Pfarrer-Ehepaar Gratz geht in den Ruhestand „Es hat einfach gepasst“

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Das Pfarrerehepaar Elke und Ulrich Gratz geht im Oktober in den Ruhestand. ⇥ Foto: Martin Kalb

Das Pfarrerehepaar Elke und Ulrich Gratz geht nach 23 Jahren Anfang Oktober in den Ruhestand. Sehr viel haben die Beiden in dieser Zeit bewegt.

Nach über 23 Jahren geht das Pfarrerehepaar Elke und Ulrich Gratz in den Ruhestand. Am Sonntag, 4. Oktober, ist der Abschiedsgottesdienst mit der so genannten Entpflichtung. Das Pfarrerehepaar hat viel in Oberriexingen bewegt.

Im September 1997 kamen Elke und Ulrich Gratz von der Pfarrstelle Belsenberg, im Dekanat Künzelsau, nach Oberriexingen. In dem Städtchen an der Enz sahen die beiden damals gleichermaßen große Herausforderungen und Chancen. Besonders reizvoll fanden sie die kleine und selbständige Seelsorgeeinheit mit einer engen Vernetzung zur Stadt, Feuerwehr und den ansässigen Vereinen.

Elke Gratz machte, kurz nachdem sie in Oberriexingen angefangen hatte, fast ein Jahr lang intensiv Seniorenbesuche. Es war und ist Elke und Ulrich Gratz gleichermaßen  wichtig, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus war für Elke Gratz die Bücherei ein großes Anliegen. Aus bescheidenen Anfängen hat sich die Bücherei in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung inzwischen zu einer erfolgreichen Institution entwickelt, die eng mit dem „Betreuten Wohnen“ zusammenarbeitet. Weitere Arbeitsschwerpunkte waren für das Ehepaar Gratz die Kinderkirche, Eltern-Kind-Gruppen, Jungschar, Jugendkreis, das Frauenfrühstück, Männerforum, Klosterfrauen, Seniorennachmittage, Pro Musica, Chorprojekte, Taizé-Gottesdienste und Andachten sowie die Diakonie und natürlich eine intensive Besuchs- und Seelsorgearbeit,  um nur ein paar Tätigkeitfelder des Pfarrerehepaars zu nennen.

Elke Gratz engagiert sich stark im Asylkreis. Das polarisierte. 2014/15 musste sie die Erfahrung machen, dass damals etliche anonyme Briefe mit rassistischen Inhalten nachts ins Pfarrhaus eingeworfen wurden. „Wenn man das persönlich bekommt, tut das weh“, so Elke Gratz.

Als Highlight hingegen bezeichnen beide die Kindertage. Bei diesem Riesenprojekt sind jährlich rund 50 Mitarbeiter involviert und betreuen eine Woche lang etwa 100 Kinder, berichten Elke und Ulrich Gratz.

Konfessionsübergreifend hat sich der ganze Ort für die Renovierung der Georgskirche engagiert, erzählt Ulrich Gratz begeistert. Unvergessliche Momente und Aktionen waren beispielsweise das Haareschneiden für die Kirche oder ein kurzerhand organisiertes Volleyball-Turnier. „Der ganze Ort hat da sensationell mitgezogen. Da haben wir gemerkt, wie wichtig es allen war, die ,Kirche im Dorf zu lassen’“, so das Pfarrerehepaar.

Beiden war von Anfang an wichtig, die Kirche auch aktiv in das Vereinsleben in Oberriexingen zu integrieren. So finden die Terminplanungen in enger Kooperation mit allen Vereinen bis zum heutigen Tag im Gemeindehaus statt. Das rege Gemeindeleben und die Verzahnung mit den Vereinen belegen beispielsweise enge Kooperationen mit der Vulkania, der Feuerwehr oder auch, dass jährlich drei bis vier Gottesdienste mit der Stadtkapelle stattfinden.

Tolle Erfahrungen machte das Ehepaar Gratz auch beim Fund­raising, als sich der ganze Ort unabhängig von Religion und Konfession finanziell mit Eigenleistungen und Spendenprojekten beteiligte. Beide denken gerne an herrliche Erlebnisse bei den Gemeindereisen beispielsweise nach Zypern, in die Türkei, nach Israel und Jordanien zurück. Das Pfarrerehepaar schwärmt von tollen Festen, Jubiläumsfeiern, ökumenischen Gottesdiensten auf Bauernhöfen, in Festzelten, im Schlosspark, auf der Ruine oder auf dem Sportplatz.

Vielfältige Aufgaben

Das Aufgabenfeld, das das Ehepaar Gratz gerne gemeistert hat, war vielfältig. Dazu gehörten unter anderem auch das Diakoniepfarramt, das Kontaktstüble, die Asylarbeit, Pfarrkonvente,  Pfarrervertretung.

Besonders für Ulrich Gratz war es ein Anliegen für die Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst Ansprechpartner zu sein. Seit Januar 2000 ist er Leiter der Notfallseelsorge. Als Notfallseelsorger war er beispielsweise auch nach dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden im Einsatz. Dieses Amt wird er auch Ende des Jahres abgeben. Elke und Ulrich Gratz loben ausdrücklich die gute Zusammenarbeit im Distrikt und mit den Nachbarn, besonders in Unterriexingen, mit denen regelmäßig gemeinsame Gottesdienste veranstaltet wurden. Sehr bereichernd war nach Aussage von Elke und Ulrich Gratz auch die Arbeit mit den insgesamt drei Ausbildungsvikarinnen.

In Oberriexingen hat sich das Pfarrerehepaar in den vergangenen 23 Jahren sehr wohlgefühlt. Elke und Ulrich Gratz blicken auf 43 Jahre gemeinsame Arbeit, immer in Stellenteilung und Kooperation, zurück. Nun ist am 4. Oktober der Abschiedsgottesdienst. Eine Verabschiedung von der Gemeinde ist derzeit für das nächste Jahr geplant. Eine Woche nach dem Inselfest soll am 27. Juni 2021 ein großes Gemeindefest stattfinden.

Beide verlassen Oberriexingen mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Es hat einfach gepasst, zwischen uns und Oberriexingen“, so das Resümee von Elke und Ulrich Gratz. Ulrich Gratz meint schmunzelnd, dass es jetzt wieder an der Zeit wäre, dass in Oberriexingen ein frischer Wind ins Pfarrhaus einkehre.

Nun freuen sich die beiden auf den Ruhestand und die Rückkehr in den alten Freundeskreis. Elke und Ulrich Gratz wollen den Rat eines guten Freundes beherzigen, der ihnen empfohlen hat: „Ein Jahr ohne kirchlichen Dienst“. Als nächstes steht der Umzug auf den Fißlerhof an. Dort baut Ulrich Gratz mit Freunden zusammen eine Boule-Bahn.

Pläne für den Ruhestand

Das Pfarrerehepaar ist sich sicher, dass einige Beziehungen und Freundschaften zu Oberriexingen bestehen bleiben. Ulrich Gratz meint, dass er mindestens zum Angeln hin und wieder in Oberriexingen zu finden sein wird. Ab Oktober stehen ansonsten Motorrad fahren, Rad fahren, Freundschaften pflegen, Reisen, Musik hören, Haus und Hof und Garten auf dem Terminplan von Elke und Ulrich Gratz. Ganz lässt die kirchliche Arbeit die beiden jedoch nicht los. Eventuell werden sie nach einem Jahr Pause gelegentlich ihre aktiven Kollegen unterstützen.

 
 
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