Pferdemarkt Bietigheim-Bissingen Kleine Buden, großes Volksfestgefühl

Von Jörg Palitzsch
Wahrsagerin Madame Odessa, bürgerlich Renee Traber, ist eine bekannte Jahrmarkt-Wahrsagerin und stammt aus einer traditionellen Artistenfamilie. Foto: /Martin Kalb

Abseits von rasanten Fahrgeschäften sorgen Schausteller beim Pferdemarkt mit Individualität und persönlichem Einsatz für beste Unterhaltung.

Der Bietigheimer Pferdemarkt präsentiert sich nicht allein mit seinen großen und spektakulären Fahrgeschäften. Zwischen den weithin sichtbaren und zumeist lautstarken Attraktionen gibt es zahlreiche kleinere Schaustellergeschäfte, die seit Jahren zum besonderen Charakter des Volksfestes beitragen. Ob Spielgeschäfte, eine Wahrsagerin oder Fotobox – dahinter stehen Schaustellerinnen und Schausteller, die mit viel Arbeit und Leidenschaft dafür sorgen, dass der Pferdemarkt für seine Besucher zu einem besonderen Erlebnis wird.

Ein Blick in die Zukunft

Wer einen Blick in die Zukunft wagen möchte, kann bei Wahrsagerin „Odessa“ vorbeischauen. Madame Odessa, bürgerlich Renee Traber, ist eine bekannte Jahrmarkt-Wahrsagerin und stammt aus einer traditionellen Artistenfamilie. Sie ist seit rund 30 Jahren auf deutschen Volksfesten, Weihnachtsmärkten und Messen aktiv, wo sie in einer kleinen Hütte an der Sporthalle ihre Dienste anbietet. So hat sie sich im Laufe der Jahre eine Stammkundschaft aufgebaut, auch auf dem Bietigheimer Pferdemarkt, wo sie regelmäßig vertreten ist.

„Mein Publikum ist multikulti“, sagt die 68-Jährige, vor allem seien es jüngere Leute, die sich aus der Hand lesen oder die Karten legen lassen. Viele Menschen würden Sorgen umtreiben, aber in der Regel wollen die Besucherinnen und Besucher wissen, wie es um den Beruf und die Liebe steht. Auskunft erhält der Wissensdurstige in einem kleinen schummrigen Wagen mit dunklen Holzwänden, geschmückt mit Engels-Bildern. Auf einem kleinen Tischchen stehen Kerzen, wo sich die Zukunft auftut. Wie lange die Beratung für 20 Euro dauert, ist unterschiedlich, aber eines ist sicher: Für jede Lebensberatung nimmt sich Odessa immer die Zeit, die es braucht.

Westernatmosphäre kommt in der Spielhalle „Saloon“ auf. Draußen ist John Wayne zu sehen, wer aber lieber sein Geschick auf die Probe stellen will, und auf einen flauschigen Gewinn hofft, kann sich am Greifer „Teddy To Go! 2“ oder am „Großen Glücks Greifer“ versuchen. Mit dem Schriftzug „Im hinteren Bereich, größte und neueste Münzschieberei“ wird das Publikum angelockt. Es sind junge Leute, aber auch Oma und Opa, die gerne spielen. „Alle haben viel Spaß“, sagt Geschäftsführer Raphael Seidt. Für Euros muss man sich vorher Münzen kaufen, die in einen Automaten wandern. Dann beginnt ein breiter Schieber die Arbeit und befördert neben Silbermünzen auch Jetons mit hohen Punktzahlen in einen Schacht, möglich sind auch Bonusspiele. Während man nun die Silbermünzen als „Schieber“ wieder benutzt, kann man immer mehr Punkte einsammeln. Hat man genug, löst man die Punkte ein, die Preise reichen von Plüschtieren bis zur Modelleisenbahn. „Bei uns ist jeder ein Gewinner“, versichert Seidt.

Pferdemarktbesucher erinnern sich noch an das kleine Schaustellergeschäft „Hau den Lukas“ an der Sporthalle. Möglich für einen einzigen Teilnehmer, der mit einem großen Hammer auf einen Knopf schlagen musste, um ein Gewicht nach oben zu befördern und um so eine Glocke zum Klingeln zu bringen. Jetzt hat sich „Hau den Lukas“, wie vieles auf dem Pferdemarkt, etwas vergrößert und steht unter dem Viadukt gegenüber den Boxautos. Nun kann man auf drei Knöpfe schlagen: Einer ist für Damen, möglich ist ein Schlag bis zur „Superfrau“.

Daneben gibt es die Möglichkeit für Kleinere, die sich vom „Floh“ bis zum „Elefant“ hochschlagen können und dann einen „Hau den Lukas“ für die ganz Starken. Der „Anfänger“ wird noch ausgelacht, über den „Playboy“ und „Profi“ geht es bis zum umjubelten „Star“. Bekannt ist auch Dénes Nepp, Sattlermeister aus der ungarischen Partnerstadt Szekszárd, mit seinem kleinen Stand an der Sporthalle. Nach 37 Jahren ist er zum letzten Mal beim Pferdemarkt dabei.

Erinnerungen an ein schönes Fest

Eine der kleinsten Geschäfte auf dem Pferdemarkt ist die „Fotokiste“ von Pandel & Sohn, gegenüber der Göckelesbraterei im Festzelt. Eine unscheinbare mobile Fotobox mit drei Meter Länge, zwei Meter Tiefe und vier Meter Höhe. Die Fotokiste kann man auch privat ausleihen, dann ist auch bei privaten Feiern möglich, was jetzt beim Pferdemarkt möglich ist – Erinnerungen an ein schönes Fest.

 
 
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