Rundgang in Ingersheim Skulpturenpark mit Botschaften

Von Jörg Palitzsch
Jörg Failmetzger (rechts) zeigte den Besuchern im Ingersheimer Skulpturenpark auf dem Alten Friedhof seine Werke. Foto: Oliver Bürkle

Bei einem Rundgang auf dem alten Großingersheimer Friedhof nahmen über 80 Gäste teil. Der Bildhauer Jörg Failmezger erläuterte seine Arbeiten.

Corona hat eine offizielle Einweihung des Skulpturenparks in Großingersheim bislang unmöglich gemacht. Dies wurde nun am Sonntag bei strahlender Herbstsonne und mit rund 80 Gästen nachgeholt. Zum Auftakt spielte Amtsleiter Harald Schnabel auf dem Saxofon den Klassiker „Put Your Hand In The Hand“, ein beschwingter Gospel-Pop-Song des Kanadiers Gene MacLellan.

In ihrer Begrüßung strich Bürgermeisterin Simone Lehnert die Wirkung des Parks heraus, in dem man zur Ruhe kommen könne. Sie selbst hat ihr Büro im Anbau des Rathauses und kann über das Gelände blicken. „Die Skulpturen erzählen jeden Tag etwas anderes“, der Park mit den Kunstwerken sei ein ganz besonderer Ort. Ein Gedanke, den auch der Pleidelsheimer Bildhauer Jörg Failmezger aufgriff. Der Ort sei würdevoll, „die Toten haben eine Ethik“, sagte er. Jede seiner Skulpturen habe eine ganz eigene Entstehungsgeschichte, stets sei es jedoch ein Dialog mit dem Stein.

Ursprünglich anderes geplant

Dabei war auf dem Gelände einmal anderes geplant. Der alte Friedhof sollte nach Ablauf der Ruhezeiten der letzten Gräber im Jahr 2011 zu einem „Park der Erinnerung“ umgewandelt werden, das Projekt hat die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde in der angedachten Größenordnung aber überstiegen.

Umfangreiche Erdarbeiten und die Befestigung von bestehenden Mauern wären nötig gewesen, neue Wege, ein Irrgarten aus Hecken und ein Podest für ein Erinnerungsfeld waren geplant. Inzwischen wurde der alte Begräbnisplatz zu einer innerörtlichen Grünanlage umgestaltet. Ein barrierefreier, breiter und gut ausgeleuchteter Weg führt von der ehemaligen Aussegnungshalle hinab ins Wiesental und zum Karl-Ehmer-Stift.

Verteilt in dem grünen Park sind inzwischen rund 20 Skulpturen von Failmezger, dessen Arbeiten das abfallende Gelände und auch den Eingangsbereich vor dem Rathaus dominieren. Fällt die Sonne auf das Gelände, bilden die Schatten der hohen Bäume durchaus eine Verbindung mit den Stelen. Ganz im Sinne des Künstlers, der die Inspiration seiner Arbeiten vor allem aus der Natur bezieht.

Drei Millionen Jahre

Bei einem Rundgang erfuhren die Besucher anschließend vieles über die Arbeitsweise Failmezgers, über die Beschaffung des Materials und die künstlerische Deutung. Beginnend mit einer neueren Arbeit am Eingang zum Park, hier hat der Künstler einen quadratischen Würfel aus einem drei Millionen Jahre alten Steinblock herausgeschnitten, über das puzzelartige „Rapport“, die Stele „Aufbruch“ und das mehrteilige „Heptagon“, die nahe am Rathauseingang stehen, ging es weiter auf dem Weg zu weiteren Arbeiten.

Zu einigen Skulpturen, so das Programm, spielte Harald Schnabel auf der Klarinette. Zu dem blauen Quarzitstein „Wolke“ den Song von Reinhard Mey „Über den Wolken“, zu „Am Boden liegend“ die Lieder „Amazing Grace“ und Pete Seegers „We Shall Overcome“, und zu der Skulptur „Mors Permutat Vitam“ Manfred Siebalds „Geh unter der Gnade“. Der „Schläfer“ ist eine Auseinandersetzung Jörg Failmezgers mit dem Terroranschlag von 9/11, dazu passend der Song „Only Time“ von Enya.

Eine neuere Arbeit ist „Denk mal“, die am Weg hinter der Kirche steht, gegenüber der Sammlung alter Grabsteine. Zu sehen ist ein Schädel, daneben ein steinernes Gehirn. Nicht nur ein Zeichen für die Vergänglichkeit des Menschen, sie vermittelt ein Stück weit auch die Gewissheit des Jenseits. Handwerklich korrespondiert diese Skulptur mit dem herausgeschnittenen Würfel am Eingang zum Park. Womit der Kreis wieder geschlossen wird. 

 
 
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