Rin in Ludwigsburg Heimspiel für Rapper Rin

Von Lisa Lorenz
Rapper Rin veranstaltete ein Konzert für seine treuesten Hörer in Ludwigsburg. Foto: Werner Kuhnle

Der Bietigheim-Bissinger Rapper Rin hat seine Top-Hörer zu einem kostenlosen Konzert eingeladen. Er performte auch unveröffentlichte Songs aus seinem neuen Album „Nostalgia“.

Herzlich Willkommen zu unserer Kleinstadt-Fete“, begrüßt Rapper Rin am Mittwochabend die Fans, die zu seinem besonderen Konzert gekommen sind. Karten gab es nicht zu kaufen: Stattdessen haben nur diejenigen, die laut der Musikplattform Spotify zu seinen Top-Hörern zählen – 1000 an der Zahl –, eine Einladung erhalten. Bei einer Live-Aktion in Stuttgart kam man allerdings auch ohne Einladung an ein Ticket.

Mit dem „örtlichen Schützenverein Spotify“, scherzt Rin, wurde dann das Konzert, die „Multiplayer Live Experience“, auf die Beine gestellt. Mit „Vintage“ eröffnet der Rapper das Konzert, in dem die Zeile „Ich schau von Bietigheim herunter in den Canyon“ auftaucht. Nach „Avirex“ fragt er in die Crowd, wer am weitesten hergereist ist: Berlin und Paris werden genannt, welches davon jetzt weiter weg ist, weiß er aber nicht: „Ich bin geografisch eine Niete. Aber trotzdem kann ich euch auf eine Odyssee mitnehmen“, und zeigt einen der bereits öffentlichen fünf Songs des neuen Albums „Nostalgia“, das am heutigen Freitag, 24. Juli, erscheint.

Feature Schmyt

Dafür kommt Rapper Schmyt, der Feature-Sänger von „Odyssee“, auf die Bühne. Für dessen Auftritt habe er „sich sogar die Fahrt mit der Deutschen Bahn geben müssen“, erzählt Rin. Auch den nächsten Song „Sternenstaub“ rappen sie gemeinsam, dann verlässt Schmyt unter Zugaberufen wieder die Bühne. „Das Coole ist, dass ich weiß: Hier sind wirklich nur Hardcore-Fans“, sagt Rin. Und davon hat er einige: Schon bei Einlassbeginn um 20 Uhr gibt es eine lange Schlange vor den Mm-Studios in Ludwigsburg, in denen der Auftritt stattfand. Es geht eher gemächlich voran, etwa einen Meter alle paar Minuten. Beginn ist um 21.30 Uhr, und während die einen Wartenden in der Schlange überlegen, sich eine Pizza zu bestellen, befürchten andere, nicht mehr rechtzeitig reinzukommen. Zwei Freunde, die sich, scherzhaft als Security-Mitglieder verkleidet, angestellt haben, berechnen ihre Chancen, mit ihrer Verkleidung tatsächlich für Mitarbeiter gehalten und hineingelassen zu werden. Doch dazu kommt es gar nicht, denn kurz vor 21 Uhr schickt eine Security-Mitarbeiterin die Wartenden weg – die Halle ist voll, mehr kommen nicht mehr hinein. Die ersten haben sich schon um 12 Uhr mittags angestellt, erzählt sie – die seien natürlich hineingekommen.

Ort war Rins Wunsch

Aber der Ort des Konzerts hat einen Grund: „Es war mein Wunsch, dass wir das hier machen, und nicht, wie alles, in Berlin. Ich versuche immer, etwas hier her zu holen“, so der Bietigheim-Bissinger. Immerhin ist er „seit 1994 in der Kleinstadt“, wie sein nächster Song verrät. Mit „Wach“ („Jetzt checken wir mal, Ludwigsburg, ob ihr schon wach seid“) folgt der zweite Song des neuen Albums, es geht um Sehnsucht, Liebe und schlaflose Grübelei.

Crowd ist textsicher

Zwischen zwei Songs gibt es noch eine Wiedervereinigung: Das Kuscheltier „Relaxo“, das von einem Fan bei einem vergangenen Konzert auf die Bühne geworfen wurde, findet zurück zu seinem Besitzer. Er ist durch mehrere Länder mitgereist, erzählt Rin, und sei inzwischen sein „Spirit Animal“.

Weiter geht es mit einem Song für die Damen: „Monica Bellucci“, geschrieben für und benannt nach der italienischen Schauspielerin. Rin lässt die linke und rechte Seite des Saals abwechselnd singen, die Crowd Zeilen vollenden, dann nur die Frauen, dann nur die Männer – die Fans zeigen sich textsicher, aber das verwundert nicht, es sind schließlich die Top-Hörer. „Der nächste Song ist mein Lieblingssong vom neuen Album“, kündigt der Rapper dann an – erschienen ist er noch nicht, also eine Hörpremiere für die Fans. „Ich wünschte, der Moment wäre ewig“, lautet eine Zeile des Songs.

Bausa ist verhindert

Beim darauffolgenden „Keine Liebe“ wäre eigentlich Co-Künstler Bausa, ebenfalls Bietigheim-Bissinger, mit auf der Bühne gestanden. Nur, weil er an dem Abend selbst ein Konzert hatte, konnte „Baui“ nicht da sein, so Rin. Für den nächsten Song, vermutlich „Inuyasha Redux“ auf dem neuen Album, wünscht sich Rin ein Meer von Handylichtern – „Lichter nach DIN-Norm“, wie er sie nennt, denn: „Wir sind immer noch im Schwabenland.“ Nach „Blackout“ und „Bladerunner“ folgt „Bros“, dessen erste Zeile „Ich geh raus mit mein’n Jungs heute, Baby“ lautet – um was es in dem Song geht, wisse Rins alter Nachbar, den er gerade im Publikum entdeckt hat, genau.

Es folgen „Exit through the Gift Shop“ vom neuen Album, „Alien“ und „Dior 2001“ – „Kein Rin-Abend ist ein Rin-Abend ohne eine Reise ins Jahr 2001“, so der Sänger. Letzteren gibt es als Zugabe gleich zweimal zu hören, und schließlich verabschiedet sich Rin mit den Worten: „Wir hören uns in zwei Tagen“, und meint damit das Erscheinen von „Nostalgia“.

Für die Musik da

„Du weißt, die Nacht hat ihren Preis“, heißt es im Song „Alien“. Diese Konzertnacht aber nicht: Nach einer kurzweiligen Stunde, in der die einen ohne Pause getanzt und jedes Wort lauthals mitgesungen und andere lässig mit dem Bass mitgewippt haben, ist das Konzert vorbei.

Die Fans verlassen ein Event, für das man sich keinen Eintritt erkaufen konnte. Von den neuesten Songs kennen sie den Text ebenso wie von acht Jahre alten. Zu beinahe jedem Zeitpunkt kann Rin während eines Lieds aufhören, zu rappen – das Publikum macht für ihn weiter. Dass die Besucher für die Musik da waren, war spürbar – genauso wie das Kleinstadtflair.

 
 
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