Renovierung in Kleinsachsenheim In der Kirche wird vieles moderner

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Der ehrenamtliche Bauleiter Tobias Scheuermann ist fast täglich in der Kirche und koordiniert die Arbeiten. ⇥ Foto: Martin Kalb

Die evangelische Kirche in Kleinsachsenheim wird aktuell für 600 000 Euro nicht nur saniert, sondern auch auf den neuesten Stand gebracht.

Die Evangelische Kirche in Kleinsachsenheim ist fast am Nullpunkt angekommen. Am Wochenende wird der Boden entfernt, und die alte Elektrik muss noch aus den Wänden. Dann geht es an die Aufbauarbeiten der Kirche, die aktuell für rund 600 000 Euro saniert wird. Pfarrer Friedemann Wenzke hofft, das noch vor den Sommerferien wieder Gottesdienste in der Kirche abgehalten werden können. Diese finden aktuell im Gemeindehaus statt.

Die Renovierung, da sind sich die Beteiligten einig, war dringend notwendig. Die Technik streikte ebenso wie die Heizung regelmäßig. Und da man schon dabei ist, wird die Kirche gleich noch modern gestaltet, unter anderem mit Internetverbindung. „Das Gottesdienst-Geschehen wird virtueller. Es ist nicht mehr die reine Wortkirche. Wir wollen zum beispiel auch mal Videoclips zeigen“, sagt der Pfarrer. Auch eine digitale Zentralsteuerung für Licht und Heizung soll eingebaut werden. „Wir verbinden den Umbau mit dem Gemeindeaufbau. Die Kirche soll Lebens- und Glaubensraum sein.“

Das spiegelt sich auch in der Gestaltung wider: Die Bänke wurden entfernt und nach Slowenien gebracht (siehe Infobox). In der neuen Kirche werden die rund 100 Besucher pro Gottesdienst auf Stühlen Platz nehmen. „Das bietet uns viel flexiblere Möglichkeiten“, sagt Pfarrer Wenkze. Zum Beispiel bei Jugendgottesdiensten oder anderen kleineren Veranstaltungen wie Andachten und Gebetsstunden.

Neue Räume

Der Kirchenraum wird aber auch insgesamt kleiner. Denn an den Eingangsbereich schließen sich zukünftig ein Multifunktionsbereich, eine Teeküche und eine Toilette an – ein Vorteil, zum Beispiel beim allsonntäglichen Kirchen-Café.

 Stolz ist der Pfarrer auf die Einsatzbereitschaft der Ehrenamtlichen. „Bisher hatten wir nur eine einzige Firma im Haus“, sagt er stolz. Kopf der Helfer ist Zimmermann und Kirchengemeinderat Tobias Scheuermann. Der ehrenamtliche Bauleiter ist mit viel Eifer dabei: „Ich sehe das wie mein eigenes Haus, gebe alles.“

Zu Jahresbeginn fiel in einer Drei-Tages-Aktion der Startschuss zur Entkernung des Gebäudes. „Da war richtig was los“, lobt auch Scheuermann. Jeden Samstag ruft die Gemeinde seither zum Arbeitseinsatz auf. Im Schnitt kommen 15 Leute“, so der Bauleiter weiter. Insgesamt seien mehr als 600 Stunden ehrenamtlich geleistet worden. Das spart nicht nur Geld, sondern bringt auch Zuschüsse: 15 Euro für jede absolvierte Stunde.

Ganz frei ist die Gemeinde in ihrer Gestaltung nicht. Auch der Denkmalschutz redet mit. „An der Empore dürfen wir beispielsweise so gut wie nichts machen, müssen sogar Bänke wieder aufbauen“, erklärt Scheuermann. Im Kirchenraum selbst müssen ebenfalls drei Bänke stehen bleiben.

Pfarrer Wenzke lobt auch die Spendenbereitschaft: 370 000 Euro muss die Kirche zahlen, davon sind schon knapp 250 000 zusammen. „Wir werden vermutlich ein Darlehen aufnehmen müssen. Aber die Leute zeigen wirklich ein enormes Engagement.“

Alter Taufstein

Das restliche Geld kommt im Wesentlichen aus dem Ausgleichsstock der Landeskirche (200 000 Euro) und dem Dekanat (40 000 Euro). Wegen ersterem entscheidet auch die kirchliche Verwaltungsstelle über die Ausgaben mit. „Zuletzt mussten wir beispielsweise das Gesamtvolumen von 500 000 auf 600 000 Euro anheben“, berichtet Wenzke. Die Antwort der Verwaltungsstelle: Bei einer Gemeinde, bei der die Spenden so fließen, sehe sie da keine Probleme.

Auch Teil der Arbeiten ist die Restaurierung des alten Taufsteins der nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg wieder aufgebauten Kirche. Der Stein war bei früheren Arbeiten durch einen neuen ausgetauscht worden. Dieser ging nun ebenfalls nach Slowenien und der alte, bisher eingelagert, kommt wieder an seinen Platz. Aufgewertet wird auch der Kirchgarten: Eine alte Tür gegenüber des bisherigen Eingangs war zuletzt zugemauert. Diese wird wieder geöffnet. Auf diesem Weg geht es direkt in den Kirchgarten.

Info An diesem Sonntag, 2. Februar, gibt es im Anschluss an den Gottesdienst um 10.30 Uhr wieder ein Gemeindemittagessen. Für Essen und Getränke erbittet das Team 7 Euro pro Person.

 
 
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