PKC Freudental Ein „richtiger“ Rabbi erklärt die Tora

Von Gabriele Szczegulski
Rabbiner Jechiel Brukner (Mitte), Pfarrerin Johanna van Oorschot und Michael Volz veranstalteten in der Ehemaligen Synagoge in Freudental einen Tora-Lehrgang. Foto: /Oliver Bürkle

In der Ehemaligen Synagoge gab es eine Lernwoche über religiöse Texte mit Jechiel Brukner aus Israel. 25 Interessierte nahmen vier Tage teil.

Wer könnte die Tora besser erklären als ein waschechter, richtiger Rabbiner, der noch das Original auf Hebräisch lesen kann“, fragt Jechiel Brukner. „Waschecht“ ist der jüdische Gelehrte tatsächlich. Vor dem Tora-Kurs im Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge“ (PKC) in Freudental trinkt er einen Salbeitee aus frischgepflückten Pflanzen, weil diese koscher sind. „Ich bin durch und durch koscher“, sagt Brukner, dankt dem PKC-Leiter Michael Volz, der eigenhändig den Salbei gepflückt hat, und beweist damit knitzen jüdischen Humor.

Etwas Besonderes, in einer Synagoge zu sein

Brukner leitete in den vergangenen Tagen den Tora-Kurs in Freudental. Wie seine Frau Sara, eine Tora-Lehrerin, gibt er alljährlich Tora-Kurse in Deutschland. Zum dritten Mai richtet das PKC einen Tora-Kurs aus, aber für Brukner ist es das erste Mal in Freudental und, wie er sagt, „etwas ganz Besonderes in einer ehemaligen Synagoge zu sein“. Als Nachfahre von Holocaust-Opfern – seine Familie starb in Auschwitz – sei er in einer ehemaligen Synagoge, um Deutschen die Tora nahezubringen. „Das ist eine sehr wichtige Begegnung, wertvoll und selten, und fördert den Dialog“, sagt Brukner.

Er spricht einwandfreies Deutsch, da er in Zürich aufwuchs, in der Schweiz studierte und dann nach einer Zeit an einem israelischen Gymnasium an der jüdischen Hochschule in München lehrte und von 2018 bis 2025 die Kölner Synagogengemeinde betreute. Nun lebt er mit seiner Frau wieder in Israel. Das Paar hat sechs Kinder und 26 Enkelkinder, wie Brukner stolz erzählt.

Die Tora-Lernwochen werden seit Jahren von Pfarrer Jochen Maurer vom evangelischen Pfarramt für das Gespräch zwischen Christen und Juden von der Evangelischen Landeskirche an den verschiedensten Orten veranstaltet.

In Freudental haben sich zu den vier Tora-Abenden 35 Menschen aus der nahen Umgebung angemeldet. „Die meisten sind interessiert, haben sich aber noch nie mit der Tora auseinandergesetzt“, sagt Volz. Die begleitende evangelische Pfarrerin aus Freudental, Johanna van Oorschot, erklärt, dass der Inhalt der Tora sich weitestgehend mit dem Alten Testament der Bibel deckt. „Die Texte in der Tora sind die Grundlage unseres Glaubens“, sagt Brukner.

Der Segen Gottes in all seinen Formen

Der Lehrgang stand unter dem Motto „Segen und gesegnet sein“. Der erste Abend war Abraham gewidmet, der von Gott auserkoren wurde, „Segen zu sein“, wie Brukner sagt. Die Schöpfungsgeschichte war das Thema des zweiten abends. „Hier ging es um den Segen des Schabbats, dem jüdischen Ruhetag. Am dritten Abend ging es um den Segen der Priester an die Gläubigen und das Ende machten Jakobs Enkel, die den Segen des Urvaters der Juden weitergaben. „Es geht um Gottes Zuwendung, die allen zukommt“, sagt Brukner.

Es sei sein Anliegen, dass der Inhalt der Tora nicht philosophisch oder theologisch bleibe, sondern, „dass wir ins Tun kommen, die Worte in die Tat umsetzen“. „Wir können aus der Schrift eine Weisung für den Alltag entnehmen, wenn wir wollen, sodass unser aller Leben besser wird, ohne fundamentalistisch zu sein“, so der Rabbiner. Die Basis des jüdischen Glaubens aber sei unbelastet von jeglicher Interpretation, deswegen lege er die Schriften so aus, wie sie in der Urform gemeint seien.

Für Michael Volz ist der Lehrgang eine seltene Gelegenheit, mit einem jüdischen Gelehrten über die Tora zu reden. „Es ist die jüdische Sicht auf die heilige Schrift und hilft uns, die Juden besser zu verstehen“.

 
 
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