Kreis Ludwigsburg Räuchern zwischen den Jahren

Von Bigna Fink
Vor dem Bietigheimer Hornmoldhaus hat Museumspädagogin Hildegard Schnetz-Frangen (rechts) Räucherutensilien aufgebaut, links Museumsmitarbeiterin Susi Kiraly Foto: Martin Kalb

Die Raunächte von Weihnachten bis 6. Januar nutzen viele Menschen zur inneren Einkehr. Es gibt einige Angebote im Kreis Ludwigsburg und alte Rituale dieser Tage neu zu entdecken.

Die Zeit zwischen den Jahren ist wie eine geschenkte Zeit“, sagt Hildegard Schnetz-Frangen. Sie bietet zu den sogenannten Raunächten Führungen im Bietigheimer Stadtmuseum Hornmoldhaus an. Die rund zwölf Tage und Nächte zwischen Weihnachten – oder auch schon ab dem 21. Dezember, je nach Definition – und dem Dreikönigstag am 6. Januar werden seit Jahrtausenden von Menschen besonders zelebriert.

Der Ursprung der Raunächte sei die Differenz zwischen dem Mond- (354 Tage) und dem Sonnenkalender (365 Tage), erklärt die Museumspädagogin aus Asperg. Und diese zwölf quasi zusätzlichen Tage in Anbetracht des Mondzykluses seien wie eine „Zeit außerhalb der Zeit“, so Schnetz-Frangen.

Rituale aus der Alpenregion

Um die Raunächte – auch die ältere Schreibweise „ Rauhnächte“ ist geläufig – ranken sich allerlei Geschichten, Rituale und Bräuche. Im Zuge des Achtsamkeitstrends gibt es viele Yogastudios, Heilpraktiker, Coaches, auch im Kreis Ludwigsburg, die die Raunächte und ihre Mystik neu aufgreifen. Methoden wie das Meditieren, das Schreiben und das Räuchern sollen Besinnung, Einkehr und Reflexion unterstützen, um Klarheit und neue Ziele für das kommende Jahr zu schaffen. Dazu gehört etwa der Brauch, 13 Wünsche für das kommende Jahr auf Zettel zu schreiben und Abend für Abend zu verbrennen, bis in der 13. Nacht der letzte Wunsch übrig bleibt, der die persönliche Aufgabe für das neue Jahr werden soll.

„Bräuche der Raunächte gab es schon bei den Kelten“, erzählt Schnetz-Frangen und „wurden während der Christianisierung in unserer Kultur aufgenommen.“ Dazu gehörten auch die Sternsinger, die um den Dreikönigstag von Haus zu Haus ziehen, und die Raunächte mit Licht und Segen abschließen. Ein alter Volksglaube verbiete es, Wäsche während der Raunächte waschen. „Dieses Verbot rührte historisch daher, dass Hausfrauen sehr viel zu tun hatten während des Jahres“, sagt Schnetz-Frangen. Der Brauch beruhte vermutlich, so die Aspergerin, auf der Fürsorge, die Hände der Waschfrauen „ auch einmal im Jahr ruhen zu lassen.“

Roland Fischer aus Ensingen geht mit dem Thema Raunächte, sagt er, „weniger mystisch, sondern sehr pragmatisch und holzbezogen“ um. Er ist Führer im Naturpark Stromberg-Heuchelberg und leitet seit vier Jahren zum Ende der Raunächte eine Wanderung ab Vaihingen-Ensingen an.

Er möchte nicht zu viel verraten, was er Informatives über die Raunächte bei der rund zweistündigen Tour erzählt. Ein paar Fakten lässt er dennoch ans Licht: Nämlich, dass „die ganze Raunachtgeschichte aus dem Alpenländischen kommt“, wo die Einsamkeit groß war in den zersiedelten Höfen. In Deutschland sei die Vereinzelung der Höfe vor allem im Allgäu ausgeprägt gewesen. Die Menschen hätten sich in diesen dunklen, langen Nächten besucht und Rituale praktiziert, etwa vor Weihnachten eine hölzerne Figur der schwangeren Maria von Hof zu Hof gereicht.

Das Räuchern in den Räumen sei vor allem dafür gewesen, mittels der ätherischen Düfte von Fichte, Kiefer, Tanne die Viren auszutragen. „Die Leute lebten damals auf engstem Raum. Eine ansteckende Krankheit befiel gleich die ganze Familie“, erklärt Fischer.

Wanderungen und Kurse

Einige Yogalehrerinnen, Heilpraktikerinnen und Coaches aus der Region bieten kostenpflichtige, zum Teil sehr spirituelle Online-Kurse für die Raunächte an, etwa aus Bietigheim-Bissingen die Studios Wundervoll, Be You tiful Yoga oder Familiencoach Stefanie Baum.

Vor Ort finden folgende Veranstaltungen in den Raunächten statt: Am Samstag, 27. Dezember, gibt es um 15 Uhr eine Raunächte-Führung im Bietigheimer Stadtmuseum Hornmoldhaus von Hildegard Schnetz-Frangen über „Geschichten und alte Rituale in diesen geheimnisvollen Tagen“. Die Veranstaltung kostet zehn Euro, Anmeldungen per E-Mail an Hildegard Schnetz-Frangen: miteinander@webwerk-leben.de oder per Anruf im Hornmoldhaus: (07142) 7 43 52.

Geführte Raunachtwanderung

Naturparkführer Roland Fischer bietet am 6. Januar zum Ende dieser besonderen Tage eine „geführte Raunachtwanderung rund um Ensingen“ an. Treffpunkt ist um 16 Uhr an der Scheunenanlage beim Schützenhaus. Die Teilnahme kostet für Erwachsene zehn Euro, für Kinder nichts. Anmeldung unter (07042) 2 29 50 oder per E-Mail an fischerontour@gmx.de. Die Raunächtewanderungen der Löchgauer Naturparkführerin Ute Schoch ab Bönnigheim sind ausgebucht.

Im Haus Edit Stein in Ludwigsburg leitet am 6. Januar Natur-Coach Sabina Braner aus Ditzingen einen Workshop von 16 bis 18.15 Uhr, der sich dem 13. Wunsch der Raunächte widmet. Der Kurs kostet 25 Euro, Anmeldung online unter www.keb-ludwigsburg.de.

Märchenwanderungen während der Raunächte im nördlichen Landkreis

Stefanie Keller aus Metterzimmern bietet seit acht Jahren Raunachts-Märchen-Wanderungen in der Dämmerung an. Die ausgebildete Märchenerzählerin berichtet dabei über Bräuche und Riten der langen Nächte und verabschiedet mit den Teilnehmenden mit kleinen Ritualen das alte Jahr und heißt das neue willkommen.

Die Tour mit Laterne dauert etwa 2,5 bis drei Stunden und kostet für Erwachsene 15, für Kinder acht Euro. Unter anderem an folgenden Daten und Orten bietet die Künstlerin die Raunachts-Märchen-Wanderung jeweils mit Beginn um 15 Uhr an: Am 28. Dezember startet die Tour am Waldfestplatz im Pleidelsheimer Wäldle. Am 29. Dezember beginnt die Wanderung am Parkplatz beim Bissinger Häckselplatz. Für die Tour am 3. Januar ist der Treffpunkt in Bönnigheim am GHSV-Vereinsheim.

Anmeldung per E-Mail an wortzauberin@gmx.de oder per Anruf: 0152-54136830. Mehr Infos gibt es auf www.wortzauber.org.

 
 
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