Abenteuer“ und „Fußball“ sind die beiden Worte, die im Musical „Abenteuerland“ am häufigsten vorkommen, zwischen den 30 Pur-Songs, die den Rahmen der Inszenierung bilden. 400.000 Besucher sahen das Musical bisher. 17 Monate wurde es in Düsseldorf aufgeführt, seit Anfang des Jahres ist es aufgrund der hohen Nachfrage auf Tournee. Mannheim, München, Bremen und Berlin waren die Stationen. Basel, Dortmund, Oberhausen und Hannover folgen.
Pur-Musical in Stuttgart Viele Abenteuer im Abenteuerland
Das Musical mit 30 Songs von Pur feierte im Theaterhaus in Anwesenheit der Musiker um Hartmut Engler umjubelte Stuttgart-Premiere.
Nun ist das Ensemble in der schwäbischen Heimat der Bietigheim-Bissinger Band Pur angekommen. Seit Donnerstagabend wird es im Stuttgarter Theaterhaus aufgeführt – 90 Prozent der Karten sind laut Veranstalter schon weg.
Musical erweitert den bisherigen Pur-Kosmos
„Stuttgart, das war ein Wunsch von uns, wir wollten, dass das Musical auch hier gezeigt wird“, sagte Pur-Sänger Hartmut Engler bei der Premiere, die er mit seinen Bandkollegen Cherry Gehring, Matthias Ulmer, Rudi Buttas und Frank Dapper besuchte. Er sei „immens stolz“ darauf, dass „unsere Songs mit einem Musical geehrt werden und den Pur-Kosmos erweitern“.
Er freue sich sehr, dass er nun das Musical des Öfteren sehen könne und nicht mehr so weit fahren müsse. In Düsseldorf sei er bei elf Vorstellungen gewesen. Die Band ist derzeit mitten in der Arbeit zu einem neuen Album, „mit dem wir in Verzug sind“, so Engler. Das Album erscheint nicht schon im Sommer wie geplant, sondern erst kurz vor dem Start der Tour im Herbst. Für die Band sind während der gesamten Aufführungszeit laut Engler mehrere Sitze reserviert, sodass sie jederzeit kommen könnten.
30 Songs haben es ins Musical geschafft, fast alle aus der Hochzeit der Band: „Abenteuerland“, „Seiltänzertraum“, „Lena“, „Ein graues Haar“, „Ich lieb dich“ sind darunter. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Familie Schirmer, die am Alltag scheitert oder an ihren Träumen zweifelt, bis es zum Drama kommt. Ob Themen wie Suizid in ein Musical gehören, ist fraglich. Dass zum Schluss ein homosexuelles Paar den Klischeereigen erweitern muss – unnötig. Im zweiten Teil des Musicals nehmen die Klischees leider zu. Aber die Zuschauer honorierten genau dies mit Zwischenapplaus und somit haben die Autoren des Musicals alles richtig gemacht.
Anspielungen auf die Bandbiografie
Um die Verbindung vom Musical zu Pur noch enger zu knüpfen, wurden Anspielungen auf die Bandbiografie eingearbeitet: Es findet ein Bandwettbewerb statt, den der Schirmer-Sohn und seine Schülerband „Crusade“ (so hieß Pur bei der Gründung 1975) in der Bar „Opus“ (Name von Pur 1980 bis 1985) gewinnen wollen. Auch Pur begann als Schülerband und wurde 1986 Bundesrocksieger. Witzige Einsprengsel wie der in eine Bank eingeritzte Schriftzug „PUR“, der an das junge verliebte Paar Petra und Robert Schirmer erinnert.
Neben den Abenteuern – hier ein Abenteuer, da ein Abenteuer – nimmt auch der Fußball eine bemerkenswerte Rolle ein, und den bringt Oma Schirmers neuer Galan in die Handlung. Die Premierengäste Hansi Müller und Guido Buchwald, ehemalige Fußballer, hat dies sehr gefreut, wie sie sagten. Bei den Schirmers sieht es aus, „wie der Rasen auf Schalke 2001“ und der VfB ist der Verein der Wahl auf der Theaterhaus-Bühne. Das freute auch den Landrat des Kreises Ludwigsburg und VfB-Präsidenten Dietmar Allgaier. „Ich bin aber eigentlich als ein stolzer Landrat gekommen und als Pur-Fan“, sagt er. Als er zum VfB-Präsidenten ernannt wurde, sei im Hintergrund „Abenteuerland“ gelaufen.
Die Pur-Songs wurden schlau in das Gesamtkonzept integriert, Textänderungen geben einen Sinn und wurden von Hartmut Engler abgesegnet, wie er erzählte. Jeder Sänger aus dem Hauptcast hat eine gesangliche Sternstunde. Dass statt Engler eine ältere Frau (Regina Venus als Oma Lena) oder ein ganzes Ensemble seine Hits singt, ist eine neue Erfahrung, die durchaus hörenswert ist. „Es war für mich nie komisch, dass hier andere Sänger meine Songs singen, das macht das Ganze zu einem eigenständigen Kunstwerk“, so Engler. Das Musical wird nie langweilig, ist unterhaltsam und lebt von einer schlauen Inszenierung, einer lebhaften Choreografie und einem reduzierten, aber wandelbaren Bühnenbild. Pur und das gesamte Ensemble wurden am Ende mit Standing Ovations bejubelt.
