Im Verfahren um ein illegales Autorennen in Ludwigsburg wurden am Freitag am Landgericht Stuttgart weitere Zeugen gehört, die unmittelbar vor dem Zusammenprall die Raser beobachtet hatten. Nach dem Unfall dachten einige zunächst, diese hätten sich touchiert und seien untereinander kollidiert.
Raser-Prozess „Bis heute habe ich ein beklemmendes Gefühl“
Vor dem Landgericht Stuttgart werden weitere Zeugen des Autorennens in Ludwigsburg angehört.
„Das kam aus dem Nichts“
„Das kam aus dem Nichts“, einer hörte „infernalischen Lärm“, eine andere spürte im eigenen Wagen „eine Druckwelle“, so beschrieben unbeteiligte Verkehrsteilnehmer ihre Eindrücke, als sie am Abend des 20. März 2025 plötzlich von zwei dunklen Sportwagen rasend schnell überholt wurden. Einige von ihnen erstatteten Anzeige, weil sie auf das Autorennen hinweisen wollten.
Zwei Brüder und ihr jüngerer Cousin rasten an diesem Abend mit ihren PS-starken Mercedes durch Ludwigsburg, bis einer ein Fahrzeug erfasste, das gerade aus einer Tankstelle fuhr. Die beiden Insassinnen hatten keine Chance: Die zwei Freundinnen im Alter von 22 und 23 Jahren, die nur Zigaretten gekauft hatten und anschließend zusammen essen gehen wollten, starben an der Unfallstelle. Der Unfallverursacher erlitt keine schweren Verletzungen (die BZ berichtete).
In dem Prozess vor der 19. Schwurgerichtskammer will die Staatsanwaltschaft nachweisen, dass dieses Verhalten der 32, 36 und 25 Jahre alten türkischen Staatsangehörigen nicht nur ein illegales Beschleunigungsrennen, sondern auch ein heimtückischer zweifacher Mord war. Die beiden Brüder sitzen in Untersuchungshaft, dem Cousin hat die Kammer nun in einem Beschluss den Führerschein entzogen und sein Fahrzeug beschlagnahmt.
„Ich habe mich gefährdet gefühlt“, berichtete eine 47 Jahre alte Frau im Gerichtssaal. Sie war unmittelbar vor dem Unfall von den beiden Mercedes „ziemlich rasant rechts überholt“ worden. Einer scherte direkt vor ihr ein, der andere stellte sich neben ihn. Die beiden fuhren los, die Frau blieb angesichts des gelben Signals stehen. Als sie weiterfuhr, rollte sie direkt auf den Unfallort zu, bei dem sie den querstehenden Mercedes mit ausgelöstem Airbag sah, auf dem Bürgersteig saß ein Mann, den sie für den Fahrer hielt. Erst anderntags habe sie von dem Auto der beiden Frauen aus den Medien erfahren.
Videos werden abgespielt
Immer wieder spielt die Kammer an diesem Tag die beiden Videos ab, die eine mitfahrende Freundin gedreht hatte, um Schilderungen der Zeugen mit dem Gesehenen abzugleichen. „Es tut mir leid, wir brauchen die Videos“, wandte sich der Vorsitzende Richter Norbert Winkelmann an die Angehörigen im Gerichtssaal, es gebe nun mal keine Einlassung der Angeklagten. Auf seine Frage an die Verteidiger des Unfallverursachers, ob und wann eine Erklärung ihres Mandanten komme, bekam er die Antwort. „Erst, nachdem wir den Sachverständigen gehört haben.“
Ganz eindeutig empfand eine weitere Autofahrerin an diesem Abend das Ganze als ein Autorennen. Von rechts kamen die beiden Sportwagen unmittelbar hintereinander „angeschossen“, worauf es in ihrem Fahrzeug „eine leichte Druckwelle gab, wie sonst auf der Autobahn, wenn jemand mit über 100 Stundenkilometer vorbeifährt“. Sicherheitshalber ließ sie einen Abstand. Auch die 57 Jahre alte Beamtin dachte beim Anblick des Unfalls zunächst an eine Kollision der beiden Raser. „Bis heute habe ich ein beklemmendes Gefühl an dieser Stelle auf dem Heimweg.“ Petra Häussermann
