PKC Freudental Auf der Suche nach einer Mikwe von 1723

Von Gabriele Szczegulski
Der Eingang zum Keller des „Judenschlössles“ gegenüber des PKC, in dem sich eventuell eine Mikwe befunden hatte. Foto: /Oliver Bürkle

Archäologen suchen Im „Judenschlössle“ in Freudental nach rituellem Tauchbad.

Das sogenannte „Judenschlössle“ gegenüber der ehemaligen Synagoge war die Heimat der ersten Juden in Freudental. 1723 erlaubte der Herr von Freudental, Freiherr Zobel von Giebelstadt, die Niederlassung von sechs jüdischen Familien. Er war auf der Suche nach Mietern für sein heruntergekommenes altes Schloss, wofür Juden als einträgliche Einnahmequelle gerade recht erschienen. 

Erstes jüdisches Tauchbad in Freudental?

Die Juden im Schlössle, so vermutet Michael Volz, der pädagogisch-kulturelle Leiter des Pädagogisch-kulturellen Centrums Ehemalige Synagoge (PKC) Freudental, müssten „zwingend“ eine Mikwe, ein rituelles jüdisches Tauchbad, gehabt haben. Die Miteigentümerin des ehemaligen „Judenschlössles“, Elli Schulte, erlaubte Volz und einer archäologischen Firma den Zugang in den tiefen, zweigeschossigen Keller des Gebäudes.

Am vergangenen Dienstag fanden erste Untersuchungen der Firma Archaeo BW aus Gerlingen statt. Die archäologische Fachfirma von Marcel C. Hagner sondierte mit Spezialgerät den Boden des Kellers, um Spuren einer Mikwe nachzuweisen. Hager, auf den Volz durch Grabungen bei einer anderen Mikwe aufmerksam wurde, macht dies „fürs PKC ehrenamtlich“, wie er der BZ sagt. Elli Schulte berichtete ihm von einem Wasser im Keller, das aus dem Boden „geblubbert“ sei. „Das ist ein Hinweis auf unterirdische Wasserbewegungen“, so Volz. Durch dieses Wasser könnte die erste Mikwe Freudentals gespeist worden sein. „Es muss eine Mikwe dagewesen sein, denn sonst hätten sich die Juden fast 130 Jahre nicht rituell waschen können“, so Volz. 1850 wurde in Freudental ein erstes öffentliches Reinigungsbad gebaut. Mikwen sind archäologische Schätze, weil sie als unverzichtbarer Bestandteil jüdischer Gemeinden Einblicke in die Geschichte ihrer Zeit geben.

Mit einem Bodenradar auf Rollen, der bis in vier Metern Tiefe Signale empfangen kann, fuhr Hagner den Boden im Keller des „Judenschlössles“, aber auch den Keller des PKC, ab. Die Radarwellen, so erklärt der Archäologe, geben dann ein Bild, das Spezialisten lesen können und in dem sie Spuren alter Gemäuer erkennen können.

Leider, so Hagner im Gespräch mit der BZ, gab es „keine heiße Spur“ in Freudental, die auf den Fund einer Mikwe hinwies, auch in Nebengebäuden nicht. Dafür fand Hagner heraus, dass die Keller ungewöhnlich tief gehen. „Bis 1,80 Meter Tiefe entdeckte der Radar menschliche Eingriffe im Judenschlössle, normal sind 80 Zentimeter, wahrscheinlich war die Migwe in dieser Tiefe verortet, aber so ein ein Bauwerk fand der Laser nicht“, sagt Hagner.

 
 
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