Playoff-Finale: Kassel Huskies empfangen Bietigheim Steelers Steelers wollen DEL-Pforte aufstemmen

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Bietigheims Playoff-Versicherung Norman Hauner will auch im Finale gegen den klaren Favoriten Kassel Huskies seine Torgefahr unter Beweis stellen.⇥ Foto: Eibner-Pressefoto / Beaut.Sports / Hubbs

Im ersten Playoff-Finale trifft der Bietigheimer Zweitligist auf den Eishockey-Koloss Kassel Huskies.

Für die Bietigheim Steelers beginnt heute Abend (19:30 Uhr) bei den Kassel Huskies der letzte Playoff-Akt. Im ersten Finale in der Kasseler Eissporthalle will die Mannschaft von Trainer Danny Naud den großen Favoriten ausrutschen lassen – am Ende der Best-of-Five-Serie soll dann der erstmalige Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse stehen.

Als der Bietigheimer Brett Breitkreuz am vergangenen Sonntagabend im vierten Halbfinalspiel den letztlich belanglosen Schlusstreffer zum 2:3 gegen die Wölfe aus Freiburg erzielte, konnten sich die Spieler der Kassel Huskies bereits langsam daran machen, ihre Sitze nach vorne zu klappen und ihren persönlichen Müll aufzusammeln. Denn rund eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff der Partie des kommenden Endspiel-Gegners trudelte der Huskies-Tross nach sechsstündiger Fahrt wieder in Kassel ein.

Huskies mussten zittern

Doch egal, wie komfortabel die Sitze der Huskies im Bus oder wie abwechslungsreich das Smartphone-Entertainment auch gewesen sein mögen, von Entspannung dürfte bei den Spielern von Trainer Tim Kehler keine Spur zu finden gewesen sein. Im Gegenteil. Die Huskies dürften stattdessen auf der langen Rückfahrt aus Oberschwaben mehr gebibbert haben, als an manchen Tagen in heruntergekühlten Eishallen.

Schließlich hatten die Nordhessen ihre verfrühte Rückkehr aus Ravensburg einzig dem Umstand zu „verdanken“, dass der Gegner am Sonntagabend nicht angetreten war. Nach einem bestätigten Coronafall in den Reihen der Towerstars hatte das zuständige Gesundheitsamt die gesamte Mannschaft am Nachmittag vor der angesetzten vierten Halbfinal-Partie in Quarantäne geschickt. Damit standen die Huskies bei einer 2:1-Führung in der Serie kampflos als erster Finalist fest. Doch die Kasseler fürchteten nun – trotz regelmäßiger Testungen alle zwei Tage – dass sich möglicherweise doch auch einer der ihren infiziert haben könnte. Die Statuten der Liga sehen schließlich vor, dass eine Mannschaft mit mindestens neun Feldspielern und einem Torhüter antreten muss, andernfalls wird die Begegnung für den Kontrahenten gewertet.

Testergebnisse alle negativ

Im für die Kasseler ungünstigsten Fall hätten die Bietigheim Steelers, die sich am Dienstagabend schließlich doch noch im entscheidenden fünften Spiel im Breisgau durchgesetzt hatten, womöglich den DEL-Aufstieg gewissermaßen geschenkt bekommen. Doch am Dienstagmorgen dann die Entwarnung: Die Coronatests der Huskies vom Montag fielen durch die Bank negativ aus – der ersten Finalpartie am Freitag stand damit nichts mehr im Wege.

Und sportlich haben sich die Nordhessen das Endspiel – übrigens genau wie die Steelers – auch verdient. Die Huskies waren durch die Liga spaziert und hatten die Hauptrunden-Meisterschaft schon frühzeitig sicher. Während in den ersten Wochen der Zweiten Liga noch einige DEL-Profis wie Nationalmannschaftskapitän Moritz Müller bei Kassel die Zeit bis zum eigenen Ligastart überbrückten, glänzten die Huskies auch nach dem Abgang ihrer Gaststars mit Tempo-Eishockey vom Feinsten. Doch nicht nur in der Offensive wissen die Nordhessen seit Monaten zu überzeugen. Auch die Defensive um Joel Keussen und Troy Rutkowski sowie das Torhüter-Gespann Jerry Kuhn und Leon Hungerecker zählt zu den besten der DEL2.

Dass der Kasseler Koloss jedoch durchaus ins Wanken geraten kann, haben die Ravensburg Towerstars bei ihrem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich in der Halbfinal-Serie bewiesen. Glatt mit 4:1 hatten die – zumal stark ersatzgeschwächten – Ravensburger die Partie gewonnen. Und auch die Steelers haben aus der Hauptrunde noch gute Erinnerungen an die Begegnungen mit dem haushohen Aufstiegsfavoriten: Zwei Siegen (3:2 und 5:4 nach Verlängerung) steht eine Niederlage (1:3) gegenüber. Zugute kommen könnte den Huskies im Endspiel allerdings die größere Frische, denn immerhin mussten die Steelers in den Playoffs gegen Frankfurt und Freiburg stets über die volle Distanz von fünf Spielen gehen und so viermal mehr antreten als der Gegner.

DEL lässt Aufsteiger zu

Erstmals seit 2006 ist der Aufstieg von der DEL2 in die DEL wieder möglich. Sowohl die Steelers als auch die Huskies hatten vor der Saison die dafür vorgeschriebene Sicherheitsleistung von 816  000 Euro hinterlegt – jetzt müssen die Bietigheimer in der Best-of-Five-Serie nur noch Taten folgen lassen und dann hoffen, dass auch die Lizenzprüfung positiv ausfällt. Der größere Druck dürfte beim sportlichen Teil allerdings auf dem einstigen deutschen Vizemeister aus Kassel liegen, denn in der eishockeyverrückten Stadt ist der Aufstieg nach dieser Saison der Superlative quasi ein Muss.

 
 
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