels, die es immer wieder mit Schlagwürfen versuchte, und Kreisläuferin Merel Freriks verlassen konnten, schienen die Bietigheimer Rückraumschützinnen Inger Smits, Kelly Dulfer und Karolina Kudlacz-Gloc nach wenigen Minuten aufgrund der starken Leistung von BVB-Torhüterin Madita Kohorst ihren Mut verloren zu haben, es aus der Distanz zu probieren. Stattdessen gingen die SG BBM-Spielerinnen immer wieder ins Eins-gegen-Eins mit der durchaus einleuchtenden Idee, aus sechs Metern eine bessere Wurfchance gegen Kohorst zu bekommen.

Als seinen niederländischen Stars offensichtlich die Ideen ausgingen, versuchte es SG-Coach Markus Gaugisch mit Kim Naidzinavicius auf der Mitte, doch die ehemalige Nationalspielerin erwischte einen rabenschwarzen Tag. Innerhalb von wenigen Minuten verfehlte Naidzinavicius zunächst das leere Tor, dann landete ein Pass der 30-Jährigen unbedrängt im Seitenaus und schließlich scheiterte die Spielmacherin auch noch unmittelbar vor der Pause mit ihrem Siebenmeter an Dortmunds Torhüterin. „Es wird auch Spiele geben, wo Inger mal nicht so funktioniert, dann wird Kim da sein. Wir haben so viele Spiele, da werden alle Spielerinnen ihre Einsatzzeiten bekommen“, verteidigte Gaugisch seinen Routinier nach dem Sieg.

Doch es war nicht alles schlecht bei der ehemaligen Kapitänin der Bietigheimerinnen und der deutschen Nationalmannschaft. Denn zuvor hatte Naidzinavicius bereits drei Strafwürfe souverän verwandelt, ihren Dritten zur 8:5-Führung für den Spitzenreiter. Dass der BVB dann doch noch einmal zurück ins Spiel fand, hatte die Sieben von Trainer André Fuhr auch dem Umstand zu verdanken, dass Bietigheim nach der Corona-Erkrankung von Melinda Szikora die Alternativen im Tor fehlten. Denn Szikora-Vertreterin Gabriela Moreschi erwischte zunächst einen richtigen Stolperstart. Nach sage und schreibe 21 Minuten bekam die im zweiten Durchgang sensationell aufspielende Brasilianerin das erste Mal ihre Finger an den Ball. Direkt davor hatte Dortmunds Coach André Fuhr die siebte Feldspielerin gebracht, um endlich ein Mittel gegen den Defensivblock der Bietigheimerinnen zu finden. Diese Maßnahme sollte sich zunächst auszahlen, denn beim Stand von 14:12 für die SG zur Halbzeit war der BVB noch auf Tuchfühlung.

Mit einem 5:0-Lauf zu Beginn des zweiten Abschnitts zog die Gaugisch-Sieben dem Meister dann jedoch schnell den Stecker. Besonders weh getan dürfte dabei der Treffer von Xenia Smits zum 19:12, die Grijseels den Ball fast am Mittelkreis stibitzt und ins leere Tor getroffen hatte. „Wir legen uns wieder auf den Rücken und lassen uns abschlachten“, schwante nicht nur André Fuhr in seiner Auszeit in Erinnerung an die katastrophale zweite Hälfte seines Teams im Supercup gegen Bietigheim Böses. Ende August hatte die SG BBM den BVB beim 31:21 in Durchgang zwei gnadenlos demontiert.

Doch Fuhrs Weckruf verpuffte. Sechs Minuten vor dem Ende stellte Julia Maidhof mit ihrem Tor zum 28:18 die Führung erstmals auf zehn Treffer und Gaugisch traute sich nun endlich auch, seinen Ersatzspielerinnen Einsatzzeiten zu geben. Neben Jenny Behrend, Antje Lauenroth, Luisa Schulze und erneut Naidzinavicius durfte sich auch Torwart-Talent Lieke van der Linden in den Schlussminuten noch etwas austoben. Naidzinavicius sorgte zwei Minuten vor dem Ende in Zusammenarbeit mit Inger Smits auch noch für das Highlight des Spiels, als sie einen Kempatreffer für Smits auflegte. „Es geht um die Meisterschaft, da kann ich keiner Spielerin Spielzeiten schenken“, rechtfertigte Gaugisch nach der Begegnung seine geringe Bereitschaft, die Breite des Kaders zu nuzten und häufiger durchzuwechseln.

Supercup steckt in den Köpfen

Und der deutliche 33:22-Erfolg sollte dem SG BBM-Trainer am Ende recht geben. Nach 39 Siegen in der Bundesliga war es schließlich die erste Niederlage der Gäste überhaupt. „Wir wussten, dass es bei der Breite des Bietigheimer Kaders schwer werden würde. Aber wir wollten hier heute ganz anders auftreten, als mit elf Toren zu verlieren“, so BVB-Kapitänin Alina Grijseels, die sich sieben Minuten vor dem Ende bei einem unglücklichen Zusammenprall mit Luisa Schulze möglicherweise die Nase gebrochen hatte.

„Markus Gaugisch hat uns zur Pause gesagt, dass wir bei unserem kleinen Zwei-Tore-Polster schon mit zwei Tore mehr führen als zu Beginn des Spiels“, fasste Bietigheims Xenia Smits die wesentlichen Punkte der Halbzeit-Motivation ihres Trainers zusammen. „Nach der Halbzeit waren wir sofort da. Dann hat Dortmund angefangen, an den Supercup zu denken“, so Gaugisch selbst.

 
 
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