Roland Bentz wird 70 Der „Insekten-Bentz“ wird 70 Jahre alt

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Roland Bentz, Kuenstler in Bietigheim Bietigheim Atelier Roland Bentz⇥ Foto: Martin Kalb

Roland Bentz, der selbst ernannte Insektenmaler, wird an diesem Mittwoch 70 Jahre alt. Die Kunst ist sein Lebenselixier.

Im Kreishaus in Ludwigsburg hätte eine Ausstellung zu Ehren des 70. Geburtstags des Bietigheimer Künstlers Roland Bentz stattfinden sollen. Die Einladungskarten waren schon gedruckt. Und dann kam nicht Corona in die Quere, sondern ein Herzinfarkt des Künstlers vor drei Wochen. Dem 70-Jährigen geht es mittlerweile wieder ganz gut, wie er sagt: „Ich muss langsam machen, alles ist etwas beschwerlicher und ich muss mich jetzt als Risikopatient vor dem Virus schützen, aber ich lebe.“

Seit fast 50 Jahren arbeitet der geborene Bietigheimer als freischaffender Künstler in seinem Atelier in der Stuttgarter Straße. Schon als er 1971 mit dem Studium der Kunst an der Kunsthochschule Karlsruhe begann, war ihm klar: „Ich will frei schaffen.“ Und als er dann noch Student bei Professor Gottfried Meyer wurde, einem strikten Gegner kommerzialisierter Kunst, war klar: „Ich machte kein Lehramtsstudium, das wollte ich nicht“.

Experimentieren mit der Druckerpresse

Als Sohn eines Schuhmachermeisters war dem Bietigheimer „nichts Handwerkliches fremd, ich kann noch heute Schuhe besohlen“, sagt er. Mit einer Walze, die er in der Werkstatt seines Vaters fand, begann er, auf Metallplatten Radierungen herzustellen und diese zu drucken. In der Staatsgalerie Stuttgart stieß er auf ein kleines Büchlein, in dem „Adolf Hölzls druckgrafisches Werk“ dargestellt wurde. „Das war der Auslöser, das wollte ich auch“, so Bentz.

Das Experimentieren mit der Druckerpresse wurde auch in der Kunsthochschule seine Leidenschaft und so kam es, dass eine Firma in Neckartenzlingen gemeinsam mit ihm eine Druckerpresse entwickelte, mit der man auch dicke Materialien bedrucken konnte. „So ist der Materialdruck entstanden“, sagt Bentz, in dessen Keller noch heute eine von nur zwei dieser besonderen Druckerpressen steht.

Sein Markenzeichen

Auch schon während des Studiums begann Roland Bentz damit, Insekten als Motive zu verwenden. „Zwischenmenschliche Beziehungen sind schon überall beschrieben und dargestellt, daran war ich nicht interessiert.“ Als er als Zwölfjähriger das Foto eines Walkrebses sah, war er fasziniert: „Dieses kleine Krabbeltier ernährt einen riesigen Wal, da interessierte ich mich mehr und mehr für Gliederfüßler“, sagt Bentz. Insekten, Schmetterlinge, Falter, Wanzen und anderes Getier wurden zu seinem Markenzeichen.

1983 kam ein Verlag auf ihn zu. Eine Grafikedition mit 800 bis 900 Radierungen von Roland Bentz wollten sie veröffentlichen. Mit Insekten-Bildern. Doch aufgrund einer Reise nach Griechenland und dem Besuch mehrerer orthodoxer Klöster bot Bentz an, eine Radierfolge mit Abbildungen dieser Gemäuer zu machen. Der Verlag stimmte zu. „Mir war diese Isolation der Klöster und ihrer Insassen ein Faszinosum“.

Der Auftrag bescherte dem Künstler nicht nur genügend Geld, sondern dadurch auch die Gelegenheit, ein Land zu besuchen, das ihn seither nicht mehr los ließ: Bhutan. „Dieses Land, seine Natur und die Insekten  haben mich gepackt“, sagt „Insekten-Bentz“, wie er sich scherzhaft selbst nennt. Seit Jahren fährt er in das Land im Himalaya, hat mittlerweile enge Freunde dort. Mit seiner Leidenschaft steckte er den Bietigheimer Arzt Dr. Wolfgang Pfeiffer an, der die Bhutanhilfe gründete und Honorarkonsul des Landes wurde. Schon mehrmals waren Künstler und Mitglieder der Königsfamilie aus Bhutan zu Gast bei Roland Bentz. Bietigheim und Bhutan, das gehört dank Roland Bentz mittlerweile zusammen.

Zu Besuch im Sehnsuchtsland

Noch im September 2019 war Bentz in seinem Sehnsuchtsland, nachdem er einige Jahre „abstinent“ sein musste, aufgrund seiner Herzerkrankung war eine Reise in das Bergland nicht möglich. „Das ist einer meiner wenigen Wünsche, dass ich nochmal in den Bhutan fahren kann, dort Insekten entdecken und malen kann“, sagt er.

Mittlerweile hat er sich mit der „Willa Wanze“, einem Garten zwischen Löchgau und Bietigheim, einen Rückzugsort geschaffen. Dort malt er mitten im Wald. „Hierhin ziehe ich mich zurück, hier denke ich nach, hier kann ich frei schaffen“, sagt er. Es sei nicht immer leicht gewesen, nur von der Kunst zu leben. Teilweise musste der gelernte Schaufenstergestalter auch wieder in diesem Beruf arbeiten. Wie schon zum 50. und 60. Geburtstag schuf Bentz eine Radierung als Sonderedition zu seinem 70. Geburtstag, namens „70 Bugs and Hoppers“.

www.roland-bentz.de

 
 
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