Rockymotion aus Sachsenheim Hoch hinaus mit Hörspiel-Kletterwand

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Beim Spiel „PsychoPath“ müssen kranke Synapsen gesundgeklettert werden. ⇥ Foto: Rockymotion

Ein Team junger Männer will mit Audio-Software für Kletterwände mehr Leute für den Sport begeistern. Damit sind sie nun für einen Preis nominiert.

Climbing is the new gaming“ – Klettern ist das neue Zocken. So lautet der Slogan des Unternehmens „Rockymotion“ aus Sachsenheim. Das Team entwickelt die „Firewall“, eine interaktive und intelligente Boulderwand für Fitnessstudios, Kletter- und Boulderhallen. Dafür wurde die Firma von der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland 2021 ausgezeichnet (siehe Infobox). Noch ist das Projekt in der Entwicklungsphase. Nächstes Jahr will das Team durchstarten.

Die Idee hinter der „Firewall“: Trainingspläne werden in Spiele verpackt. Physiologisch ausgeklügelte Programme projizieren quasi ein interaktives Hörspiel an die Kletterwand mit leuchtenden und berührungssensitiven Klettergriffen. Dabei soll auch das Fitness-Level der Sportler analysiert und so das Training angepasst werden – für ein abwechslungsreiches, effizientes und günstiges Training auf geringer Fläche.

„Bei uns steht im Zentrum weniger die Hardware selbst als das interaktive Hörspiel, das an der Kletterwand abgespielt wird“, erklärt Jan Fiess, zuständig für Creative Technology bei „Rockymotion“. Aber natürlich braucht es für das Hörspiel-Erlebnis eine passende Wand und geeignete Griffe. Die österreichische Artrock GmbH unterstützt das Team als Partner bei der Prototypentwicklung.

Fiess bezeichnet das als „Mittel zum Zweck“. Denn: „Was es auf dem Markt gibt, wird unseren Anforderungen nicht gerecht. Der Klettersport lebt davon, dass es relativ viele verschiedene Griffformen gibt. Deshalb testen wir gerade ein Herstellungsverfahren, bei dem das analoge Handwerk durch digitale Methoden ergänzt und produktiver gemacht wird“, sagt der 30-Jährige.

Für Anfänger und Nachwuchs

Primär richtet sich die „Firewall“ an Anfänger sowie Kinder und Jugendliche. Viele hätten das Problem: „Man steht da vor der kunterbunten Wand und weiß nicht so genau, wie man da starten soll“, kennt Fiess die Problematik bei Einsteigern. Um den Ehrgeiz der Kletterer zu wecken, sollen die Hörspiele wie eine Serie über mehrere Kletter-Sessions gespielt werden können. Fiess: „Man kann sich das vorstellen wie eine Serie bei Netflix. Die einzelnen Episoden sind immer genau dann vorbei, wenn es spannend wird. So hangelt man sich von Training zu Training.“

Es müsse aber nicht immer einen fortlaufende Geschichte sein. „Es kann auch reine Unterhaltung sein.“ Von Klettergriff zu Klettergriff gibt es dann immer ein Stück der Geschichte. Als Anregung dafür nimmt Rockymotion auch Erzählungen vom Deutschen Albverein. „Diese wollen wir verarbeiten“, sagt Fiess. Auch für Team-Wettbewerbe und -Events will „Rockymotion“ ein Angebot schaffen.

Bisher haben die Tüftler vor allem Mini-Spiele konzipiert. So kann man beispielsweise im Hirn eines psychisch kranken Menschen herumklettern. Die roten Klettergriffe stellen die kranken Neuronen dar. „Per Berührung kann man sie wieder gesund machen“, erklärt Fiess.

Doch wie kam es überhaupt zu der Idee? Felix Hundhausen, der ebenfalls zum Rockymotion-Team zählt, und Jan Fiess sind beste Freude. „Wir waren am Sonntagmittag in der kleinen Kletterhalle in Besigheim. Dabei habe ich mich mal wieder etwas geärgert, dass schon wieder meine Lieblingsroute abgeschraubt worden war“, erinnert sich Fiess. „Da haben wir gedacht: Eigentlich wäre es doch geil, wenn man auf Knopfdruck Routen wiederherstellen könnte.“ Daraus entwickelte sich nach und nach die jetzige Idee.

Noch nicht marktreif

„Wir sind noch nicht marktreif. Die Wände, die wir schon aufgebaut hatten, haben wir wieder abgebaut. Wir müssen deutlich Kosten einsparen, denn sonst kauft unser Produkt keiner“, weiß Fiess. Eine interaktive LED-Wand wie beim Synapsen-Spiel „PsychoPath“ ist nicht mehr zwingend notwendig. „Rockymotion“ hat mittlerweile eigenständige interaktive Klettergriffe entwickelt. „Damit kann man damit jede Wand aus- und nachrüsten“, zeigt Fiess die Vorteile auf. Zum Einsatz soll das interaktive Klettererlebnis vor allem an sogenannten Boulderwänden kommen, also an niedrigeren Wänden, auf denen ohne Seil gekraxelt wird.

Im Januar soll es zu den Kletterwandbauern ins Zillertal für ausgiebige Tests gehen. „Dann werden wir die ersten Griffe der neuen Generation herstellen und Wände aufbauen“, sagt Fiess. Eine davon soll dann auch in der Ludwigsburger Kletterhalle Griffwerk getestet werden. Im Sommer will das Team dann – wenn alles gut läuft – am Start sein.

 
 
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