Pleidelsheim „Kunst löst Emotionen aus“

Von Jennifer Stahl
Leon Krickow hat mit seinem Bild am Jugendkunstpreis Baden-Württemberg teilgenommen und gewonnen. Foto: /Oliver Bürkle

Der 20-jährige Leon Krickow hat mit seinem gesellschaftskritischen Werk „Am Rand des Triumphs“ den Jugendkunstpreis Baden-Württemberg gewonnen. 

Die Wellen toben und am Himmel ziehen dunkle Wolken vorüber. Doch dazwischen zeigt sich die Sonne und wirft ihre Strahlen auf das Meer. Sie steht für Hoffnung in einer von Gier getriebenen Gesellschaft. Im Zentrum ist eine von Müll überhäufte Klippe zu sehen. Menschen und Tiere liegen dazwischen, es ist unklar, ob sie tot oder lebendig sind. Eine Birke bildet den Kontrast zur schrecklichen Szenerie – sie soll einen Neuanfang symbolisieren und ebenfalls zeigen, dass es noch Hoffnung gibt. Doch oben links am Rand ist ein Mensch zu sehen, der über allen und allem trohnt. „Für Erfolg muss man immer über Leichen gehen“, sagt Leon Krickow aus Pleidelsheim, der Künstler des Bildes.

„Am Rand des Triumphs“ hat er es getauft, damit am Jugendkunstpreis Baden-Württemberg teilgenommen – und einen Preis gewonnen. Gesellschaftspolitische Themen interessieren ihn sehr, sagt er, und er möchte ihnen mit seiner Kunst Ausdruck verleihen. „Die Tiere habe ich nicht ohne Grund gemalt. Sie sind es, die in unserer Gesellschaft am meisten leiden.“

Bis zu 500 Jugendliche nehmen teil

Der Wettbewerb fand in diesem Jahr unter dem Motto „Am Rand“ statt. Je nach Ausschreibungsthema bewerben sich bis zu 500 Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren. Eine Fachjury entscheidet sich für eine Auswahl von 40 Kunstwerken, die in einer eigenen Ausstellung gezeigt werden. Diese Ausstellung findet im Kunstzentrum Karlskaserne in Ludwigsburg vom 11. Oktober bis 9. November statt.

16 Jugendliche werden außerdem zur Vernissage geladen und als Preisträger ausgezeichnet. Sie fahren entweder auf eine Kunstreise nach Wien oder erhalten einen künstlerischen Workshop im Schloss Rotenfels, dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung in Gaggenau. „Als ich erfahren habe, dass ich es unter die 40 Kunstwerke geschafft habe, war ich gerade in Marokko“, sagt Krickow.

Dass er sogar zu den sechszehn Gewinnern gehören würde, damit hätte der 20-Jährige nicht gerechnet. Nach seinem Abitur 2023 hat er ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) gemacht und sich dann auf das Abenteuer Backpacking nach Asien begeben. Mit dem Bus ging es für ihn weiter nach Marokko. Auf seiner Reise hatte er nicht allzu viel Zeit für das Hobby, welches ihn schon seit dem Kindergarten begleitet. „Malen hat mir einfach schon immer Spaß gemacht. Aus Interesse habe ich in der Oberstufe Kunst als Leistungskurs gewählt und mich mit der Kunstgeschichte auseinandergesetzt.“ Während Corona habe er auch viel gezeichnet, zum Beispiel Porträts oder er hat mit Ölfarben experimentiert.

Mit der Zeit habe er seinen eigenen Stil gefunden. Die Barockepoche hat ihn besonders geprägt, sagt er. „Ich finde die Aussprüche ‚Memento Mori’ und ‚Carpe Diem’ interessant, weil sie aussagen, dass man seine Zeit sinnvoll nutzen und Materiellem weniger Wert zuschreiben sollte.“

Mit der Zeit habe er gemerkt, dass Kunst eine größere Funktion als reine Ästhetik hat. „Sie kann so viel bewirken und Emotionen auslösen. Kunst bedeutet mir sehr viel. Auch, weil man Themen und Problemen, die nicht jeder hinterfragt, eine Plattform bietet.“ An dem Werk habe er über mehrere Tage verteilt immer wieder gearbeitet. „Wäre die Frist nicht gewesen, hätte ich vermutlich noch ewig weitermachen und weitere Elemente hinzufügen können. Ich bin nicht einmal komplett zufrieden, eigentlich bin ich ein ziemlicher Perfektionist“, sagt er.

Für Krickow braucht es beim Malen ruhige Musik, um im Fluss zu bleiben, wie er sagt. Er habe, ohne sich vorher viele Gedanken zu machen, mit dem Malen begonnen und mit Acryl-Farbe und einer Strukturpaste Tiefe in das Gemälde gebracht. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, ist er überzeugt. Deswegen rät er jedem, der auch Lust auf das kreative Hobby hat, einfach anzufangen und sich nicht zu viele Gedanken zu machen.

Kunst soll ein Hobby bleiben

Leon Krickow fängt nun ein duales Studium zum Mechatroniker an. Im kommenden Jahr nimmt er vielleicht wieder am Jugendkunstpreis teil, er könnte sich auch Auftragsarbeiten vorstellen. Für das Malen und Zeichnen könnte aufgrund des neuen Lebensabschnitts jedoch etwas weniger Zeit bleiben.

Denn obwohl er sich vorstellen könnte, sich nebenher etwas dazuzuverdienen, möchte er vor allem, dass die Kunst sein Hobby bleibt. „Der Spaß soll nicht verloren gehen und ich möchte das für mich machen. Mein Einkommen möchte ich nicht von meinem Hobby abhängig machen“, erklärt er.

 
 
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