Prozess um die Sprengung von Geldautomaten in Besigheim „Ich habe mich überreden lassen“

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Die Sparkassen-Filiale in Erligheim am Tag nach der Sprengung.⇥ Foto: Jürgen Kunz

Im Prozess um die Sprengung von Geldautomaten schildert der überlebende Angeklagte seine Version der Tat.

Er sei zur Mittäterschaft überredet worden und keineswegs Mitglied einer bundesweit agierenden osteuropäischen Bande – so hat der 29 Jahre alte Angeklagte im Prozess um die Sprengung von Geldautomaten am Montag vor dem Landgericht Heilbronn seinen Anteil am Geschehen vergangenen Herbst dargestellt. Der Anklage zufolge hat der Mann gemeinsam mit einem 58 Jahre alten Komplizen, nach dem Ermittler im Zusammenhang mit weiteren Sprengungen von Geldautomaten bereits fahndeten, den Geldautomaten der Kreissparkasse in Ottmarsheim mit einem explosiven Gasgemisch in die Luft gejagt. Bei einem weiteren Sprengungsversuch in Erligheim wurde der 58-Jährige von einem Polizisten angeschossen und erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen.

Lose Bekanntschaft mit einem der Täter

Garniert mit vielen Details gab der in wenigen Tage 30 Jahre alt werdende Mann aus Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen seine Version des Geschehens bekannt. Danach hat er mit der Tat in Ottmarsheim in der Nacht vom 20. Oktober 2020 überhaupt nichts zu tun. Er habe an diesem Wochenende seine Verlobte in Baden-Württemberg besucht. Lediglich eine lose Geschäftsbeziehung will der Angeklagte mit dem älteren Täter seit Sommer 2019 gehabt haben: Er verkaufte ihm einen Passat, danach meldete sich der Mann etwa alle zwei bis drei Monate, um Schrottautos zu kaufen oder habe ihm Autoteile aus Litauen geschickt.

Am Vortag der Tat in Erligheim im November 2020 habe sich der aus Litauen stammende Mann wieder einmal gemeldet und angeboten, ihn bei der Verlobten mit seinem Auto abzuholen und ihm die Bahnfahrt zurück nach Hause zu ersparen. Da habe er zum ersten Mal erfahren, „dass seine Teile von geklauten Autos stammten.“

Zur Tat erpresst

Der 58-Jährige soll ihn aufgefordert haben, beim Diebstahl eines Wagens Schmiere zu stehen. „Ich war so blöd, mich überreden zu lassen.“ Im Gegenzug sollte er einen Motor bekommen. In der Dämmerung sei der ältere Täter in einer nahe gelegenen Werkstatt eingebrochen und erst nach 15 bis 20 Minuten mit mehreren Autoschlüsseln und Bargeld zurückgekehrt. Ein VW-Transporter auf dem Gelände ließ sich so öffnen, die Männer fuhren in Richtung der Bankfiliale davon. Erst da will der 29-Jährige verstanden haben, dass die Sache noch nicht zu Ende war: „Wir sind in Streit geraten, ich wollte das nicht, doch er drohte mir mit einem Schraubenzieher, ich wisse jetzt zu viel und müsse mitmachen.“

An der Bankfiliale stand der Jüngere erneut Schmiere, während der Ältere mit einem Kabel in der Bank verschwand. „Keine Minute später kam das MEK, ich hörte Schüsse, flüchtete zunächst über eine Mauer und ließ mich dann aber festnehmen.“ Über mögliche weitere Mittäter wollte der Angeklagte aus Angst vor Repressalien keine Aussage im Gerichtssaal machen. Am Nachmittag hörten die Prozessbeteiligten mehrere Zeugen, die Beobachtungen im Umfeld der ersten Tat gemacht hatten. Keiner von Ihnen erkannte den Angeklagten als Beteiligten.

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