Racing-Day im Krummbachtal Freiwillige Feuerwehr rettet das Mofarennen

Von Torsten Schöll
Es geht über eine Holzrampe, durch haarnadelenge Kurven und abschüssiges Gelände. Foto: Simon Granville/Simon Granville

Beim achten Stuttgarter Mofarennen gehen rund 140 Fahrer auf die Strecke gegangen – und haben mit Kreidler, Zündapp und Co den Abgasduft vergangener Tage verströmt.

Nervös drehen die Fahrer am Gashebel. Der Bürgermeister hebt die schwarze-weiße Rennflagge. Die Zuschauer rund um die Strecke halten den Atem an. Gut möglich, dass das nicht nur an der Spannung vor dem Startschuss liegt, sondern auch an den blauen Wolken, die die knatternden Zweitakter aus ihren Auspuffen blasen. Es ist wieder Racing-Day im Krummbachtal. Wenn die betagten Mofas auf die Strecke gehen, liegt der Duft vergangener Tage in der Luft.

Mofas sind älter als die Fahrer

Keines der am Samstag beim achten Stuttgarter Mofarennen startendenden Töffs ist jünger als 30 Jahre, die meisten deutlich älter als die Fahrer, die auf ihnen sitzen. 2,5 PS in der Original-Klasse, bis zu 5 PS in der sogenannten Tuning Lite Klasse. 50 Kubik ist bei allen Mofas ohnehin die Obergrenze. Bauartbedingt bringen es straßenzugelassene Motor-Fahrräder, wie Mofas eigentlich heißen, auf 25 Stundenkilometer. Getunt darf es einen Zacken schneller sein.

Wenn im Krummbachtal einmal im Jahr die Mofas über den Parcours auf der Wiese hinter der gleichnamigen Waldgaststätte flitzen, ist so viel Tempo gerade richtig. Ein paar haarnadelenge Kurven, eine Holzrampe und eine leicht abschüssige Gerade vor der Wechselzone reichen aus, um manchen Biker aus den Pedalen zu heben. Zumal es beim Gerangel auf der engen Strecke mitunter ruppig zugehen kann.

Die Gaudi gibt es seit 2015

Jede Klasse fährt zwei Rennen über je eine Stunde. Ein Team besteht aus zwei bis vier Fahrern und immer derselben Maschine. Seit 2015 gibt es die Gaudi, inklusive Pandemiepausen, zum achten Mal. Seit ein paar Jahren findet das Stuttgarter Mofarennen im Krummbachtal statt – auswärts, auf Gerlinger Gemarkung.

Weshalb es sich Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer auch nicht nehmen lässt, trotz Wahlvorbereitungsstress beim ersten Rennen die Startflagge zu wedeln. Er freue sich ungemein, sagt der Schultes, dass das Stuttgarter Mofarennen in Gerlingen steige. Das Event zieht reichlich Besucher ins Krummbachtal. Waldparkplätze und die Straße durchs Tal sind am Samstag komplett zugeparkt, der Ausweichparkplatz an der Bosch-Zentrale wird mit einem Shuttlebus angefahren.

Dass das Mofarennen nach den Starkregentagen der vergangenen Woche überhaupt starten konnte, sei der Freiwilligen Feuerwehr aus Gerlingen zu verdanken, sagt Mitorganisator Michael Stümpflen. Und Oestringer berichtet, dass die Einsatzkräfte am vergangenen Regen-Sonntag rund eine Million Liter Wasser aus dem Tal gepumpt hatten, um Gaststätten, Sportanlagen und die Rennwiese zu retten.

Nostalgie pur

Der erfreuliche Nebeneffekt: Am Samstag war die Strecke dank des nicht ganz trockenen Bodens für die Mofafahrer griffig wie nie. So sagen jedenfalls Kevin Jeremias und Patrick Schödl vom Team Glemsracer aus Leonberg. Die zwei starten als Team 14 in der Tuning-Klasse und rechnen sich gewisse Chancen aus. Die Schrauber gehen mit einer „aufgemotzten Honda PXR“ an den Start. „Wir fahren immer nur hier“, erzählt Jeremias. „Das ist unser Heimrennen.“

Mehr als 40 Teams und rund 140 Fahrer aus ganz Süddeutschland haben sich in diesem Jahr angemeldet. Geboren wurde das Stuttgarter Mofa-Rennen einst aus einer Bierlaune, als die heutigen Organisatoren sich bei einer Hochzeit wehmütig an ihre eigene Mofa-Erlebnisse zurückerinnerten. Nostalgie pur also.

Und so feiern Kreidler, Zündapp, Hercules, die legendären Marken vergangener Tage, im Krummbachtal fröhliche Urständ. So wie beim Team Tennis-Racer aus Leonberg, das mit einer Kreidler MF2, Baujahr 1972 auf den Kurs geht. „Wartung und gute Pflege“, beschreibt der Fahrer, kurz bevor er in der Startzone verschwindet, das Geheimnis eines langen Mofa-Lebens.

Zwar steht beim Stuttgarter Mofarennen der Spaß an erster Stelle. Sieger gibt es aber natürlich trotzdem: Bei den Original-Maschinen war das Team AR Racing Enztal nicht zu schlagen. Die Tuning-Wertung gewann Vorjahressieger Boratech Racing. Die Lokalmatadoren Glemsracer knatterten auf den dritten Platz.

 
 
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