Rettung der Trockenmauern in den Weinbergen Sorge um die traditionellen Trockenmauern im Wengert

Von Gabriele Szczegulski
Thomas Makowiec setzt sich für den Erhalt von Trockenmauern ein. Hier zeigt er eine am Steinbach in Löchgau, die er bereits aus gefundenen und zusammengesuchten Steinen restauriert hat. Foto: Martin Kalb

Thomas Makowiec kümmert sich um marode Weinbergterrassen, die nicht mehr bewirtschaftet werden, um das Naturdenkmal zu erhalten.

Ohne Mörtel und Beton sind sie gebaut, und zwar vor zig Jahren: die Trockenmauern in den Weinbergen der Umgebung. Trotzdem halten sie Jahrzehnte allen Unwettern Stand und sind Refugium von vielen Kleinlebewesen wie dem Feuersalamander, Eidechsen und Schlangen und ein Biotop seltener Pflanzen und Kräuter.

Trockenmauern sind vielerorts dem Zerfall überlassen

Die Technik, wie man eine Natursteinmauer baut, ist, so sagt der Löchgauer Thomas Makowiec, seines Zeichens SPD-Stadtrat, „in den Familien tradiert, das kann man nicht ohne Weiteres lernen“. Gebaut, so Makowiec, sind viele Mauern aus „Steinen aus dem zerbomten Stuttgart nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch alten Grabsteinen und Mauerstücken aus Abbruchhäusern oder aus alten Wengerten, man nahm dazu, was man kriegen konnte“.  Auch aus archäologischen Grabungen in der Region bekommt Makowiec Steine, die die Archäologen nicht mehr verwenden können. „Manche Mauer  in den Weinbergen ist deshalb antik“, sagt er.

Aber auch eine Trockenmauer hat ein endliches Leben, vor allem, wenn sie nicht gepflegt wird, Steine herunterbrechen, die Terrassen überwuchern und sich selbst überlassen werden.

Das Naturdenkmal Trockenmauer ist vielerorts dem Zerfall überlassen worden, weil der Wengert nicht mehr bewirtschaftet wird oder der Besitzer nicht weiß, was zu tun ist. Thomas Makowiec betreut am Löchgauer Steinbach einige unbewirtschafte Terrassenweinberge, so dass die Mauern nicht zerfallen.

Derzeit betreut er drei Weinbergterrassen am Ufer des Steinbachs, die nicht mehr bewirtschaftet werden. „Wenn man dort nicht immer wieder mäht, das Gebüsch wegmacht oder Steine austauscht oder Mauerteile neu macht, also alles in Schuss hält, geht dieses Naturdenkmal verloren“, so Makowiec. Aber nicht nur das: Ohne die Mauern könnte der ganze Hang im Laufe der Zeit abrutschen. Makowiec nennt Beispiele in Löchgau, aber auch in Hessigheim. „Dann muss der Hang abgesichert werden, sodass er beispielsweise Straßen und den Verkehr nicht gefährdet.“

Denn: Die Trockenmauern in den Weinbergen sind nicht nur Biotop, sondern helfen ganz praktisch, das Wasser im Hang zu filtern und abzuleiten. Denn eine Weinbergmauer besteht nicht nur aus dem, was man sieht, sondern auch aus der fast wichtigeren Hintermauer. Diese stützt die eigentliche Mauer und führt das Wasser ab. „Die Hintermauer hat eine Drainagewirkung für den Weinberg“, so Makowiec. Die eigentliche Mauer hat einen Anlauf von zehn Grad gegen den Hang, ist also leicht schräg. Dahinter befindet sich auf 20 bis 30 Zentimeter Breite die Hintermauer aus verschieden großen, aufgeschichteten Steinen. Das ganze Bauerk steht auf einem Fundament an großen Steinen, das in den Boden eingelassen ist. Der Berg drückt zwar auf die Mauer, aber da das wasser immer ablaufen kann, macht das, so Makowiec, nichts. „Die Mauer hält den Druck des Berges für Jahrzehnte aus, wenn sie denn immer wieder überprüft und gepflegt wird.“

Der Trockenmauerbau, so der Löchgauer, sei „eine kontemplative Arbeit, die man nie unter Zeitdruck machen darf, das ist ein langsames Geschäft, wenn die Mauer gut werden soll“. Bevor sich Makowiec vor Jahren an die Weinbergmauern machte, hat er im eigenen Garten geübt und zwei verschieden große Hochbeete aus Steinen gebaut – eines rund, eines rechteckig. „Das würde ich Gartenbesitzern raten, Hochbeete aus Steinen zu bauen, denn sie sind ein kleines Biotop in sich, und man kann auch in den Mauerritzen Zucchini, Kräuter oder Salat anbauen.“

Förderung für die Instandsetzung

Das sei gut für das Klima und ein Mittel, aktiv Naturschutz zu betreiben. Makowiec hilft in Löchgau Weinbergbesitzern, die Mauern in Schuss zu halten. Und der SPD-Gemeinderat weiß, dass die Gemeinde Löchgau auf Antrag Geld für den Wiederaufbau oder die Instandsetzung von Trockenmauern vergibt. „Ich weiß aber auch, dass da schon lange kein Geld mehr abgerufen wurde, was ich sehr bedauere, da viele Weinbergmauern derzeit in einem erbärmlichen Zustand sind“, so Thomas Makowiec.

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