Planungen für neue Bücherei in Bönnigheim beginnen Ideen für die Bücherei der Zukunft

Von Gabriele Szczegulski
Bürgermeister Albrecht Dautel und Büchereileiterin Tordis Oder wollen eine „Bücherei der Zukunft“ in Bönnigheim einrichten, am selben Standort im Schulzentrum.⇥ Foto: Helmut Pangerl

2023 soll Baustart für die neue Ortsbücherei am selben Standort sein. Leiterin Tordis Oder und Bürgermeister Albrecht Dautel entwickeln Visionen.

Gedanken hat sich Tordis Oder, die Bönnigheimer Büchereileiterin, schon viele gemacht, seit sie weiß, dass die Stadt eine neu gestaltete Bücherei bekommt. Für den Gemeinderat hat sie ein Büchereikonzept vorgelegt. „Seien Sie ruhig visionär, Ideen sind immer gut“, sagt Bönnigheims Bürgermeister Albrecht Dautel im Gespräch über, wie er sie nennt, „die Bücherei der Zukunft“. Die Gemeinderäte sind da nicht so offen: „Ich sah bei der Vorstellung des Büchereikonzepts genau, was mancher Gemeinderat dachte – Was das wieder kostet“, so Oder. Sie hat auch keine Hoffnung, dass mit einer neuen Bibliothek auch mehr Geld für deren Ausstattung kommt.

Nachdem die Variante, die Bücherei im Meiereihof neu zu bauen, gekippt wurde, wird die Bücherei nun an selber Stelle neu gebaut, im Bönnigheimer Schulzentrum – „mein bevorzugter Platz, weil die Nähe zu den Schulen sehr gut ist, da es für mich in einer Bücherei viel um Leseförderung geht“, so Tordis Oder.

Dautel erklärt, wie der Plan ist: Das Gebäude der Schulbücherei wird um- oder neugebaut. In das Erdgeschoss kommt die Mensa. In eines der oberen zwei Geschosse kommt die Bücherei. In das andere kommen vier Klassenzimmer. Im Neuen Jahr wird ein Planer beauftragt, so Dautel. 2023 soll Baustart sein, 2025 die Fertigstellung.

Istzustand der Bücherei nicht zufriedenstellend

Es ist offensichtlich, dass die Bücherei in die Jahre gekommen ist und nicht mehr auf dem aktuellen Stand. 14 000 Medien umfasst das Angebot, genauso viele hat Oder in den letzten Jahren entsorgt. Geht man nach der Rechnung der Büchereifachstelle, wo Oder zur Vorbereitung des Konzepts für die Bücherei der Zukunft an Workshops teilgenommen hat, dann sollten pro Einwohner zwei Medien zur Verfügung stehen und laut der Bönnigheimer Einwohnerzahl sollte eine moderne Bücherei 450 Quadratmeter große sein. Die alte ist 280 Quadratmeter groß.

6000 Euro stehen Tordis Oder jährlich für die Ausstattung der Bücherei zur Verfügung, optimal wären 18 000 Euro, so die Büchereifachstelle laut der Größe und Einwohnerzahl der Stadt. „Der Istzustand der Bücherei ist nicht zufriedenstellend“, so Oder. Von den neuesten Medien und Bücher, von denen die Bönnigheimer Ausleiher vor allem zeitgenössische Romane und Neuerscheinungen nachfragen, gibt es keinen optimalen Bestand. 

Neue Medien, wie zwei Computerplätze oder die bei kleinen Kindern so beliebte Tonie-Box plus der dazugehörigen Speichermedien in Figurenformat, konnte die Bücherei nur anschaffen, weil sich Oder rechtzeitig um eine Förderung des Regierungspräsidiums bemühte. „Das wird auch künftig eine meiner Hauptbeschäftigungen sein, soll die  neue Bücherei angemessen ausgestattet sein, kann ich das nur durch Fördertöpfe bewerkstelligen“, sagt sie.

Treffpunkt und
Begegnungsstätte

Überhaupt wird Geld für die Umsetzung des Konzepts das größte Problem sein. Einig sind sich Bürgermeister und Büchereileiterin, dass Büchereien der Zukunft anders aussehen und gestaltet sein müssen als bisher. „Eine Bücherei ist nicht mehr hauptsächlich eine Ausleihstelle, sie soll Treffpunkt, Begegnungsstätte und Veranstaltungsort sein“, sagt Dautel. Oder denkt an Leseecken oder Kinderplätze, denn für sie sind es vor allem die Kinder, bei denen man das Lesen fördern müsse. Eine Art kleines Amphitheater in der Mitte der Bücherei könne sie sich vorstellen, in dem es Leseplätze gebe und das auch zum Treffpunkt oder für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Klare Strukturen in der Einrichtung und eine flexible Möblierung sollen die neue Bücherei kennzeichnen.  „Soll die Bücherei zu einer Begegnungsstätte werden, ist aber das notwendige Personal ein Problem“, sagt Oder. 1,02 Personalstellen hat die Bücherei, was noch nicht mal die Hälfte des vorgeschlagenen Personalschlüssels ist.

Bürgermeister Dautel hat einen Vorschlag, um Personalmehrkosten zu vermeiden: „Ich könnte mir vorstellen, mit Ehrenamtlichen zu arbeiten, es gibt genügend literaturaffine Menschen in Bönnigheim.“ Auch Oder findet das eine gute Zwischenlösung, denn die Öffnungszeiten müssten auf jeden Fall ausgeweitet werden. „Da die neue Mensa in der Nachbarschaft der neuen Bücherei ist, könnte man zu dieser Zeit auch Angebote machen“, sagt Dautel. Deshalb schlug Oder auch vor, aus der Bücherei eine kombinierte Stadt- und Schulbibliothek zu erstellen, wo es dann 15 400 tagesaktuelle Medien gibt. Zudem schlug sie vor, Gruppen- und Stillarbeitsplätze einzurichten.

Höherer Etat
ist notwendig

Oder könnte sich auch mehr Veranstaltungen vorstellen. „Aber auch hier wird das Geld ein Problem sein“, sagt sie. 2000 Euro hat sie für Veranstaltungen pro Jahr, das reicht mit den Veranstaltungen für Kinder gerade für zwei Lesungen. „Eine Ausweitung des Angebots, wie es ja auch gewünscht ist, hängt von einem höheren Etat ab“, sagt Oder.

„Auch bei der Digitalisierung sind wir noch in den Kinderschuhen“, sagt Oder und denkt auch daran, das Gaming, also Computerspiele, anzubieten, für Jugendliche. Noch sind Tordis Oders Ideen Visionen, die sich in den nächsten Monaten an der Realität messen lassen müssen – und vor den Gemeinderäten bestehen müssten.

 
 
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