Pro Familia Ludwigsburg Wenn junge Mädchen schwanger werden

Von Helga Spannhake
Petra Baumann (rechts) leitet den Kurs für junge Schwangere bei der Pro Familia in Ludwigsburg. Foto: /Oliver Bürkle

Die Pro-Familia-Beratungsstelle bietet mit „Baby im Arm“ eine Geburtsvorbereitung und einen Kurs für die erste Zeit mit dem Kind.

Wenn junge Mädchen schwanger werden, ist das meist kein Wunschkind, sondern im Gegenteil oft mit Ängsten und Sorgen behaftet: Kann ich das schaffen, wie soll ich das finanzieren und manchmal auch die bange Frage, ob man das Baby überhaupt bekommen möchte. Die Pro-Familia-Beratungsstelle Ludwigsburg ist für all diese Fragen die kompetente Anlaufstelle und bietet eine Geburtsvorbereitung für Jugendliche und junge Mütter bis 22 Jahre an sowie mit „Baby im Arm“ einen Kurs für die erste Zeit mit dem Kind.

Sechs junge Mütter nehmen am Kurs teil

Hell scheint die Sonne in den Raum des Hebammenzentrums Justine. Lindgrüne Matten liegen im Kreis angeordnet auf dem Boden, auf ihnen vorbereitet jeweils eine Banane und ein Apfel sowie ein kleiner grüner Stoffdinosaurier. Sechs junge Mütter sind zum Kurs „Baby im Arm“ erschienen. Das jüngste Kind ist gerade einmal drei Wochen alt und die dazugehörige Mama erzählt seufzend, dass ihr Sohn von Bauchweh geplagt werde und daher auch nachts nicht mehr schlafe.

Pro-Familia-Beraterin Petra Baumann hört interessiert zu und holt anschließend schnell ein Öl zum Einreiben für das geplagte Babybäuchlein. Die ebenfalls anwesende Hebamme Agnes zeigt an der vor ihr auf dem Boden liegenden Babypuppe die richtige kreisende Einreibe-Bewegung im Uhrzeigersinn. Eine andere, 20-jährige Mama berichtet, dass ihre viermonatige Tochter alles in den Mund nehme und erfährt, dass diese orale Phase ein ganz natürlicher Entwicklungsschritt ist, der die sensorische Wahrnehmung fördert. Als junge Mutter Anschluss zu finden, sei schwierig, erwähnt Baumann: „Die Älteren, die sagen immer irgendwas wie, oh Gott, so jung und schon ein Kind. Die kriegt doch eh nichts gebacken.“

Der Kurs „Baby im Arm“ unterscheidet sich inhaltlich kaum von Kursen für ältere Mütter – alles rund um den Alltag mit Baby wird erklärt. Den jungen Müttern wird hier aber ein Raum geboten, in dem sie akzeptiert und nicht bewertet werden: „Wir wollen einfach, dass sie eine schöne Zeit in der Schwangerschaft und in der ersten Zeit mit dem Kind haben“, erklärt Petra Baumann und ergänzt, dass es durch das junge Alter auch oft darum gehe, etwas zu beantragen: „Wir können Geld beantragen für eine Babyausstattung. Wir helfen bei Anträgen wie Kindergeld, Elterngeld, eventuell auch mal Bürgergeld, weil es oft ja noch keine gesicherten Einkommensverhältnisse sind“. Das Thema Wohnungsnot kommt ebenfalls häufiger zur Sprache, denn vor allem junge Mütter haben oft gar keine Chance auf dem umkämpften Markt und müssen bei den eigenen Eltern wohnen bleiben.

Die Frage, wie die letzte Woche war, macht weiter die Runde und die 19-jährige Lena berichtet, dass ihr im Januar geborener Sohn leider viel spuke nach dem Trinken. Allgemein hatte sie anfangs große Sorgen, ob sie der Aufgabe wirklich gewachsen ist: „Ich war mit dem Vater nie zusammen und bin dadurch jetzt auch alleinerziehend und dann war es am Anfang schon ein Punkt, ob ich es jetzt wirklich behalten soll, ob ich das überhaupt schaffe alleine“, erinnert sie sich und fährt fort, dass der Druck von außen auch groß gewesen sei: „Weil es dann hieß, ich weiß nicht, ob du das schaffst. Du bist ja noch so jung und hast keine Ausbildung, du wohnst nicht allein, hast nicht mal einen Führerschein, das ist schon sehr heftig“.

Gleichaltrige in derselben Situation kennenlernen

Ihre eigene, sie unterstützende Mutter war es schließlich, die sie bestärkt hat, das Baby zu bekommen: „Und der Pro-Familia-Kurs hat mir sehr geholfen, mit Gleichaltrigen zusammen zu kommen, die in derselben Situation sind wie ich, und auch wegen des Unterhalts und der finanziellen Unterstützung“, lobt Lena das vielseitige Beratungs- und Kursangebot sowie die erfahrene Sozialpädagogin Petra Baumann: „Sie ist eine sehr gute Ansprechpartnerin. Wenn man Fragen hat, kann man sich immer bei ihr melden. Sie hat immer ein offenes Ohr“, und bei all der kompetenten Unterstützung blickt die junge Mutter inzwischen zuversichtlich in die Zukunft: „Also, Sorgen habe ich eigentlich gar keine. Ich bin zuversichtlich, dass alles gut wird“, sagt sie lächelnd und mit einem liebevollen Blick in Richtung ihrer Babyschale, in der ihr Sohn gerade glucksend träumt.

Mijas Mutter war 16 als sie mit ihr schwanger war und konnte damals bereits bei Pro Familia Baumann um Rat fragen. Nun folgt Mija den Fußspuren ihrer Mutter mit ihrer eigenen Tochter: „Im Geburtsvorbereitungskurs sind Petra und ich ins Reden gekommen und das war sehr schön, weil sie eben wusste, wer meine Mama ist. Das hat sich so familiär angefühlt“, berichtet sie und Baumann ergänzt: „Ich habe einige junge Mütter hier beraten und in den Kursen gehabt, deren Mütter auch schon, als sie schwanger waren, bei mir waren. Das ist eine ganz besondere Situation“.

 
 
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