Pleidelsheim Abschied nach 24 Jahren

Von Jörg Palitzsch
Landrat Dietmar Allgaier (von links), Bürgermeister Ralf Trettner und dessen Stellvertreter Timo Günther. Foto: /Werner Kuhnle

Bürgermeister Ralf Trettner ist in der Sporthalle mit viel Lob verabschiedet worden.

Die Frage: „Was bleibt?“ stellte Bürgermeister Ralf Trettner am Ende eines Abends, bei dem er am Freitag in der voll besetzen Sporthalle nach 24 Jahren im Amt verabschiedet wurde. „Was bleibt von einem Abend, den ich gar nicht wollte.“ Zugestimmt habe er dann doch, weil ihm ein Freund einen Rat gegeben habe. Eine solche Verabschiedung sei wie eine gute Beerdigung. „Du kannst dich von deiner Gemeinde verabschieden und die Gemeinde von dir.“ Diese kurze Anmerkung am Ende der über zweistündigen Veranstaltung, musikalisch untermalt von der Jugendmusikschule Freiberg-Pleidelsheim, zeigte zwei Wesenszüge Trettners, die von den zahlreichen Festrednern immer wieder genannt wurden. Seine Bescheidenheit und seinen nicht immer erkennbaren staubtrockenen Humor.

Respektabler Bürgermeister

2001 als 28-Jähriger mit 55 Prozent gewählt, war Trettner 1998 noch Ulrich Bahmer unterlegen, der damals die Nachfolge von Erwin Paulus antrat. Bei der Wahl 2009 erzielte er dann 95,97 Prozent. Trettner war inzwischen zu einem respektablen Bürgermeister und Verwaltungschef geworden. Dabei war es für ihn am Anfang nicht leicht, sagte sein Stellvertreter Timo Günther in der Begrüßung. Der Haushalt wurde wegen Altlasten nicht genehmigt und Trettner musste harte Entscheidungen treffen. Personalabbau, die Schließung des Lehrschwimmbeckens und Kürzungen im Jugendhaus. Geschadet habe dies alles nichts. Heute, so Günther, zeichne sich Pleidelsheim als Gemeinde mit einem hohen Engagement des Ehrenamtes und einem großen Zusammenhalt der Bevölkerung aus. Trettner, der als Bürgermeister unter anderem mit drei Feuerwehr-Kommandanten, sieben Pfarrer, fünf Hauptamtsleiter und sieben Sekretärinnen zusammenarbeitete, hatte an dieser Entwicklung den größten Anteil. „Hätte, könnte, sollte gab es bei ihn nicht“, sagte er, und wenn Trettner mit Lob zurückhaltend war, habe man doch immer gewusst, wer der Chef war, so Trettners Stellvertreter.

Gekommen waren auch Landrat Dietmar Allgaier und dessen Vorgänger Dr. Rainer Haas, die Dienstherren in Trettners langer Amtszeit. Dieser habe als Bürgermeister Pleidelsheim ein Gesicht gegeben, es sei für ihn nicht einfach ein Job gewesen, sondern eine Lebensaufgabe. Allgaier strich Trettners Qualitäten als Tischtennisspieler, Rennradler und Leichtathlet heraus. Dann überreichte er dem „ehrlichen und kritische Geist“ die Entlassungsurkunde. Die habe, so der Landrat augenzwinkernd, zwar einen nüchternen Text, sei aber versorgungstechnisch nicht ohne Bedeutung.

„Wirbelwind und Daniel Düsentrieb“

Kai Müller dankte als Vertreter der Vereine Trettner für die Unterstützung der rund 30 AGs, der Gruppen und Vereine. Der Bürgermeister sei immer ein verlässlicher Partner gewesen und selbst in vielen Vereinen aktiv. Thorsten Bartzsch, Bürgermeister in Murr, sprach für die Schultesriege, die sich in der Sporthalle versammelt hatte. Das Amt sei wie ein Improvisationstheater aber mit vielen Vorschriften. Mit der Verabschiedung ende eine Ära. Trettner habe immer auch das große Ganze im Blick gehabt und sei für viele jüngere Bürgermeister ein Vorbild und Ratgeber gewesen. Der stellvertretende Feuerwehrkommandant Michael Landsberger strich die professionelle Zusammenarbeit Trettners mit der Wehr heraus und präsentierte mit Klaus Haug, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Ludwigsburg, einen Gast der nicht auf der Rednerliste stand. Haug überraschte Tretter dann mit der Ehrenmedaille, der höchsten Auszeichnung, die die Feuerwehr an Privatpersonen vergeben kann. Dem schloss sich die Personalratsvorsitzende Andrea Löhr an. Trettner sei Wirbelwind und Daniel Düsentrieb zugleich gewesen. Manchmal sei er mit dem Kopf durch die Wand, eine Eigenschaft, die er bis heute nicht abgelegt habe. So habe man in kürzester Zeit etwa bei Corona ein Impfzelt aufgestellt. Zum Dank präsentierte Löhr einen Film, der in vielen Szenen, mit einem Finger wie auf Sand gemalt, Stationen im Ort nachzeichnete. Tempo 30, Umweltzone, Öko-Konzept, Feuerwehr, Süwag – und einmal Peter Pan.

Ralf Trettner danke all seinen Weggefährten. Er sei als VfB-Fan eigentlich stets ein Trainer gewesen. Unter anderem mit einem Aufsichtsrat, mit einer Mannschaft, den Fans auf der Haupttribüne, mit Beratern und der Medi-Abteilung. Diese sei stets seine Familie gewesen. An seine Nachfolgerin Dr. Sabrina Lee gerichtet, sagte er, es gebe keinen schöneren Beruf als Bürgermeister. Am Ende brandete in der Halle minutenlanger Applaus auf, ein Stehempfang schloss sich an.

 
 
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