Partystimmung Glühweindorf sorgt für Protest

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Die einen feiern, wie hier Veranstalter Kilian Lange (Zweiter von rechts) mit Besuchern des Glühweindorfes. Doch die Anwohner beschweren sich über Lärm an den Wochenenden.⇥ Foto: Martin Kalb

Es ist vor allem der Lärm, der die Anwohner erzürnt. Das Ergebnis von Messungen steht aber noch aus. Die Veranstalter von Gecco-Events wollen reagieren.

Das Schreiben der Anwohner an die Stadtverwaltung und an die Presse lässt an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig. Von einer massiven Belästigung ist darin die Rede, von einer „festivalähnlichen Beschallung“ und von einer „völligen Unverschämtheit“ den Anwohnern gegenüber. Gemeint ist das Glühweindorf auf dem Parkplatz an der Enz beim Radsportheim, das an den vier Wochenenden des Januars jeweils von Freitag bis Sonntag zahlreiche Besucher anzog. Den damit verbundenen Lärm der Besucher und von der Bühne herab wollen die Anwohner nicht noch ein weiteres Mal dulden, die Stadt sei mit Genehmigungen derartiger Veranstaltungen viel zu großzügig, kritisieren sie.

In der Konsequenz hat der Anwohner-Protest dazu geführt, dass die Stadt Lärmmessungen am letzten Veranstaltungswochenende in Auftrag gegeben hat. Deren Ergebnis liegt allerdings noch nicht vor, sagte Hauptamtsleiterin Sabine Keller auf Nachfrage der BZ. Was sie sagen kann: Die Vorgaben an den Veranstalter seien „strikt eingehalten“ worden, was die Dauer der Bewirtung und das Ende der Live-Musik angeht. Das Glühweindorf hatte eine Genehmigung für den Betrieb an Freitagen und Samstagen bis 22 Uhr und an den Sonntagen bis 19 Uhr. Verschmutzungen, Pöbeleien und Rowdytum hatten die Anwohner ebenfalls heftig bemängelt. Doch für Keller steht nicht fest, dass diese Probleme von Besuchern des Glühweindorfes verursacht wurden. Sie selbst sei mehrfach auf dem Fest gewesen. Der Lärm lasse sich nicht leugnen, die Atmosphäre sei aber friedlich gewesen.

Mit dem Protest sieht Kilian Lange von der Veranstalter-Gruppe „Gecco-Events“ seine Hoffnung enttäuscht, die Anwohner einbinden zu können. Im Jahr 2019 hatte das Glühweindorf zum ersten Mal auf dem Enz-Parkplatz stattgefunden. In jedem Jahr gab es nur eine einzige Beschwerde, habe ein Anruf auf dem Rathaus ergeben, sagte Lange im Gespräch mit der BZ. Daraufhin habe er im Vorfeld der Veranstaltung 2020 einen Rundbrief an die Anwohner geschrieben, verbunden mit Gutscheinen für Glühwein, als „Dank nach dem reibungslosen Verlauf“ im Jahr zuvor, wie Lange sagte. Sogar seine Mailadresse sei darin veröffentlicht worden, um Beschwerden entgegennehmen zu können. Lediglich eine Antwort sei auf die etwa 60 Briefe eingegangen, dennoch fürchtet Lange im Nachhinein, mit dem Brief erst schlafende Hunde geweckt zu haben.

Nach der massiven Kritik gibt sich Lange allerdings einsichtig: „Ich habe die Problematik verstanden und will etwas ändern“, versicherte er gegenüber der BZ. Vor allem am Samstag, 11. Januar, soll es wohl sehr laut zugegangen sein, räumt Lange ein, danach sei die Lautstärke gedrosselt worden.  Die Bühne mit den Live-Bands in Richtung BASF zu drehen, sei nicht praktikabel. Dazu fehle der Platz. Eine Lösung könnte sein, viele kleine Lautsprecher im Gelände aufzustellen und damit den einen, lauten Lautsprecher auf der Bühne zu ersetzen. Lange könnte sich auch vorstellen, die Live-Musik an den Wochenenden auf den Samstag zu  beschränken und an den anderen Tagen ein Programm in niedriger Lautstärke anzubieten. Er sei offen für Anregungen und wolle diese nicht blockieren. Lange weist allerdings auch daraufhin, dass der Parkplatz schon seit Jahrzehnten als Festplatz dient, vorrangig beim Winzerfest.

Die Genehmigung für das Glühweindorf müssen Lange und seine Mitstreiter von „Gecco-Events“ Jahr für Jahr einholen. Rein wirtschaftlich und auf die Besucherzahl bezogen sprach Lange von einer „positiven Resonanz“. Auf der eigenen Facebook-Seite habe es kaum negative Kommentare gegeben. Im Vergleich zum Jahr 2019 sei die Zahl der Besucher um 50 bis 70 Prozent gestiegen, schätzt er.

 
 
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