Restaurierung der Großsachsenheimer Stadtkirche Frischekur für Steine der Kindheit

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Steinmetz Frank Schlotterbeck an einem von vier Wasserspeiern, die es zu erhalten gilt. ⇥ Foto: Martin Kalb

Frank Schlotterbeck restauriert seit Jahrzehnten historische Gebäude. Das aktuelle Projekt ist ein besonderes: Seine Heimatkirche.

Vor mehr als einem halben Jahrhundert war Frank Schlotterbeck zum ersten Mal in der Großsachsenheimer Stadtkirche. Damals lag er noch. Denn es war seine Taufe. Auch seine Konfirmation feierte er in der Kirche Sankt Fabian und Sebastian. Heute sorgt er dafür, dass noch viele weitere Kinder hier ihre ersten kirchlichen Feste feiern können. Denn der 58-Jährige ist an der Sanierung der Kirche beteiligt – als Steinrestaurator und -konservator.

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Die Aufgabe des gebürtigen Großsachsenheimers ist es, „zu erhalten, was zu erhalten ist“. Das heißt: Oberflächenschäden wie Risse und Schalen ausbessern und die Steine konservieren. „Im Moment sind wir noch am Reinigen“, sagt er. Danach steht auch die komplette Kartierung der Schäden an. „Es gibt auf jeden Fall einige Risse und Schalen. Außerdem sind die Steine entfestigt“, erklärt er. Die Sandsteine, die aus vielen kleinen Sandkörnern bestehen, halten zumindest an der Oberfläche nicht mehr zusammen. Mit Bindemitteln müssen sie gefestigt werden. Das Ziel ist, es möglichst viele Steine zu „retten“, sodass sie nicht ausgetauscht werden müssen. „Auch das Landesdenkmalamt will den Austausch reduzieren. Sonst hat man irgendwann nur noch die Kopie eines historischen Gebäudes“, betont Schlotterbeck.

Zurück in die Vergangenheit

Genau dafür ist Schlotterbeck zuständig. Die Arbeit an der Kirche wirft ihn immer wieder zurück in die Vergangenheit. „Ich erinnere mich noch gut an die großen Gottesdienste zu jedem neuen Schuljahr.“ Besonderes in Erinnerung ist ihm auch der beliebte Pfarrer Gebhard Strebel (siehe Infobox). „Er war ein sauguter Pfarrer“, betont der Handwerker, „sein Konfirmationsunterricht war klasse. Oft hat er uns auch von Brasilien erzählt.“

Schlotterbeck führt einen Ein-Mann-Betrieb. Die Aufgabe in Sachsenheim erfüllt er mit zwei weiteren Restauratoren, mit denen er seit Jahren zusammenarbeitet. Deshalb redet er ständig im „wir“. „Alleine würde ich das gar nicht hinbekommen“, sagt er, „schließlich soll bis September alles fertig sein, und nach uns kommen ja noch die Maler.

Half bei den Ludwigsburger Schlössern

Der gelernte Steinbildhauermeister hat sich seit vielen Jahren auf die Steinkonservierung und -restauration spezialisiert. In seinem Portfolio finden sich die Ritterstiftskirche Sankt Peter im Tal in Bad Wimpfen oder die Johannes- und die Matthäuskirche in Stuttgart. „Wir machen relativ viele Kirchen, aber auch mal Schlösser“, sagt er. Auch an den Ludwigsburger Schlössern war er schon zugange. Historische Gebäude, die im privaten Besitz sind, würden seltener so aufwendig restauriert. „Das geht schnell in den Bereich von mehreren Tausend Euro.“

Dass er jetzt seine Heimatkirche sanieren darf, sei eine ganz besondere Aufgabe. „Ich habe natürlich sehr gehofft, dass ich die Ausschreibung bekomme“, sagt er. Aber die gehe nun mal immer an den günstigsten Anbieter. „Zum Glück gibt es in der Regel nicht allzu viele Bewerber, und hier war bei mir natürlich schon ein kleiner Bonus dabei.“

Gearbeitet wird auch in Großsachsenheim mit originalgetreuem Material, zum Beispiel historischem Mörtel. „Dadurch wird auch der Stein weniger geschädigt“, erklärt der Experte. Das sei in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer so erfolgt. „In den Zementfugen, die sich auch hier finden, staut sich das Wasser. Deshalb kommen die alle raus.“

Die Arbeit hat auch das Interesse an der Geschichte geweckt – nicht nur aus fachlicher Sicht. Aber natürlich interessiere ihn in erster Linie, wie damals gearbeitet wurde. „Das ist schon faszinierend, wie beispielsweise alte Bauernhäuser schon vor vielen Jahrhunderten gebaut wurden.“

Restaurierung für die Dauer von Jahrzehnten

So wie bei allen von ihm restaurierten Gebäuden wird er auch in Großsachsenheim immer wieder vorbeischauen und die Arbeit überprüfen. „Das sollte jetzt schon einige Jahrzehnte halten“, betont er und fügt grinsend an, „wenn wir es richtig machen, sollte ich die nächste Restaurierung nicht mehr miterleben.“

Bei der Kirchensanierung gab es übrigens bereits die ersten bösen Überraschungen: „Wir haben festgestellt, dass bei der Turmuhr wieder Rost kommt. Deshalb mussten wir sie abnehmen und lassen sie restaurieren“, sagt Pfarrer Dieter Hofmann. Auch bei den bemalten Chorfenstern droht noch ein zusätzlicher Restaurierungsbedarf. Eine letzte Begutachtung steht noch aus. „Aber die Fenster sehen nicht so aus, wie wir uns das gewünscht haben“, so Hofmann, der auch deshalb auf weitere Spenden hofft. „Wir haben immer noch eine große Deckungslücke.“

 

Info Der ehemalige Pfarrer Gebhard Strebel

 

Gebhard Strebel kam Ende der 1960er-Jahre als Pfarrer in die Kirchengemeinde Großsachsenheim. „Er hat hier sehr charismatisch gewirkt“, erinnert sich Historiker Hermann Albrecht vom Verein für Heimatgeschichte Sachsenheim auf BZ-Nachfrage. Unter anderem sei das Gemeindehaus vor allem auf sein Drängen hin damals errichtet worden. Strebel war bis weit in die 1980er-Jahre Pfarrer in Großsachsenheim. Nur wenige Monate nachdem er in den Ruhestand gegangen war, verstarb er überraschend. „Das löste große Betroffenheit aus“, erinnert sich Albrecht. Seine Verbindung zu Brasilien rührte von seiner Ausbildung, die er an einer kirchlichen Uni in Brasilien absolvierte.

 
 
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