Riesen und 46ers zeigen sich solidarisch mit Ukraine Pflichtsieg nach großer Geste

Von Andreas Eberle
Der Ex-Gießener Rawle Alkins erzielte an seiner früheren Wirkungsstätte 16 Zähler für die Riesen. ⇥ Foto: IMAGO/Michael Schepp

Die Gießen 46ers und die Riesen Ludwigsburg zeigen Solidarität mit der Ukraine. Nach einem Stotterstart setzt sich der Favorit noch klar mit 76:59 durch. Von Andreas Eberle

Es war eine große Geste der Gießen 46ers und der MHP Riesen Ludwigsburg: Vor dem Bundesliga-Spiel am Sonntag stellten sich die beiden Basketball-Teams im Mittelkreis zum Gruppenfoto auf. Die Riesen spielten in der Sporthalle Gießen-Ost extra in ihren gelben Heimtrikots; die Mittelhessen tauschten sogar ihr typisches Vereins-Rot in Blau – und gemeinsam ergaben sich daraus die Nationalfarben der Ukraine, mit der sich die Korbjäger solidarisierten. „Stop war!“ war die Botschaft, die auch während der Partie immer wieder über die LED-Banden flimmerte.

„Das ist eine humanitäre Katastrophe. Der Ukraine gehört unser aller Unterstützung, und wir äußern Kritik an dem dummen Krieg, in dem viele unschuldige Menschen ihr Leben verlieren“, zeigte auch Ludwigsburgs Trainer John Patrick im Gespräch mit Magenta Sport Haltung. Er hatte mit seinem Team Mitte Oktober 2021 selbst noch in Kiew gegen den BC Prometey gespielt. Bei dem ukrainischen Champions-League-Klub steht mit DJ Kennedy auch ein Ex-Profi der Barockstädter unter Vertrag.

Riesen klettern auf Rang fünf

Der Sport rückte angesichts der Tragödie in Osteuropa in den Hintergrund. Am Ende feierten die favorisierten Riesen beim Tabellenletzten einen standesgemäßen, aber glanzlosen 76:59-Erfolg. Damit verbesserte sich die Mannschaft um Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann auf Rang fünf.

Ludwigsburg musste wie gehabt auf den an der Wade verletzten Chefstrategen Jordan Hulls verzichten. Der US-Amerikaner mischte aber schon wieder beim Einwerfen mit und kehrt wohl nächste Woche ins Aufgebot zurück. Zudem fehlten die Trainer- Söhne Jacob und Johannes Patrick wegen einer Gehirnerschütterung respektive einer Corona-Infektion. Ethan Happ setzte als überzähliger Importspieler aus. 

Die Schwaben setzten den Auftakt vor den 1484 Zuschauern komplett in den Sand. Mit 12:18 lagen sie nach zehn desolaten Minuten zurück. Bis dato hatten sich die Riesen fünf Turnover geleistet und alle acht Dreierwürfe vergeben. Im zweiten Viertel drehte der Favorit dann aber mächtig auf – und da vor allem Justin Simon, der am Ende mit 20 Zählern wieder einmal der Topscorer seiner Mannschaft war und obendrein fünf Rebounds sowie drei Assists zum Pflichtsieg beitrug. Viele Impulse brachten auch zwei Akteure, die von der Bank kamen: Rawle Alkins schaffte an seiner alten Wirkungsstätte 16 Punkte, Jonathan Bähre erzielte deren zehn.

 Routinier Tremmell Darden gelang in der 15. Minute der erstmalige Ausgleich zum 24:24 und sorgte kurz darauf mit einem Dreier auch gleich für die erste Gästeführung. Zur Pause hatte Ludwigsburg das Duell gedreht und ging mit einem Elf-Punkte-Vorsprung in die Kabine. 41:30 lautete der Zwischenstand. Speziell mit der aggressiven Verteidigung hatten die 46ers so ihre Probleme, wie die neun Ballverluste allein im zweiten Viertel zeigten.

 Zwei Dreier in 26 Sekunden

Zu Beginn der zweiten Hälfte muckte Gießen noch ein letztes Mal auf und verkürzte auf 41:44 (26.). Mit zwei Dreiern innerhalb von 26 Sekunden zum 52:43 versetzte Bähre dem Schlusslicht den entscheidenden K.o.-Schlag (27.). Im Schlussabschnitt dominierten Simon, Alkins und Co. den stark nachlassenden Gegner nach Belieben. Mit 75:59 fiel der Sieg letztlich deutlicher aus, als es die Anfangsphase vermuten ließ. 

„Wir wussten, dass es ein hartes Spiel wird. Sie sind aggressiv rausgekommen, waren hungrig auf den Sieg. Nach unserem langsamen Start haben wir aber unseren Rhythmus gefunden, uns zusammengerafft und dem nicht lange nachgetrauert“, bilanzierte Topscorer Simon. Bereits am Mittwoch (20 Uhr) geht es für die Riesen in der Top-16-Runde der Champions League bei Jeanne d’Arc Dijon Bourgogne weiter.

 
 
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