Rückbau Atomkraftwerk Neckarwestheim 7000 Tonnen Abfall zur Deponie

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Der staubdicht verpackte Bauschutt wird in eine Messanlage gefahren.⇥ Foto: EnBW

EnBW, Umweltministerium und AVL haben das Verfahren erläutert, mit dem Bauschutt aus dem Rückbau von Neckarwestheim für die Deponie freigegeben wird.

Etwas vom Bauschutt aus Block I des Kernkraftwerk Neckarwestheim steckt in einem weißen Plastiksack mit der Nummer 14587. Samt Holzpalette wird er über ein Förderband in eine Messanlage gefahren. Die Metalltüren schließen sich. 60 Sekunden später springen die Messsensoren auf dem Bildschirm von gelb auf grün. „Die Grenzwerte werden unterschritten“, erklärte Dr. Andreas Strohm von der EnBW. Zwei Gutachter bestätigten gestern dieses Ergebnis bei der hybriden Pressekonferenz, bei der es um den „verantwortungsvollen Umgang mit Reststoffen aus dem Rückbau: Gutachterliche Kontrolle einer konventionellen Abfallcharge aus dem Kernkraftwerk Neckarwestheim“ ging.

Der Anlass:

Vor drei Wochen hat die EnBW rund vier Tonnen Bauschutt zur Freigabe für die Deponie angemeldet (die BZ berichtete), darunter auch der Sack 14587. EnBW, Umweltministerium und Deponiebetreiber erläuterten nun das Verfahren und die Grenzwerte, die dabei beachtet werden müssen. „Der Schutz von Mensch und Umwelt liegt uns am Herzen“, betonte Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH.

Der Abfall aus Neckarwestheim:

Der Rückbau von Block I komme gut voran, sagte Michels. Die Zerlegung der Großkomponenten wie der Reaktordruckbehälter sei „weitgehend abgeschlossen“. Von den 331 000 Tonnen an Abbaumasse würden 97 bis 98 Prozent als Wert- und Reststoffe verwertet oder beseitigt. Weniger als ein Prozent sei schwach- bis mittelaktiver Abfall und müsse zwischen- und endgelagert werden. Ein bis zwei Prozent sollen eine spezifische Freigabe erhalten und in Beseitigungsanlagen und Deponien entsorgt werden – wie der Bauschutt mit der Nummer 14587.

Die Beteiligten:

Neben dem Abfallverursacher EnBW ist als Aufsichtsbehörde das Umweltministerium mit dem TÜV als unabhängigem Gutachter beteiligt und die AVL mit einem Gutachter von der Nuclear Control and Consulting GmbH (NCC).

Der Ablauf:

Vom Kategorisieren über das Messen bis hin zur Verwertung gibt es vereinfacht gesagt elf Arbeitsschritte, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Die Messung des Bauschutts durch die EnBW sowie deren Messgeräte, Prozesse und Dokumentationen werden – wie gestern beim Bauschuttsack 14587 – während des gesamten Rückbaus von den beiden Gutachtern überprüft. Im letzten Schritt gibt das Ministerium den Abfall frei.

Die Handlungsanleitung:

Zusätzlich zu den gesetzlichen Regeln gibt es für den Landkreis eine Regelung, die für zusätzliche Transparenz und Sicherheit sorgen soll. Diese ermöglicht es zum Beispiel der AVL, den Abfall durch einen eigenen Gutachter prüfen zu lassen.

Die Grenzwerte für den Abfall:

Die Freigabe für die Deponie darf nur erfolgen, wenn der Abfall immer unter zehn Mikrosievert pro Jahr bleibt. Die durchschnittliche Strahlenbelastung eines Menschen, die sich aus natürlichen Strahlungen (etwa aus der Nahrung) und künstlichen Strahlungen (wie beim Röntgen) zusammensetzt, beträgt im Schnitt 3800 Mikrosievert pro Jahr, erläuterte Manfred Loistl vom Umweltministerium.

Die Kritik an der Entsorgung:

Die Unterbringung auf einer Deponie im Landkreis „wird in Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen“, sagte AVL-Geschäftsführer Tilmann Hepperle. Da der Abfall auf der Gemarkung des Landkreises anfalle, bestehe aber eine gesetzliche Entsorgungspflicht. Gerrit Niehues vom Umweltministerium betonte, dass es nicht das ökologische Ziel sei, auch ungefährliche Reststoffe in ein Endlager zu bringen, daher habe man keine alternativen Lösungen für diese Stoffe gesucht.

Der Zeitraum:

Zehn bis 15 Jahre dauert der Rückbau eines Kernkraftwerks, sagte Michel. Am 31. Dezember 2022 wird in Neckarwestheim Block II vom Netz gehen, der anschließend zurückgebaut werde müsse. Zu den Kosten lassen sich laut Michels keine konkreten Angaben machen.

Was jetzt passiert:

Die verplompten Bauschuttsäcke werden nach der Freigabe durch die Aufsichtsbehörde und je nach Kategorie entweder auf die Deponie Burghof in Vaihingen oder Am Froschgraben in Schwieberdingen geliefert. Dort werden sie eingebaut und mit Bauschutt oder Erdaushub bedeckt. Der Vorgang wird mit Fotos und GPS-Daten dokumentiert, erläuterte Hepperle. Er rechnet Anfang des nächsten Jahres mit der ersten Lieferung, die vermutlich auf die Deponie Burghof erfolgen werde.

 
 
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