Es gab drei Möglichkeiten für die Kirbachschule Hohenhaslach nach Auslaufen der Werkrealschule zum Schuljahr 2026/27, sagt Schulleiter Rainer Graef: Ein Verbund mit der Eichwaldrealschule in Großsachsenheim sei die eine Möglichkeit gewesen, eine eigenständige Gemeinschaftsschule die zweite, die Kirbachschule zur Realschule für das Kirbachtal die dritte Möglichkeit.
Realschule Hohenhaslach Vom Auslaufmodell zur Vorzeigeschule
Die Kirbachschule in Hohenhaslach, eine Werkrealschule, geht zum Schuljahr 2026/27 als Realschule an den Start.
„Wir fragten uns, was passt vom Konzept besser zu uns, mit welchem Modell kann unsere Schule ihre Besonderheiten fortführen“, so Graef. Nach langen Gesprächen des Lehrerkollegiums, mit der Stadtverwaltung, dem Staatlichen Schulamt Ludwigsburg und dem Regierungspräsidium Stuttgart stand fest: Die Kirbachschule startet im September 2026 mit der ersten fünften Klasse in eine Realschule. Alle bisherigen Schüler der Werkrealschule werden zum Haupt- oder Werkrealabschluss geführt.
Es wurde ein Team um Schulleiter Graef mit der Konrektorin Birgit Laterell und den Lehrern Anna Höing sowie Giacomo Rockenfeller gebildet, die sich um ein Konzept zur Einführung der Realschule kümmerten – „immer in Absprache mit dem gesamten Kollegium, denn die Lehrer sind vor allem gefordert“, so Graef. Denn schon jetzt müssen Lehrer und Lehrerinnen Fortbildungen absolvieren, um den Unterricht auf dem Niveau der Realschule unterrichten zu können. „Wir waren besorgt, wie die Kollegen reagieren, aber plötzlich schlug die Endzeitstimmung wegen des Auslaufens der Werkrealschule in Zuversicht, Engagement und Vorfreude um“, sagt Graef. Alle Kollegen seien übermotiviert, steuerten Ideen zu einem Konzept bei, das, so Graef, die Schule zu einem Alleinstellungsmerkmal im Kirbachtal machen soll.
Frontalunterricht und Klassenverbände sind förderlich
Die Entscheidung für eine Realschule sei die bisherige Erfahrung, dass an die Kirbachschule ein großen Spektrum an Kindern komme, die man alle „mitnehmen will“. Bei unterschiedlichen Schülern sei Frontalunterricht an der Schule und feste Klassenverbände wie an einer Realschule förderlicher. „Aber wir nehmen auch Elemente der Gemeinschaftsschule auf, um individuelles Coaching, Betreuung und Förderung zu bieten“, sagt Rockenfeller.
„Realschule kann man richtig gut machen und alle Kinder mitnehmen“, sagt Rockenfeller. „Oft unterstellt man der Realschule, eine ‚Resteschule’ zu sein und wenn dem so ist, nehmen wir das gerne an, auch die Reste sind oft gut“, sagt Graef. Es soll der Schulstandort Kirbachtal gestärkt werden, „nicht nur das, wir wollen eine besondere Schule werden, was wir jetzt auch schon sind, eine Leuchtturmschule“, sagt Graef. Man wisse genau aus der Erfahrung, „wie es mit Schülern ist, die sonst aufgegeben werden“, so Graef.
Konrektorin Laterell betont die naturnahe Umgebung der Schule, die es ermögliche, dass Sport und Bewegung ein Schwerpunkt seien. „Wir sind eine familiäre Schule, die sich als Lebensraum versteht“, so Laterell.
Wenn die Realschule an den Start geht, dann wird es zwei Niveaustufen, G und M, geben. Ab Klasse 5 soll die Berufsorientierung starten. Der feste Klassenverband sorge für Vertrauen und Bindung sowie feste Ansprechpartner zusammen mit der schuleigenen Sozialarbeit. Neu wird sein, dass es immer am Montagmorgen eine Einheit Weltwissen und Demokratie geben wird, in dem tagesaktuelle Nachrichten verarbeitet wird. Die Demokratiebildung soll im Unterricht fest verankert werden. Im Stundenplan sind Wiederholungen des Basiswissens Mathematik und Deutsch fest verankert. Ein Element aus der Gemeinschaftsschule ist das individuelle, alleinige Lernen, auch diesem soll Raum gegeben werden.
Natürlich, so Graef, wird sich auch rein räumlich einiges ändern. 2027 soll der Um- und Anbau der Schule beginnen. Dazu werden die Hausmeisterwohnung und die Garagen abgerissen, an ihre Stelle kommt eine neue Grundschule mit Mensa. Das alte Schulgebäude wird saniert und vergrößert und Sitz der Realschule, deren Klassen wohl zweizügig sein werden, so Graef.
Ab 2027 wird die Kirbachschule umgebaut
Wichtigster Punkt aber sei die Qualifizierung der Lehrkräfte für die Sekundarstufe und dies erfordere viel Engagement der Kollegen. Viele jüngere Lehrer hätten schon die Zulassung zur Sekundarstufe, die älteren aber nicht. Mit insgesamt 30 Lehrern habe die Kirbachschule eine fast 100-prozentige Ausstattung. „Bei uns fällt fast kein Unterricht aus“, so Laterell.
Das Fragezeichen bleibe beim Niveau der Schüler, sagt Graef. „Wir werden alle fördern, auch durch die pädagogischen Möglichkeiten der Differenzierung, sodass wir jedes Kind auf seinem Niveau abholen können.“ Instrument sei das adaptive Lernen. Dies ist ein digital gestützter, personalisierter Bildungsansatz, der Lerninhalte, Tempo und Methoden an den individuellen Wissensstand, die Bedürfnisse und den Fortschritt des Lernenden anpasst und dadurch Effizienz und Motivation steigert.
„Es macht uns allen Spaß, unsere Schule weiterzuentwickeln und die Jugend der Schüler zu begleiten, wir hoffen, dass auch die künftigen Realschüler Spaß haben“, sagt Schulleiter Rainer Graef.
