Restaurierungen im Bönnigheimer Steinhaus Schicht für Schicht in die Geschichte

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Restauratorin Elisabeth von Rogal und ihre Kolleginnen bringen Wände im Bönnigheimer Steinhaus, der Heimat des Schwäbischen Schnapsmuseums, wieder in ihren Originalzustand. ⇥ Foto: Martin Kalb

Im Steinhaus, dem ältesten Gebäude der Stadt in dem das Schwäbische Schnapsmuseum untergebracht ist, werden die Wände der früheren Wohnung im Obergeschoss restauriert.

Ein Gerüst und zahlreiche Utensilien für die Restaurierungsarbeiten, die am Dienstag, 4. Februar, begannen, sind in der früheren Wohnung im Obergeschoss des Bönnigheimer Steinhauses zu entdecken: Es werden die Wände von staatlich geprüften Restauratoren der Firma Mäule und Krusch restauriert. Diese Woche soll die Restaurierung abgeschlossen werden. Die Spezialisten waren unter anderem auch mit der Restaurierung der Ottmarsheimer Hippolytkirche beauftragt.

„Es ist unser Bestreben, den Charakter der Wohnung und damit auch die einzelnen Farbschichten zu erhalten“, berichtet Restauratorin Elisabeth von Rogal, die mit ihren Kolleginnen Beatrice Lode und Anna Frank gerade dabei ist, Risse und Löcher mit Hanf zu stopfen, lose Schichten anzukleben und einzelne Farbschichten der Wände, die im Laufe der 1920er- bis 1950er-Jahre aufgewalzt wurden, freizulegen.

„Wir schließen die Fehlstellen durch eine grobe und anschließend durch eine feine Kalkschicht. Dann ,böschen’ wir die im Laufe der Jahrzehnte entstandenen Kanten an, damit sich diese nicht weiter lösen. Die losen Stellen hinterfüllen wir und kleben wir wieder fest“, erklärt Rogal die Vorgehensweise. Die Setzrisse, die nun geschlossen werden, entstanden durch verschiedene Umbaumaßnahmen im Gebäude. Für das Schließen werden Naturmaterialien wie Kalk und Sand genutzt. „Erst tragen wir mit Kalkputz eine grobe, dann eine feine Schicht auf. Anschließend wird die Stelle wieder farblich an ihre Umgebung angepasst“, so Rogal. Bei diesem Vorgehen werden einzelne Walz- und Farbschichten sichtbar, die bisher unter der obersten Schicht verborgen waren.

„Das Walzen war damals eine preiswerte Methode“, erklärt Rogal. Bei den Renovierungsarbeiten im letzten Jahrhundert sparte man sich jeweils den Aufwand, die vorherige Walzschicht zu entfernen. „So wie man geschmacksmäßig eben renoviert hat“, walzte man weitere Muster darüber, berichtet Rogal. Dadurch entstand die Vielzahl an Farbschichten. Dabei kann man sogar Fehler bei den damaligen Walzarbeiten erkennen. „An der Stelle beim Geländer im Treppenhaus ist man mit der Walze abgerutscht“ erklärt Rogal. „Damit man die unterschiedlichen Walzschichten sehen, aber nicht anfassen kann wird über die freigelegten Stellen eine Plexiglasscheibe gesetzt“, so Kurt Sartorius, Museumsdirektor des Museums im Steinhaus.

„Man weiß als Restaurator nie, was für eine Schicht rauskommt sowie ob und wie viele Schichten darunter liegen. Das erfordert eine ganz sensible Vorgehensweise.“, meint Rogal über die Herausforderung, die Schichten freizulegen, ohne die darunterliegende Schicht zu beschädigen. „Das ist die Kunst der Restauratoren“, ergänzt Sartorius.

Für die Restauratorin zeigt das Gebäude einige Auffälligkeiten. „Es ist besonders, dass hier im Haus so viel erhalten ist“, meint Rogal. „Auch die gut erhaltenden alten Leitungsrohre, die heute noch sichtbar an den Wänden verlaufen, sind etwas ganz Besonderes“, meint Rogal. Die alten Leitungsrohre werden heute als Stromleitung genutzt, da Sartorius als gelernter Elektriker neue Drähte in diese einzog.

„Es war immer die Frage, was wir hier machen wollen. Einen weißen, modernen oder einen historischen, charmanten Museumsraum, mit all den Verzierungen, der alten Treppe und Tür“, betont Sartorius, mit Blick vom Eingangsbereich zur Wohnung.

„Das Haus hat viele Geheimnisse, denen wir langsam auf die Spur kommen“, meint Sartorius. „All diese historischen Sachen, die wir im Haus gefunden haben, wollen wir in einem Regal ausstellen“, sagt der ehrenamtliche Museumschef. Als letzte Mieter hatte im Haus eine türkische Familie gewohnt. Auch aus dieser Zeit im Haus wurden Gegenstände gefunden.

 
 
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