Eine echte Überraschung hatten die Organisatoren bei der Amtseinsetzung der neuen Pleidelsheimer Bürgermeisterin Dr. Sabrina Lee parat. Beim musikalischen Auftakt mit dem Lehrerensemble der Jugendmusikschule Freiberg/Pleidelsheim wurde ihr Vater Albert Lee auf die Bühne gerufen, um die Band beim Song „Route 66“ mit dem Saxofon zu begleiten.
Pleidelsheim Amtseintritt von Bürgermeisterin Sabrina Lee
Am Donnerstag wurde die neue Bürgermeisterin Dr. Sabrina Lee vereidigt. Bei ihrer Amtseinsetzung spielte ihr Vater Saxofon.
Nach dieser Einstimmung wurde Sabrina Lee vom Stellvertretenden Bürgermeister Timo Günther im Rahmen der öffentlichen Gemeinderatssitzung vereidigt und verpflichtet. Damit trat Lee offiziell in das Amt ein, das sie bereits seit dem 1. September innehat. Die Festhalle Pleidelsheim war dazu bis auf den letzten Platz gefüllt, zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Vereinen und Wirtschaft waren gekommen, um dabei zu sein.
Landrat: Neuanfang in der Luft
Es folgten die Grußworte. Auch Landrat Dietmar Allgaier zeigte sich überrascht, noch nie habe bei einer Amtseinsetzung der Vater für das eigene Kind gespielt. Er selbst spiele auch Saxofon, verriet er den Gästen – bei der Einsetzung von Sabrina Lee für eine zweite Amtszeit, könne man dann zusammen auftreten. Jetzt liege ein Neuanfang in der Luft, so Allgaier weiter.
Nach 24 Jahren unter der Regentschaft von Ralf Trettner, der sich im Urlaub befand, gibt es in Pleidelsheim ein neues Gesicht. „Klug, engagiert und mit dem Ort bestens vertraut.“ Drei Bürgermeisterinnen gibt es jetzt im Landkreis, „dies ist keine überwältigende Zahl.“ 2023 habe es im Land auch nur in jedem elften Rathaus eine Verwaltungschefin gegeben. Lee sei ein Vorbild, um Frauen zu einer Bewerbung zu bewegen, so der Landrat. Die neue Bürgermeisterin zeige echtes Interesse, sie gehe ehrlich auf die Menschen zu und höre zu. Die Sonnenseiten ihres Berufes sei die schöne Aussicht aus ihrem Amtszimmer und das Kennenlernen aller Generationen im Ort. „Es wird bunter, lebendiger, aber nie langweilig“, prophezeite Allgaier, der ihr anschließend die Ernennungsurkunde des Landkreises überreichte.
Sitzungsglocke überreicht
Freibergs Bürgermeister Jan Hambach gratulierte seiner Kollegin und kündigte eine gute Zusammenarbeit an. Was Lee brauche, seien Vertraute für offene Gespräche, Hambach verwies dazu auf den Kollegenkreis als Partner. Auch Kai Müller, Vorsitzender des GSV Pleidelsheim, sowie Ralf Kaspar, Vorsitzender des BdS Pleidelsheim, wollen eng mit der neuen Bürgermeisterin zusammenarbeiten. Man freue sich auf faire Debatten und gemeinsame Erfolge, so Müller. Kaspar überreichte eine Sitzungsglocke mit persönlicher Gravur, die Lee immer an den BdS erinnern soll.
Den Höhepunkt bildete die erste Ansprache der neuen Bürgermeisterin. In klaren und verbindenden Worten dankte Lee in ihrer 15-minütigen Rede für das ihr entgegengebrachte Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. Pleidelsheim sei nicht nur ihr Wohnort, sondern inzwischen zur Heimat geworden. Sie wolle ihr Amt nicht nur verwalten, sondern mit Herzblut nach Lösungen suchen. Jetzt sei es an der Zeit, nach den Worten im Wahlkampf konkrete Schritte folgen zu lassen. „Dies ist ein klarer Auftrag“, so Lee, die eine kleine Einschränkung machte.
So müsse nicht immer der einfache Weg, sondern der richtige Weg gefunden werden. Auch sei sie nicht zu einem Sprint, sondern zu einer Langstrecke mit nachhaltigen Entscheidungen angetreten.
Zahlreiche Aufgaben vor der Brust
In ihrer Rede skizzierte sie die Aufgaben, denen sie sich widmen will. An erster Stelle steht die Entwicklung der sogenannten „Neuen Mitte“, ein brachliegendes Areal gegenüber dem Rathaus, wo Einkaufsmöglichkeiten und Wohnen möglich werden soll. Erste Gespräche habe sie schon geführt, Lee warnte aber vor schnellen Erfolgen. „Solche Vorhaben brauchen ihre Zeit.“
Mit dem Blick auf die Finanzen zeigte sie sich gelassener. Zum Jahresende habe man noch mit einem Minus von 1,7 Millionen Euro gerechnet, jetzt könne man gar einen ausgeglichenen Haushalt mit einer schwarzen Null erwarten. Weitere Themen waren Jugendliche, denen sie Gesprächstermine anbieten will, ebenso soll es Bürgersprechstunden geben, eine Ehrenamtsbörse und eine Bündelausschreibung für Fotovoltaikanlagen um den Klimaschutz voranzutreiben.
Wenig Hoffnung machte sie in puncto Digitalisierung. In anderen Gemeinden würde Glasfaser verlegt, in Pleidelsheim Geduld. Bei allem überwogen jedoch Zuversicht und die positiven Aspekte. Sie wolle künftig ein „Möglichmacher“ sein, „packen wir es gemeinsam an.“
