Produktionsstandort Bietigheim-Bissingen Betriebsrat kritisiert Bosch AS erneut

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Keineswegs eitel Sonnenschein herrscht derzeit bei Bosch AS in Bietigheim.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die Gespräche über die Zukunft des Werks sind gestartet. Im Vorfeld kritisierte Bosch den Plan des Betriebsrats, der zweifelt nun an dem Willen des Unternehmens offen zu verhandeln.

Gute Vorzeichen für eine Einigung sehen anders aus: Nachdem die Geschäftsführung von Bosch Automotive Steering (AS) von dem Zukunftskonzept, das der Betriebsrat für den Erhalt der Produktion am Standort Bietgheim ausgearbeitet hat, erfahren hat, kritisierte man diese schon vor dem für Mittwoch geplanten Beginn der Sondierungsgespräche (die BZ berichtete).

Das lässt Betriebsratchef Vincenzo Basile nicht auf sich sitzen. Er berichtet von Betriebsversammlungen am Montag für Früh- und Spätschicht. Dabei wurde der Belegschaft der Plan des Betriebsrats aufgezeigt, mit dem er in die Sondierungsgespräche gehen will. „Die Kolleginnen und Kollegen zeigten große Unterstützung für das von IG Metall und Betriebsrat ausgearbeitete Zukunftskonzept für den Standort Bietigheim“, sagt Basile.

Aber bei der Belegschaft sei auch erneut die Wut über die Vorgehensweise des Bereichsvorstands deutlich sichtbar gewesen. Viele Mitarbeiter hätten ihrem Ärger in Redebeiträgen Luft gemacht und erklärt, dass sie mittlerweile den Eindruck hätten, dass der Arbeitgeber nie an einer Zukunftsperspektive für den Standort Bietigheim interessiert war. Es scheine ihm einzig darum zu gehen, die Bosch-AS-Standorte in Deutschland „plattzumachen“ und in (vermeintliche) „Billigländer“ wie Ungarn zu verlagern.

Ein Vertreter der Geschäftsführung und der Werkleiter seien auch bei den Versammlungen vor Ort gewesen. Laut Basile haben diese das Konzept des Betriebsrats nicht kommentieren wollen, da das Konzept noch geprüft werden müsse und Details beim Sondierungsgespräch am Mittwoch herausgefiltert werden könnten. „Umso überraschender war, dass man sich gegenüber der Presse bereits zu dem von uns erarbeiteten Zukunftskonzept detailliert geäußert hat“, so Basile weiter.

„Vorstand fehlte Mut“

Der Betriebsratsvorsitzende bezichtigte die Geschäftsführung in der Betriebsversammlung, nicht den Mut gehabt zu haben, sich zum Konzept zu äußern. „Der Bereichsvorstand  war von Anfang an nicht fair und hat sich nicht an gesetzliche Bestimmungen gehalten“, so Basile weiter. So habe man den Betriebsrat nicht über die geplante Betriebsänderung unterrichtet, bevor die Geschäftsführung darüber entschied. Das ist laut Basile sogar eine Ordnungswidrigkeit. Noch vor dem Start der Sondierungsgespräche am Mittwoch teilte Basile am Dienstagabend mit, dass sich nun die Frage stelle, ob sich die Geschäftsführung nicht schon festgelegt habe und sich überhaupt noch auf Verhandlungen zum „Ob“ der Produktionsstillegungen einlassen kann. Bis Dienstag sei dem Betriebsrat auch noch kein Konzept der Arbeitgeberseite präsentiert worden.

„Die Behauptung, dass viele AS-Mitarbeiter nicht flexibel genug seien und es deshalb nicht zu Vermittlungen in andere Betriebe kam, ist eine Frechheit“, sagt Basile. Bosch AS versuche Mitarbeiter an Unternehmen zu vermitteln, die deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen bieten und/oder weit entfernt liegen.

 

So reagiert Bosch auf die Vorwürfe:

Achim Ottenstein, Werkleiter für Bosch AS in Bietigheim, erklärt auf BZ-Anfrage, dass man die Themen Ausbildung und Fahrradproduktion kommentiert habe, über die schon berichtet worden war: „Die konkreten Inhalte des Betriebsratskonzepts werden wir im Rahmen der gemeinsamen Verhandlungen im Detail diskutieren.“ Man habe bei der Betriebsversammlung am Montag wiederholt erläutert, warum das Unternehmen zur Einstellung der Produktion keine Alternative sehe. „Der Bereichsvorstand hat über lange Zeit Verluste akzeptiert und gemeinsam mit der Werkleitung intensiv nach Alternativen für die Fertigung in Bietigheim gesucht. Auch die Ansiedlung von Produkten anderer Bosch-Geschäftsbereiche wurde mehrfach geprüft. Die Versuche haben zu keinem positiven Ergebnis geführt“, erklärt Ottenstein. Dennoch sei man gesprächsbereit und offen für die Ansätze des Betriebsrats.

Ein eigenes Konzept werde man bei den Sondierungsgesprächen vorstellen. Zur Stellenvermittlung sagt Ottenstein, dass die Personalabteilungen offene Stellen etwa in Waiblingen oder Feuerbach angeboten habe. Außerdem verdienten einige Mitarbeiter bei Bosch in Bietigheim teilweise deutlich über Branchendurchschnitt. Bosch biete sogar an, die Mindereinnahmen eine Zeitlang zu kompensieren. ⇥fr

 
 
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