Regelbetrieb ab Ende Juni Viel Arbeit für Kitas und Grundschulen im Kreis

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Bald geht der Regelbetrieb an Grundschulen wieder los. Foto: dpa/Monika Solimowska

In gut einer Woche sollen Kindergärten und Grundschulen wieder öffnen. Hygienevorschriften verhindern aber einen Unterricht und eine Betreuung wie vor der Krise. Die Planung für den Neustart verlangt den Verantwortlichen einiges ab.

Kitas und Grundschulen dürfen ab 29. Juni wieder den Regelbetrieb aufnehmen. Die BZ hat im Landkreis bei Schulen und Gemeinden nachgefragt, ob das auch wirklich realistisch ist.

Öffnung für weitere 500 Kinder in Bietigheim-Bissingen

„Die Kitas bereiten sich derzeit auf die Öffnung vor. Es müssen die personellen Verfügbarkeiten geprüft werden. Einige Erzieherinnen können aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Kinderbetreuung eingesetzt werden, insofern bleibt es schwierig, den Betrieb zu 100 Prozent nach früherem Muster zu führen“, sagt Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen. Zudem seien nur Gruppenbetreuungen möglich, ein offenes Konzept kann nicht umgesetzt werden. „Aber es soll ab 29. Juni wieder für alle losgehen. Derzeit werden rund 880 Kinder in der Notbetreuung und im eingeschränkten Regelbetrieb betreut, aber rund 500 Kinder eben leider noch nicht“, so Hochmuth.

Auch an den Grundschulen der Stadt soll es zu diesem Datum losgehen. Ob die Ganztagsbetreuung beziehungsweise bis zu welchem Umfang die Betreuung möglich ist, bleibe noch offen. An der Schillerschule in Bissingen gehört nach Auskunft der Rektorin Alexandra von Ostrowski kein Lehrer zur Risikogruppe, man habe aber andere krankheitsbedingte Ausfälle. Trotzdem werde man vier Zeitstunden Unterricht am Tag anbieten – mit versetzten Ankommenszeiten und ohne klassenübergreifende Aktionen. „Für den Vormittagsunterricht sind die Vorgaben konkret und umsetzbar, für den Ganztagesbetrieb ist es schwierig“, so von Ostrowski. Wegen der Kooperationspartner wäre ein längerer Vorlauf notwendig gewesen, zumal die neuen Vorgaben einen höheren Betreuungsschlüssel erforderten.

„An der Sandschule waren schon bisher alle Lehrer, auch die der Risikogruppen, an der Schule im Einsatz – wenn auch nicht alle im Unterricht mit Schülern. Dies wird auch weiter so sein, allerdings haben wir seit dieser Woche gleich mehrere längerfristige Krankheitsfälle“, erklärt Rektorin Jso Steigelmann. Wie ihre Kollegin freut auch sie sich, dass es am 29. Juni wieder losgeht, gleichzeitig kritisiert sie aber die Vorgaben als teilweise wirklichkeitsfremd. Unter anderem sei ein Problem bei ihnen, dass viele Lehrer nur einen Lehrauftrag zwischen 6 und 18 Stunden hätten, laut den Vorgaben käme ein Lehrer aber auf 20 Stunden. Außerdem kritisiert sie, dass Fachlehrer stets der gleichen Klasse zugewiesen sein sollen.

„Für die Kinder ist das Miteinander in der Schule, die direkten Begegnungen mit Schülern und Lehrkräften, sehr wichtig“, sagt Markus Notz, Leiter Waldschule Bissingen. Er geht auch davon aus, dass man ab dem 29. Juni vier Zeitstunden Unterricht anbieten könne für die Klassen 1 bis 4. Noch seien aber ein paar Detailfragen zu klären, sodass er erst bis Mitte nächster Woche die Stundenpläne erstellen und dann den Familien mitteilen will.

„Wir starten am 29. Juni mit drei Klassenlehrerinnen weniger. Davon zählt eine Lehrperson zur Risikogruppe A“, sagt Dorothee Glage-Saur von der Grundschule im Buch. Auch dort plant man mit vier Zeitstunden Unterricht pro Tag. „Dies ist nur mit teilweiser Mehrarbeit von einzelnen Lehrerinnen zu schaffen und der Zusammenlegung einer Klassenstufe. Es darf niemand krank werden, sonst wissen wir nicht, wie wir den Unterricht vertreten können“, so Glage-Saur

Fast alle Lehrer an Bord in Bönnigheim

„Für die Kinder ist es toll, dass es am 29. Juni wieder losgeht“, sagt Uwe Schäfer. Der Rektor der Bönnigheimer Ganerbenschule erklärt, dass auch an seiner Grundschule der Präsenzunterricht wieder aufgenommen wird. Was sein Kollegium betrifft, so rechnet Schäfer damit, dass er mit fast allen Lehrern beim erneuten Neustart planen kann.

Die Schüler sollen jeden Tag eine feste Anzahl von Unterricht erhalten. Die genaue Zahl wollte Schäfer noch nicht bekanntgeben, das werde erst noch den Eltern mitgeteilt. Die einzelnen Klassen würden dann den ganzen Tag beieinander bleiben und in den Pausen auch von ihrem Lehrer beaufsichtigt. „Herausforderungen stellen die Pausen und das Ankommen dar“, sagt Schäfer. Es gehe dabei darum, dass sich die Klassenverbünde nicht vermischten. „Das ist nicht so leicht bei Erst- und Zweitklässlern“, lacht Schäfer. Neben gestaffelten Anfangszeiten sollen auch die Pausen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Bereichen stattfinden.

Grundsätzlich hat Schäfer Respekt vor der Arbeit im Kultusministerium in Corona-Zeiten. Dennoch hätte er sich gewünscht, dass die aktuellen Regelungen, die die Schulen schon viel Kraft gekostet hätten, noch ein Weile weitergegolten hätten.

Ein Anfrage zu den Planungen bei den städtischen Kindertageseinrichtungen beantwortete das Bönnigheimer Rathaus bis Redaktionsschluss nicht.

In Sachsenheim gilt weiterhin das rollierende System

Die Kinderbetreuung läuft in Sachsenheim nach Angaben der Stadtsprecherin Nicole Raichle ab 29. Juni wieder an. Die städtischen Kindergärten nehmen wieder alle Kinder an. Die Gruppen sollen möglichst nicht durchmischt werden, die Betreuung so umfangreich wie möglich sein, vor allem aber auch das pädagogisch Bestmöglich geboten werden. Deshalb könne es zu leicht zeitversetzten Betreuungen kommen.

„Die Grundschulen bieten ab 29. Juni auch wieder ein Präsenzangebot für alle Klassen an, das von der Kernzeitbetreuung flankiert wird. Hier gilt weiterhin das rollierende System, um Kontakte zwischen den Gruppen zu vermeiden“, so Raichle weiter.

Kaum Ausfälle in Ingersheim erwartet

„Im Bereich der Erzieherinnen möchten die Beschäftigten überwiegend wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Wir haben deshalb kaum Ausfälle und können am 29. Juni gut ausgestattet starten“, sagt Simone Haist, Bürgermeisterin von Ingersheim. In einem Schreiben an die Eltern legt die Verwaltung detailliert dar, wie der Neustart aussehen wird.

„Wir sind bemüht, die Öffnungszeiten wie bisher gewohnt, auch weiterhin anzubieten“, garantieren könne man das aber nicht. Die Einrichtungsleitungen sollen den Bedarf abfragen und entsprechend das Personal ausrichten. Es sei auch angedacht, vermehrt Aktivitäten nach draußen zu verlagern, um die Gruppen zu entzerren. Eine neue Regelung ist auch das tägliche Fiebermessen bei den Kindern.

 
 
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