Riesen: Zittersieg gegen Crailsheim Ethan Happ behält die Nerven

Von Andreas Eberle
Ethan Happ, hier gegen Richmond Aririguzoh und Elias Lasisi (rechts), verwandelte in der Schlussphase die beiden entscheidenden Freiwürfe zum Ludwigsburger Derbysieg. ⇥ Foto: Avanti/Ralf Poller

Der Center verwandelt in der Schlussphase zwei Freiwürfe zum Ludwigsburger 77:75-Zittersieg gegen Crailsheim. Die Fans feiern die Riesen doppelt. Von Andreas Eberle

Die Fans ließen die MHP Riesen Ludwigsburg am späten Samstagabend aus gleich zwei Gründen hochleben. „Bilbao oho“, sangen sie mit Blick auf den Einzug ihrer Lieblinge ins Final Four der Champions League (6. bis 8. Mai), den sie am Dienstag im rumänischen Cluj perfekt gemacht hatten. „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey“, skandierte der Anhang der Barockstädter unter dem Eindruck des 77:75-Zittererfolgs über die Hakro Merlins Crailsheim. Damit festigten die bereits für die Playoffs qualifizierten Riesen ihren vierten Tabellenplatz und nahmen zugleich Revanche für die beiden Derbypleiten gegen Crailsheim in dieser Saison. Denn sowohl im BBL-Pokal als auch im Hinrundenduell hatten die Merlins den Favoriten entzaubert.

Um ein Haar wäre die Sache für das Team um Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann in der Crunchtime aber noch schiefgegangen. Nach einer 47:28-Führung kurz vor der Pause verloren die Hausherren in der zweiten Hälfte den Fokus und ermöglichten den Hohenlohern noch eine Aufholjagd. 89 Sekunden vor der Schlusssirene gelang Maurice Stuckey mit drei Freiwürfen der Ausgleich zum 75:75. Zum Ludwigsburger Matchwinner avancierte schließlich Center Ethan Happ, der nervenstark zwei Freiwürfe zum 77:75 versenkte. Dabei blieb’s – weil Jaren Lewis beim letzten Crailsheimer Angriff aus der Halbdistanz nur den Ring traf.

Dennoch feierten auch die vielen mitgereisten Gästefans anschließend die Merlins für ihre Comeback-Qualitäten. Als Tabellenneunter ist die Mannschaft von Trainer Sebastian Gleim weiterhin nur einen Hauch von einem Playoffrang entfernt – und am Dienstag steht für sie das Schlüsselduell daheim gegen die achtplatzierte BG Göttingen an. Zur gleichen Zeit tritt Ludwigsburg bei s.Oliver Würzburg an – und bereits zwei Tage später in Bayreuth. „Nach unserem historischen Sieg in Cluj am Dienstag hat es vielleicht ein bisschen an der Konzentration in der Spielvorbereitung gefehlt. Ich hoffe, dass wir diesen Sieg kurz genießen können, um uns dann wieder fokussierter auf eine schwierige Woche gegen Würzburg, Bayreuth und Oldenburg vorzubereiten“, sagte John Patrick.

Der Riesen-Coach hatte gegen Crailsheim auf das verletzte Trio Jordan Hulls (Leiste), Tremmell Darden (Wade) und Tekele Cotton (Handgelenk) verzichten müssen. Der ebenfalls lädierte Yorman Polas Bartolo biss auf die Zähne. Eigentlich hat fast jeder Korbjäger aktuell mit Problemen zu kämpfen. Laut Patrick plagen sich allein drei Profis mit Allergien herum. Und sein Sohn Jacob steckt mitten im Abistress, weshalb der 18-jährige Youngster vom Training freigestellt ist. In den nächsten Tagen stehen für ihn die Prüfungen in Sport, Englisch und Mathe an. „Der Spielplan mit den ganzen Reisen ist brutal. Ich bin sehr stolz und froh, dass wir dieses Spiel heute gewonnen haben“, bekannte John Patrick.

Radebaugh wird zum Topscorer

Jonah Radebaugh war mit seinen 21 Zählern der Erfolgsgarant und auch der Topscorer der Partie. Im ersten Viertel verwandelte der Spielmacher drei Dreier – danach allerdings keinen einzigen mehr. Sonst punktete bei Ludwigsburg nur noch Rawle Alkins zweistellig (18). Auch ohne den zum besten Offensivspieler der Liga gekürten TJ Shorts (Riss des Brustmuskels) und Stamm-Center Bogdan Radosavljević (Herzprobleme nach Corona) hatten die Merlins in der Offensive einiges zu bieten. Speziell Fabian Bleck, der allein im dritten Durchgang die Hälfte seiner 20 Zähler verbuchte, und Stuckey (17) taten den Riesen weh. Letzterer traf gleich viermal aus der Distanz. „Gerade von Stuckey haben wir zu viele offene Dreier zugelassen, auch Bleck konnte machen, was er wollte“, monierte Patrick.

Info Das im März ausgefallene Heimspiel der Riesen Ludwigsburg gegen die MLP Academics Heidelberg wird am 10. Mai um 19 Uhr nachgeholt.

 
 
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