Rathaushof-Fest Ausgelassene Stimmung in Bietigheim

Von Helga Spannhake
Das Stadtorchester spielte wegen der Urlaubszeit in kleinerer Besetzung, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Foto: /Oliver Bürkle

Das Stadtorchester Bietigheim hat am Wochenende zu ihrem traditionellen Fest geladen. Nach zwei Jahren Corona-Pause kamen viele Gäste und genossen das kurzweilige Programm.

Seit 1997 findet das Traditionsfest des Stadtorchesters Bietigheim statt. Aufgrund der Corona-Maßnahmen mussten die Musiker zwei Jahre lang pausieren, aber nun ging es am Wochenende wieder los: Ein gemütliches Fest mit unterhaltsamer Musik, leckerem Essen sowie guten Gesprächen.

Zahlreiche Bierbänke luden im Rathausinnenhof zum Verweilen ein, die Sonne strahlte ebenso wie die Musikerinnen und Musiker des Stadtorchesters Bietigheim. Endlich konnten sie sich mit ihrem Festle wieder ins Gespräch bringen: „Es gibt uns noch und man kann bei uns mitspielen“, erklärte die 2. Vorsitzende des Musikvereins Sylvia Kaller. Die Coronazeit war schwierig, hat Opfer gefordert. Zwar konnte das Blasorchester teilweise im Freien üben und somit doch alle miteinander im Kontakt bleiben, aber einige ältere Mitglieder hörten auf, neue sind bisher nicht nachgerückt.

Truppe mit gutem Ton

Früher, so erinnerte sich Sylvia Kaller, war das ein Familiending. Der Vater spielte mit und die Kinder fingen dann auch automatisch beim Stadtorchester an. Sie selbst ist nach ihrer Ausbildung in Bietigheim hängengeblieben, verstärkt seit 1988 das Blasorchester mit ihrer Klarinette und verweist auf die Bierdeckel, die auf allen Tischen ausliegen. Darauf wirbt das Stadtorchester: „Komm zu uns! Aufgeschlossene Truppe mit gutem Ton sucht Liebhaberin oder Liebhaber“, denn Verstärkung wird dringend gebraucht.

Beim zweitägigen Rathaushof-Fest spielten verschiedene befreundete Musikergruppen wie die Musikvereine Löchgau und Walheim. Mit von der Partie war auch die Akkordeonvereinigung Bietigheim und abends sorgte die Band „inTeam“ mit Cover-Songs aus den 1980ern bis heute für beste Stimmung.

Kurzweiliges Programm

Mit einem dreistündigen kurzweiligen Musikprogramm eröffnete das Stadtorchester Bietigheim ihre diesjährigen Musiktage. Schwungvoll und inhaltlich passend ging es mit dem beliebten Marsch „Auf zum Start“ los, gefolgt von einem Abba-Medley. Die Bierbänke füllten sich nach und nach, während das Stadtorchester Costa Cordalis’ Kulthit der 1970er Jahre „Anita“ wuchtig heiter interpretierte, um anschließend mit James Last Golden Hits die Zuhörenden zu begeistern: „Wir haben unsere graue Mappe aus der gespielt wird“, verriet der 1. Vorsitzende Markus Hoffmann, denn gute konzertante Blasmusik erkennt man an einem gelungenen Stilmix aus allseits beliebten Songs und bekannten Themen. Sogar auf Zuhörerwünsche ging das Stadtorchester ein und wiederholte für eine, beim ersten Mal verhinderte Zuhörerin die Polka „Böhmischer Traum“, die auch gern mal als Nationalhymne der Blasmusiker bezeichnet wird.

Gespielt wurde mit einer kleineren Besetzung, die der Urlaubszeit geschuldet war, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Mitreißend interpretierten die siebzehn Musikerinnen und Musiker mit ihrem Dirigenten Peter Teufel Klassiker der Beach Boys ebenso wie Stevie Wonders Top Ten Hit „Sir Duke“ und das Publikum klatschte immer leidenschaftlicher.

Der Spaß war beiden Seiten deutlich anzusehen und Saxofonistin Diana Dapper kommentierte heiter das Fehlen eines Musikers für das nächste Stück. Sie ist schon seit dreißig Jahren beim Musikverein dabei und es macht ihr einfach Spaß: „Ich finde den Zusammenhalt cool“.

Neben dem musikalischen Genuss kam der kulinarische nicht zu kurz. Zum zweiten Mal hatte das Stadtorchester die Bewirtung in fremde, aber bewährte Hände gelegt: Im Foodtruck der Firma Motz aus Möglingen wurden Flammkuchen, Salate, Fleischbrötchen und Pommes Frites zubereitet. Kühle Getränke und eine gut gefüllte Kuchentheke rundeten das köstliche Angebot ab.

Gastdirigent und junge Bläser

Peter Teufel fungierte im Rathausinnenhof als Gastdirigent, aber seine eigenen Schüler durften am Sonntag auch zeigen, was sie auf ihren Blasinstrumenten konnten. Es gab Auftritte des Vor- und Aufbauorchesters der Musikschule ebenso wie der Bläserklassen 3 und 4 der Hillerschule. Gerade die Viertklässler hat Corona erwischt. Zwar erhielten sie online Einzelunterricht, aber die Auftritte fielen aus: „So ohne Auftritt weiß man gar nicht wofür man übt“, seufzte Peter Teufel und daher mussten die jungen Blasmusikerinnen und Musiker das Zusammenspiel erst wieder neu erlernen.

Im vergangenen Jahr feierte das Stadtorchester Bietigheim sein 100-jähriges Jubiläum. Aufgrund von Corona mussten fast sämtliche Feierlichkeiten ausfallen. Daher freuten sich die Vereinsmitglieder umso mehr, dass sie nun ihr Rathaushof-Fest mit vielen Gästen im Rathausinnenhof ausgelassen feiern konnten.

 
 
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