Riesen Ludwigsburg enttäuschen bei den Merlins Crailsheim Nur Johannes Patrick rettet die Dreier-Ehre

Von Andreas Eberle
Johannes Patrick stellte mit zwölf Punkten einen Karrierebestwert auf. ⇥ Foto: Sandy Dinkelacker / foto2press via www.imago-images.de

Die Riesen stehen bei der 61:72-Derbypleite gegen Crailsheim neben sich und versagen aus der Distanz. Von Andreas Eberle

Die Mutter von T.J. Shorts kann mit ihrem Sohn zufrieden sein. Der Spielmacher der Hakro Merlins Crailsheim war am Samstagabend auch gegen die MHP Riesen Ludwigsburg wieder eine Wucht und avancierte beim 72:61-Sieg mit 22 Zählern zum besten Punktesammler. „Sie ist meine größte Kritikerin“, sagt Shorts über seine Mama, die dank eines Pay-TV-Zugangs im fernen Kalifornien keinen Auftritt des Filius verpasst.

Die Mütter der Riesen-Profis hätten am Wochenende hingegen kaum etwas Positives über ihre Sprösslinge berichten können. Die Mannschaft aus der Barockstadt versagte in Ilshofen nämlich auf ganzer Linie. Eine Ausnahme war nur Johannes Patrick. Der 19-jährige Point Guard war der einzige Ludwigsburger, der in der Arena Hohenlohe von außen traf. Mit vier Dreiern und zwölf Punkten, ein Karrierebestwert, war Johannes Patrick der Topscorer bei den Schwaben – zum ersten Mal überhaupt. Dabei hatte er die ganze erste Hälfte auf der Bank verbracht und letztlich nur elf Minuten Einsatzzeit.

Die Trefferquote seiner Mitspieler aus der Distanz betrug derweil peinliche null Prozent: Bei 24 teils abenteuerlichen Wurfversuchen landete der Ball kein einziges Mal im Korb. Jordan Hulls ging erstmals in dieser Runde völlig leer aus. Weitere Schlüsselspieler wie Jonah Radebaugh und Jonas Wohlfarth-Bottermann waren ebenfalls Totalausfälle – und das nur drei Tage nach der Champions-League-Gala auf Teneriffa, wo Ludwigsburg vorzeitig den Gruppensieg und den Einzug in die Top 16 perfekt gemacht hatte. „Nach unserer starken Leistung am Mittwoch war es Unkonzentriertheit oder Müdigkeit – woran genau es lag, kann ich nicht sagen. Aber Crailsheim war hellwach und fokussiert gegen uns“, meinte Coach John Patrick.

Merlins überflügeln Riesen

Die „Zauberer“ schwächelten vor den 750 Zuschauern zwar ebenfalls in der Offensive, doch mit einem Shorts in NBA-Form reichte es trotzdem zum zweiten Pflichtspielerfolg über den Lokalrivalen innerhalb von zehn Wochen. Bereits im Pokal hatte Crailsheim Anfang Oktober mit 65:63 triumphiert. „Derbysieger, Derbysieger“ skandierten die Merlins-Fans nun erneut. „Ludwigsburg in so kurzer Zeit zweimal zu schlagen, ist eine Riesenleistung. Die Kulisse hat sich wie 10 000 angefühlt“, sagte Crailsheims Trainer Sebastian Gleim. Während sein Team auf Platz sechs vorrückte, belegen die Riesen jetzt nur noch den letzten Playoffplatz acht.

Vom Sprungball an lief beim Favoriten so gut wie nichts zusammen. Nach 20 Minuten standen schon 14 Fehlwürfe aus der Distanz in der Statistik, die John Patrick in der Pause kopfschüttelnd studierte. Mit dem 28:38-Rückstand war Ludwigsburg noch gut bedient. Im dritten Viertel wuchs der Crailsheimer Vorsprung sogar auf 21 Punkte an. Erst im Schlussviertel, als die Riesen mit der ausgeruhten jungen Garde antrat, war der Gast konkurrenzfähig und kam noch mal auf zehn Zähler heran. Aber die Hypothek aus den desolaten Durchgängen eins bis drei war zu groß – und Merlins-Star Shorts einfach zu gut.

„Wir haben sehr viele schwierige Würfe genommen, unsere Center hatten irgendwie Angst unter dem Korb“, kritisierte John Patrick seine Schützlinge. „Nach drei Siegen hintereinander war diese Niederlage vielleicht wieder nötig. Vielleicht waren wir zu lässig.“

 
 
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