Pandemiefolgen im Kreis Ludwigsburg Wenn der Schulbesuch zur Qual wird

Von Andreas Hennings
Durch das Homeschooling und fehlende Begegnungen hatten soziale Ängste bei Kindern und Jugendlichen mehr Raum und Zeit sich auszubreiten. Foto: dpa/Guido Kirchner

Sowohl in der Erziehungs- als auch der Familienberatung stellt die Caritas im Landkreis Ludwigsburg signifikante Veränderungen fest.

Einsamkeit, Depression, Überforderung, Schulverweigerung – die Folgen der Pandemie sind an den Beratungsstellen der Caritas im Kreis Ludwigsburg bei Kindern und Jugendlichen wie Erwachsenen deutlich spürbar geworden. Das geht aus dem Geschäftsbericht des Bereiches Psychologische Familien- und Lebensberatung für das Jahr 2021 hervor.

Gerade Schüler waren und sind betroffen, war für sie der tägliche Unterrichtsbesuch doch nicht mehr selbstverständlich. Gewohnheiten gingen verloren oder wurden in Frage gestellt. „Manchmal wird die Verunsicherung so groß, dass sie erst einmal mit Rückzug reagieren und sich den Ungewissheiten des ‚Draußen‘ nicht mehr stellen können oder wollen“, so die im Bericht festgehaltene Erfahrung.

In der Isolation breiten sich soziale Ängste aus

Die Caritas bestätigt auch eine Studie der Universität Hildesheim, die ein Problem benennt: Für Schüler, die an psychischen Erkrankungen wie Depression oder sozialen Phobien leiden, wirkt der Rückzug entlastend, erfahren sie doch weniger Stressmomente. Allerdings haben soziale Ängste gerade durch den Rückzug mehr Raum und Zeit sich auszubreiten. Ein Teufelskreis. Der Gang zurück in die Schule fällt noch schwieriger, als er das sowieso tat. Was „viele Familien an den Rand der Verzweiflung bringen kann“, berichtet die Caritas. „All diese Entwicklungen haben wir an unserer Beratungsstelle spürbar miterlebt“, teilt die katholische Organisation mit. Für einige Kinder habe gerade der Wechsel an die Schule oder auf die weiterführende Schule „große Schwierigkeiten“ bereitet, in die Normalität zurückzufinden oder auch wieder die Trennung von den Eltern auszuhalten.

So berichtet die Caritas in Ludwigsburg beispielhaft von einem sechsjährigen Mädchen, das sich nicht von der Mutter lösen konnte und sich weigerte, ins Klassenzimmer zu gehen. Über Wochen hinweg wurde versucht, das Kind an der Tür in Empfang zu nehmen. Es gab eine Zusammenarbeit der Caritas mit Familie, Schule und Schulsozialarbeit. Letztlich besucht das Mädchen bis zum neuen Schuljahr jedoch wieder die Kindertagesstätte und zudem eine Kindertherapie. In einem anderen Fall verweigerte ein 14-Jähriger über Wochen den Schulbesuch, woraufhin die Eltern in ihrer Hilflosigkeit mit zunehmendem Druck reagiert hätten, was nicht half. Aufwärts geht es bei ihm erst, seit der Junge vorübergehend aus der Notengebung herausgenommen wurde.

Eskalierende Konflikte in Familien als eine Folge

Auch bei der Paar- und Lebensberatung waren die Pandemie-Auswirkungen laut Bericht „sehr spürbar“. Homeoffice- und schooling habe zu Überlastungsreaktionen aller Beteiligten geführt. Das Stresslevel habe sich erhöht, was häufig zu eskalierenden Konflikten geführt habe. Bei den Erwachsenen habe es verstärkt Ängste, Depressionen sowie Gefühle und Einsamkeit, Sinn- und Nutzlosigkeit gegeben.

Insgesamt ging die Zahl der Beratungen bei der Psychologischen Familien- und Lebensberatung der Caritas im Kreis Ludwigsburg – anders als in anderen Landkreisen – zurück. Im Bereich Erziehung samt Schulbereich von 1469 auf 1344 Personen sowie von 3215 auf 2740 Stunden. In der Paar- und Lebensberatung von 387 auf 356 Fälle. Das ist darauf zurückzuführen, dass Beratungsstellen über längere Zeit unbesetzt waren. So konnten weniger Neuklienten aufgenommen werden, die Wartezeit für einen Termin verlängerte sich auf bis zu 16 Wochen.

 
 
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