Polizeipräsidium Ludwigsburg „Tiefgreifende Krise im Präsidium“

Von Emanuel Hege und Gabriele Szczegulski
Im Polizeipräsidium Ludwigsburg brodelt es – und das kurz vor der Einsetzung eines neuen Polizeipräsidenten oder einer Polizeipräsidentin. Foto:  

Ludwigsburgs Interimspolizeipräsidentin Silke Kübler und ihrem Stellvertreter Erwin Grosser wird negatives Führungsverhalten vorgeworfen.

Dem Innenministerium des Landes Baden-Württemberg von Manuel Hagel (CDU) droht neuer Ärger um die Personalpolitik bei der Polizei. Wegen massiver Beschwerden über die Führungsspitze des Polizeipräsidiums Ludwigsburg hat sich die Bürgerbeauftragte Beate Böhlen (Grüne) – sie ist auch für die Polizei zuständig – jetzt direkt an den Innenausschuss des Landtags gewandt. Zuvor hatte sie sich offenbar über Wochen hinweg vergeblich um einen Termin bei Hagels Polizei-Staatssekretär Reiner Moser bemüht.

Machtmissbräuchliche Führungskultur

Bei den Beschwerden geht es um die aktuelle Führungsspitze des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Es ist mit mehr als 1800 Beschäftigten für die Landkreise Ludwigsburg und Böblingen zuständig. Nachdem der bisherige Präsident Thomas Wild ins Innenministerium gewechselt war, wird das Präsidium kommissarisch von der bisherigen Vizepräsidentin Silke Kübler und von Erwin Grosser als Stellvertreter geführt. Die Ausschreibung für den Chefposten lief Mitte September ab, Kübler gilt als logische Nachfolgerin.

Gegenüber dem Innenministerium und dem Innenausschuss berichtete Böhlen von massiven Führungsproblemen, die seit Monaten an sie herangetragen würden. Was sie von ganz unterschiedlichen Seiten höre, zeige eine „tiefgreifende Führungs- und Kulturkrise“ im Präsidium Ludwigsburg, „die dringend einer Lösung bedarf“. Eine relevante Zahl von Beamtinnen und Beamten empfinde das Führungsverhalten als „unangemessen und nicht dienlich für die Arbeit der Polizei“; längerfristig könne sogar die polizeiliche Handlungsfähigkeit gefährdet sein.

Seit Oktober 2025 gibt es laut Böhlen eine auffallend hohe Zahl von psychischen Erkrankungen unter den Beschäftigten. Zugleich sei das „negative Führungsverhalten“ der damaligen Vizepräsidentin Thema bei einer Personalversammlung gewesen. Seit Dezember gingen bei ihr immer wieder Klagen über Kübler und mehr noch über Grosser ein. Moniert werde eine „machtmissbräuchliche Führungskultur“, bei der Angst und Misstrauen verbreitet und Menschen vorgeführt würden. Mit Blick auf die offenbar kurz bevorstehende Besetzung des Präsidentenpostens empfiehlt Böhlen dem Innenministerium eindringlich, die Führungskultur in Ludwigsburg zu überprüfen.

Offene Fragen auch bei der Führung des Reviers in Marbach

Offene Fragen sieht die Bürgerbeauftragte Böhler auch bei der Ablösung des Revierleiters in Marbach, dem „Führungsschwäche“ vorgeworfen worden sei. Der Vizepräsident habe angekündigt, diese nicht mehr zu akzeptieren und die Zügel anzuziehen. Allerdings rät Böhlen zur Vorsicht bei der Bewertung der Vorgänge: Es stünden offenbar „überzogene und unrichtige Behauptungen im Raum“, mit denen sich die Präsidiumsspitze entlasten wolle.

Als Reaktion auf die Vorwürfe Böhlens hat Silke Kübler nun ein Rundschreiben an die Beschäftigten des Präsidiums geschickt, das der Redaktion vorliegt. Darin schreibt Kübler, man habe „noch keine Möglichkeit“ gehabt, sich mit den Vorwürfen der Führungsschwäche „inhaltlich auseinanderzusetzen“. Diese würden aber „in geeigneter Form aufgegriffen und anhand verfügbarer Fakten erörtert“. Besonders interessant sind jedoch Küblers Ausführungen zu den Vorgängen in Marbach.

Aus den Schilderungen Küblers, den Aussagen von Böhler und Recherchen ergibt sich folgendes Bild: Im Frühsommer hat sich ein von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter eingeschalteter Anwalt bei Interimspräsidentin Kübler gemeldet und über Missstände im Revier Marbach informiert. Die Vorwürfe wurden daraufhin überprüft. Unter anderem wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, diese konnte bislang jedoch keine strafrechtlich relevanten Handlungen erkennen.

Dennoch wurde der Revierleiter von Marbach laut Böhlen im Juli seines Amtes enthoben. Ihm werden Führungsschwäche, eine zu große Nähe zu den Mitarbeitenden und das Fehlverhalten einiger Beamter vorgeworfen. Nach Informationen dieser Zeitung geht es dabei weder um Fehlverhalten gegenüber Bürgern, noch um rechtsextreme Auswüchse, wie sie in anderen Polizeirevieren in Deutschland bekannt geworden sind.

Offenbar geht es eher um unprofessionelles Verhalten, mangelnde Trennung von Privatem und Dienstlichem, Grenzüberschreitungen, Geschmacklosigkeiten und Streiche vonseiten der Führungskräfte und der Beschäftigten untereinander. In mehreren Fällen wurden Disziplinarverfahren eingeleitet. Die interne Aufarbeitung läuft noch und wird voraussichtlich einige Wochen dauern.

 
 
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