PKC Freudental Eine Hommage an die „Super-Zeitzeugin“

Von Gabriele Szczegulski
Der FSJler Ike Trinkner hat für das PKC eine Leinwand mit Stationen aus dem Leben von Suse Underwood gemalt. Foto: /Martin Kalb

Am 20. Mai wäre Suse Underwood 100 Jahre alt geworden. Ihre Erinnerungen aus Kinderperspektive wurden nun in einem Buch vereint.

Sie war gar keine jüdische Bürgerin Freudentals, dennoch hatte Suse Schwarzwälder, später verheiratete Underwood, eine enge Beziehung zu Verwandten mütterlicherseits in Freudental. Die 1926 geborene Heilbronnerin verbrachte viel Zeit bei der jüngsten Schwester ihrer Mutter, Sidonie Herrmann vom Sieben-Misteles-Hof in Freudental. „Deswegen“, so sagt der pädagogische Leiter des Pädagogisch-Kulturellen Centrums Ehemalige Synagoge (PKC) in Freudental, Michael Volz, „ist sie für uns eine Super-Zeugin, die ganz klare Erinnerungen aus Kinderperspektive an ihre Aufenthalte in Freudental hat“. 

Am 20. Mai wäre Suse Underwood 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wird die Frau, die zu Freudental bis kurz vor ihrem Tod 2019 eine ganz enge Beziehung und freundschaftliche Verbindungen hatte, geehrt. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Erinnern und Gedenken der Gemeinde Freudental sowie der Kaffeezeit der evangelischen Kirchengemeinde richtet das PKC ein Geburtstagsfest am Sonntag, 21. Juni, von 14 bis 18 Uhr aus. Schüler und Schülerinnen des Seminarkurses vom Goethe-Gymnasium Karlsruhe stellen Suse Underwood in mehreren Präsentationen vor und der Ludwigsburger Autor und Journalist Steffen Pross liest aus seinem neuen Buch „Die letzte Zeugin“ über Suse Underwood (eine ausführliche Besprechung des Buches gibt es in der BZ vom 23. Juni). Gleichzeitig findet den ganzen Nachmittag über ein Programm für Kinder mit dem Künstler Tobias Christ statt. Es werden biblische Fluchtgeschichten gelesen und dann gemalt.

„Der Gedanke ist auch, eine Art Nachbarschaftstreffen zu machen, an dem alle Freudentaler kommen können“, sagt Volz. Vielleicht fänden sich noch weitere Zeitzeugen und auch Zeitzeugengegenstände. „Das PKC, so unser Wunsch, soll zu einem Ort der Verbindung werden, wo sich Menschen aus Freudental und der Welt treffen und einen neuen Zusammenhalt bilden, wie es zu Suse Underwoods Zeiten im Dorf war“.

Denn Suse Underwoods Erinnerungen sind geprägt von einem tiefen Zusammenhalt nicht nur ihrer Familie sondern auch der Freudentaler insgesamt. Die gesamte Familie Hermann/Schwarzwälder war eng mit der jüdischen Gemeinschaft und dem Freudentaler jüdischen Lehrer Simon Meisner verbunden, der letztendlich auch Suse Schwarzwälder 1039, 13-jährig, zur Flucht nach England verhalf, wie man aus Steffen Pross’ Buch erfahren kann.

Er war sehr befreundet mit ihr und nicht zuletzt war es ihm zu verdanken, dass Suse Underwood die Beziehung zu Freudental nach einem ersten Zufallstreffen in London 2001 wieder aufleben ließ.

Um Suse Underwoods interessante Lebenswege zu verdeutlichen, hat Ike Trinkner, der im PKC sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert, ein großes Kunstwerk geschaffen – sein Jahresprojekt -, das nun an der Fassade der ehemaligen Synagoge hängt. „Mural for Suse“ heißt es und zeigt die alte Dame, das Ehepaar Elias und Veza Canetti, das Suse mit Frank Underwood zusammenbrachte. Der Big Ben, Wahrzeichen Londons, wo die Underwoods lebten, spiegelt sich im Heilbronner Neckar, eine Karte von Freudental steht der Fluchtkarte von Suse Underwood auf dem Kindertransport nach Großbritannien gegenüber.

Sohn Simon Underwood kommt nach Freudental

Suse Underwoods jüngster Sohn Simon und andere Nachfahren von Freudentaler Juden werden zu dem Geburtstagsfest am kommenden Sonntag anwesend sein. „Suse hat uns nicht nur unschätzbare Freudentaler Erinnerungen geschenkt, sie hat auch durch ihre vielen Besuche und Treffen mit anderen Nachfahren sehr viel für Freudental getan, sie war dem Ort gegenüber offen, aber auch eng verbunden“, sagt Michael Volz.

 
 
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